Sensation in Neidlingen Kommissar stürzt Bürgermeister

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Das Ergebnis ist eindeutig: Klaus Däschler (58 Prozent) vertreibt Rolf Kammerlander (38 Prozent) aus dem Rathaus.

Klaus Däschler mit dem stellfvertretenden Bürgermeister Uli Hepperle Foto: Horst Rudel
Klaus Däschler mit dem stellfvertretenden Bürgermeister Uli Hepperle Foto: Horst Rudel

Neidlingen - Zwei Stunden haben die Mitarbeiter des Rathauses die Stimmen ausgezählt, erst gegen 20 Uhr stand das Ergebnis fest. Und es war überraschend: Klaus Däschler, Mordkommissar der Esslinger Polizei, wird der neue Bürgermeister von Neidlingen. Er erhielt 58 Prozent der Stimmen, der Amtsinhaber Rolf Kammerlander kam auf 38 Prozent, der Kandidat der Nein-Partei auf 2,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 72 Prozent.

Schon im Vorfeld war klar gewesen, dass die Wahl in dem 1800-Einwohner-Ort spannend würde. Rolf Kammerlander war gegen Ende seiner zweiten Amtszeit in der Gemeinde nicht unumstritten. Däschler (Jahrgang 1961), der für die Neidlinger Wählervereinigung (NWV) im Gemeinderat sitzt, erkannte seine Chance. Aus der Mitte der Bürgerschaft, so sagte er, sei er aufgefordert worden, sich zur Wahl zu stellen. Klaus Däschler hatte bei einer Kandidatenvorstellung in der Reußensteinhalle gesagt, nun wolle er ausprobieren, ob er es besser könne, oder „zumindest anders“.

„Wut und Hass“ der Bürger

Der Amtsinhaber Kammerlander hat offenbar schon seit Monaten an Äußerungen im Gemeinderat gemerkt, dass etwas im Verhältnis zwischen ihm und den Menschen in der Gemeinde in Schieflage geraten ist. Bei der Kandidatenvorstellung sprach er von Begegnungen „voller Wut und Hass“ im Ort. Er sei auf offener Straße als Lügner beschimpft worden. Seine Rede in der Reußensteinhalle war damals beinahe zur Verteidigungsrede geraten, in der er die Vorwürfe zurückwies.

Etwa 100 Bürger und einige Bürgermeister der Nachbarkommunen waren gekommen, um die Auszählung zu beobachten. Gegen 18.30 Uhr war die Briefwahl ausgezählt, gegen 19.30 Uhr stand die Tendenz fest. Aber noch mochte der Wahlleiter Uli Hepperle, der stellvertretende Bürgermeister, kein Ergebnis bekannt geben. Es waren verschiedene andere Bürger auf Stimmzettel notiert worden, die Wahlhelfer mussten erst nachprüfen, ob diese Bürger wählbar waren.

Eindeutiges Ergebnis

Um 20 Uhr bat Hepperle um Ruhe, hielt das Ergebnis in der Hand und sagte: „Die Wahl ist eindeutig, 58 Prozent für Klaus Däschler.“ Unter Beifall, Johlen und Singen kam Däschler aus Publikum nach vorne, um einen Blumenstrauß und die Wahl anzunehmen. Er wolle ein verlässlicher Bürgermeister sein, der zu seinem Wort stehe, sagte er. Er warb bei den anwesenden Bürgermeistern um Hilfe. Und er hoffe, in etwa einem halben oder ganzen Jahr auf Augenhöhe zu sein, was die Verwaltungspraxis angehe. Er selbst hatte mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Kammerlander gerechnet und war sichtlich überrascht und bewegt wegen des Ergebnisses. Kammerlander war am Wahlabend nicht erschienen. Däschler will die Amtsgeschäfte im Frühjahr übernehmen.

Auf dem Papier beworben hatte sich noch Michael König von der Nein-Partei. Er war nie in der Gemeinde aufgetaucht.




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