Serie aus Esslingen: Damals und heute Passanten machen Päuschen am Postplatz

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Unser Fotograf Horst Rudel hat Bilder aus dem Jahr 1978 ausgegraben, die markante Plätze und Straßen im Kreis Esslingen zeigen. Seine Tochter Ines Rudel dokumentiert 40 Jahre später die Gegenwart. Heute: Der Kirchheimer Postplatz.

Der einstige Bahnhof ist gewichen, das Milieu geblieben. Foto: Ines Rudel
Der einstige Bahnhof ist gewichen, das Milieu geblieben. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Einst ging hier die Post ab in Kirchheim als der Bahnhof noch stand und die Leute über die Straße ins Zentrum der Stadt hetzten. Abend für Abend wurden die Postsäcke mit Elektrokarren in die Güterwagen gebracht und von dort in die Briefverteilzentren verladen. Der Bahnhof ist verlegt, das Teckcenter erhebt sich jetzt dort, und der Postplatz ist eine belebte Fußgängerzone. Nur ist lustigerweise das Bahnhofsmilieu geblieben, diese Mischung aus Dönerbuden und Spielhallen, wie es sie in jeder anderen Stadt gegenüber der Gleise auch gibt.

Es scheint, als hätten alle europäischen Städte meist die gleiche Entwicklung genommen und die Unterschiede nur daher kommen, dass die Veränderungen zu verschiedenen Zeitpunkten begannen. Der Kirchheimer Bahnhof lag, wie beispielsweise auch der in Esslingen, südlich des Altstadrings. Diese Ringe haben alle alten europäischen Städte. Sie erheben sich da, wo einst die Stadtmauer war und der Stadtgraben. Als mit der Entwicklung moderner Artillerie die Stadtmauern militärisch bedeutungslos wurden, hat man die Mauern entweder geschleift oder als Grundmauern in Wohnhäuser integriert. Der davorliegende Stadtgraben wurde zugeschüttet, und auf ihrer Fläche konnte man eine breite Straße anlegen, ein sogenanntes Boulevard.

Früher Boulevard, heute Fußgängerzone

Dieses Wort „Boulevard“, das sich so französisch anhört, kommt aber aus dem Niederdeutschen und ist von dem Wort „Bollwerk“ abgeleitet, eben die Straße, die sich jetzt da erstreckt, wo einst die Stadtmauer war. Vorreiter dieser Entwicklung war die Stadt Paris, weswegen sich der französisierte Ausdruck weltweit durchgesetzt hat. Wie ein Pingpong-Ball ist das Wort „ Boulevard“ wieder ins Deutsche gekommen und bezeichnet nun, was es eben bezeichnet, eine breite Straße, die meist mit Bäumen bestanden ist und zum Flanieren einlädt. Waren die Boulevards im 19. Jahrhundert noch der Treffpunkt der eleganten Gesellschaft, hat der Autoverkehr des 20. und 21. Jahrhunderts die Menschen von den Ringstraßen vertrieben. Die Boulevards dienen heute meist als Rennstrecke für Autos. Als Ersatz wurden die Fußgängerzonen eingeführt.

Eine Fußgängerzone ist der Postplatz heute: Belebt von den beiden großen Einkaufshäusern Nanz-Center und Teck-Center gibt es wie in den Boulevards der Vergangenheit Bäume, die Schatten spenden und Bänke zum Ausruhen.

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