Sensationsfund in China Älteste Spuren des Frühmenschen außerhalb Afrikas entdeckt

Von /dpa 

Wann verließen die ersten Frühmenschen Afrika? Forscher haben in China die mit 2,1 Millionen Jahren bislang ältesten Spuren einer Besiedlung entdeckt. Der Fund könnte die Sicht auf die Geschichte der Menschheit revolutionieren.

Die Evolution des Frühmenschen: Gesichtsrekonstruktion eines Homo erectus im National Museum of Natural History in den USA. Foto: Wikipedia commons/Tim Evanson CC BY-SA 2.0 5 Bilder
Die Evolution des Frühmenschen: Gesichtsrekonstruktion eines Homo erectus im National Museum of Natural History in den USA. Foto: Wikipedia commons/Tim Evanson CC BY-SA 2.0

Guangzhou/Stuttgart - Afrika ist die Wiege der Menschheit. Doch wann verließen unsere Vorfahren den Kontinent, um sich eine neue Heimat zu suchen? Forscher haben jetzt in China die mit Abstand ältesten Hinweise auf Frühmenschen außerhalb Afrikas entdeckt. In Shangchen (Provinz Shaanxi) fanden sie Steinwerkzeuge sowie Tierknochen in Sedimentschichten, die bis zu 2,1 Millionen Jahre alt sind.

Bisheriger Rekordhalter ist mit einem Alter von 1,8 Millionen Jahren die Fundstätte Dmanissi in Georgien, an der auch frühmenschliche Knochen von Homo erectus entdeckt wurden.

2,1 Millionen Jahre vor unserer Zeit

Der jetzige Fund zeige, dass Vertreter der Gattung Homo Afrika deutlich früher verlassen haben müssen als bisher gedacht, schreibt das Team um die Archäologen Zhaoyu Zhu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und Robin Dennell von der englischen Universität Exeter im Fachblatt „Nature“. „Eine frühe Form des Homo hat wahrscheinlich die Artefakte von Shangchen gemacht, aber es ist noch zu früh, um zu sagen, ob das Homo erectus war“, so Dennell.

An den steilen Hängen des Chinesischen Lössplateaus fanden die Forscher insgesamt 96 Steinwerkzeuge. Darunter waren mehrfach nachbehauene Objekte, die zum Schneiden, Schaben und Bohren dienten sowie größere Steine, die vermutlich als Hammer genutzt wurden. Zudem fanden die Forscher Tierknochen von Hirschen und Rinderartigen.

Dass alle Frühmenschen aus Afrika stammen, gilt als sicher. Dort habe es Hominine vermutlich schon vor mehr als sechs Millionen Jahren gegeben, schreibt John Kappelman von der University of Texas in Austin in „Nature“.

Von Afrika gen Norden

Nach neuesten Erkenntnissen lebten Vorfahren des modernen Menschen bereits vor etwa 300 000 Jahren in Afrika. Von dort wanderte der Homo sapiens vor 200 000 bis 100 000 Jahren in Richtung Norden und Nordosten aus. Andere Frühmenschen, darunter die Vorfahren der Neandertaler (Homo neanderthalensis), waren schon früher außerhalb Afrikas unterwegs.

Forscher gehen davon aus, dass sich vor Hunderttausenden Jahren ein ganzes Spektrum verschiedener Menschenarten in Afrika und auch auf anderen Kontinenten tummelte, die inzwischen alle ausgestorben sind – bis auf den Homo sapiens.

Die jüngsten Fundschichten sind den Forschern zufolge etwa 1,3 Millionen, die ältesten 2,1 Millionen Jahre alt. „Das macht es notwendig, die Datierung der anfänglichen Verbreitung der frühen Hominiden in der Welt zu überdenken“, heißt es in der Studie.

Besiedlung Europas

Die ältesten Überreste des modernen Menschen, die jemals in Europa gefunden wurden, stammen aus der Oase-Höhle (Peștera cu Oas), einem ausgedehnten Karsthöhlen-System in Rumänien. Es handelt sich um den Schädel eines Menschen, der vor rund 40 000 Jahren gelebt hat.

Wissenschaftler der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts (MPI) für Menschheitsgeschichte in Jena fanden heraus, dass es mehrere große Einwanderungswellen nach Europa gab. Die erste Immigration des modernen Menschen erfolgte demnach vor schätzungsweise 42 000 Jahren.

Die Steinzeit auf der Schwäbischen Alb

Die Schwäbische Alb war in dieser Frühphase der Menschheitsgeschichte eines der wichtigsten Siedlungsgebiete in Europa. Aufgrund der vielen Karsthöhlen bot sie Schutz und Unterschlupf vor der rauen Witterung und den kalten Wintern. Durch ihre Steppen zogen Mammuts, Wollnashörner und Riesenhirsche, die Nahrung und Kleidung lieferten.

Die Menschen in dieser Aurignacien-Kultur (40 000 bis 31 000) genannten Epoche wanderten wahrscheinlich aus dem Nahen Osten entlang der Donau nach Zentraleuropa ein. Weil die Bevölkerung relativ groß und stabil war, konnten Kunstgegenstände wie die Venus vom Hohle Fels und die ersten Musikinstrumente aus dem Geißenklösterle entstehen.

„Das Klima hat immer wieder Einfluss auf das Überleben und die Wanderungsbewegungen der modernen Menschen genommen“, erklärt der Evolutionsgenetiker Johannes Krause, Direktor am MPI in Jena. Als das Eis zurückkehrte und große Teile des Kontinents bedeckte, starben die meisten Menschen auf der Alb oder wanderten nach Südfrankreich oder auf die Iberische Halbinsel aus. Die Neandertaler waren zu dieser Zeit schon ausgestorben.