Kraftwerk bei Jazz Open in Stuttgart Wie der Geheimcoup mit Astro-Alex zustande kam

Von Uwe Bogen 

Die Nachricht verbreitete sich weltweit über Agenturen, online und TV-Sendern: Astronaut Alexander Gerst ist live aus dem All zum Kraftwerk-Konzert bei den Jazz Open in Stuttgart zugeschaltet worden. Wir verraten, wie dieser Geheimcoup zustande kam.

Als prominenter Gast hat sich ISS-Astronaut Alexander Gerst zum Auftritt von Kraftwerk zuschalten lassen. Foto: dpa 9 Bilder
Als prominenter Gast hat sich ISS-Astronaut Alexander Gerst zum Auftritt von Kraftwerk zuschalten lassen. Foto: dpa

Stuttgart - Ja, es war die Idee von Alexander Gerst selbst. Der ISS-Astronaut ist ein großer Fan der Elektro-Band Kraftwerk. Lange vor dem Start ins Weltall am 6. Juni hatte der 42-Jährige mit seinen Idolen den Gastauftritt bei den Jazz Open in Stuttgart klar gemacht. Dafür nahm Astro-Alex einen mit virtuellen Synthesizern konfigurierten Tablet-Computer an Bord. Denn er wollte mit seiner Lieblingsband eine spezielle Version des „Tracks Spacelab“ im Duett spielen. Perfekt hat Gerst alles vorbereitet, vor allem auch die Zeitdifferenz berücksichtigt, die bei einer Live-Schaltung zwischen All und Erde besteht: es sind fünf Sekunden.

„Eine tolle Werbung für Stuttgart“

Gersts Beteiligung am Konzert war ein Geheimkommando, in das nur wenige, die unmittelbar Beteiligten, eingeweiht worden sind. Aus Sicherheitsgründen hatte die Europäische Weltraumorganisation ESA mit Sitz in Paris verlangt, den Plan auf keinen Fall vorher anzukündigen. Die Befürchtung, so heißt es, sei gewesen, dass Hacker die Verbindung zwischen Erde und Weltraum knacken könnten, sollten sie wissen, zu welcher Zeit die Schaltung aufgebaut wird.

Sehen Sie hier: Das Video vom Auftritt von Alexander Gerst während des Konzerts:

Der Live-Kontakt von Astro-Alex zum Schlossplatz lief über die ESA. Von dort ist die Leitung mit Hilfe des SWR nach Stuttgart geführt worden. Die Redaktion der „Tagesthemen“ hatte sich überlegt, am Freitagabend live von dieser für 22 Uhr geplanten Sensation bei den Jazz Open zu berichten. Das Risiko, dass es nicht klappen könnte, war ihr aber dann doch zu hoch. Die Nachricht verbreitete sich im Nu über online und etliche TV-Sender weltweit. „Dies war nicht nur für die Jazz Open eine tolle Werbung“, sagt Festivalleiter Jürgen Schlensog, „sondern auch für Stuttgart.“

Lesen Sie hier: Unsere Konzertkritik zum Auftritt von Kraftwerk auf dem Schlossplatz in Stuttgart.

Gerst rühmt das Miteinander der Nationen

Aus 400 Kilometern Höhe hatte Alexander Gerst die Völkerfreundschaft und das Miteinander der Nationen gerühmt: „Hier im europäischen Columbus-Labor, dem Nachfolger des Spacelab, forschen wir von der Europäischen Weltraumagentur ESA an Dingen, die das tägliche Leben auf der Erde besser machen werden. Über 100 verschiedene Nationen arbeiten hier friedlich zusammen und erreichen Dinge, die eine einzelne Nation nie erreichen könnte. Wir entwickeln auf der ISS Technologien, um in Zukunft über unsere Horizonte hinaus zu wachsen und weitere Schritte hinaus ins All, zu Mond und Mars vorzubereiten.“ Jedoch ging es nicht nur um den Gruß Gersts aus der „Mensch-Maschine“ im All an Kraftwerk und das Publikum in Stuttgart – vielmehr ging es um „Musik als die universelle Sprache der Welt“, wie Kraftwerk-Gründungsmitglied Ralf Hütter betonte.

Nachdem Alexander Gerst sich mit einem „Good Night Earth“ vom Publikum verabschiedet hatte, fragten sich viele auf dem Schlossplatz: War das echt? Oder war das aufgezeichnet? Es war echt! Es war live – mit gerade mal fünf Sekunden Differenz.

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