InterviewSerie „Beziehungsweise“ (7): Das Aida-Paar „Ein Highlight am anderen“

Von Lisa Welzhofer 

Warum passen zwei Menschen zusammen? In einer Serie sprechen besondere Paare über ihr Leben. Heute: Svenja Hinzel und Jelto Kerkman sind sich auf hoher See nahegekommen. Sie arbeiteten beide als Crewmitglieder auf der Aida.

Der gebürtige Holländer Jelto Kerkman (mit Tochter Amalia), 36,  wuchs  in Mönchengladbach auf. Er arbeitet als     Golflehrer im Club Schloss Liebenstein. Svenja Hinzel, 30, stammt aus Gerlingen. Die Fitnessökonomin arbeitet heute für eine Sportmarketingfirma in Stuttgart. Foto: Gottfried Stoppel
Der gebürtige Holländer Jelto Kerkman (mit Tochter Amalia), 36, wuchs in Mönchengladbach auf. Er arbeitet als Golflehrer im Club Schloss Liebenstein. Svenja Hinzel, 30, stammt aus Gerlingen. Die Fitnessökonomin arbeitet heute für eine Sportmarketingfirma in Stuttgart. Foto: Gottfried Stoppel

Neckarweihingen - Weiß und Grau sind die dominierenden Farben in der Dachgeschosswohnung von Svenja Hinzel und Jelto Kerkman. Der Stil: geradlinig-modern, wie man es jetzt landläufig so hat, ebenso unaufgeregt wie praktisch und vielleicht auch das optische Ergebnis einer Suche nach ruhigeren Fahrwassern. Nach mehreren Jahren als Fitnesstrainerin und Golflehrer auf einem Kreuzfahrtschiff, ist das Paar in Neckarweihingen sesshaft geworden.

Frau Hinzel, Herr Kerkman, auf dem Kreuzfahrtschiff waren 2500 Gäste und 800 Mitarbeiter unterwegs. Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich über den Weg gelaufen sind?
Svenja Hinzel Wir haben uns schon beim einwöchigen Sicherheitstraining in Warnemünde kennengelernt, das jeder Mitarbeiter machen muss. Schon dort haben wir uns ziemlich gut verstanden. Am Ende der Woche war dann klar, dass wir zufällig auf das gleiche Schiff kommen.
Jelto Kerkman Das nennt man wohl Schicksal. Jeder hätte ja auch auf ein anderes der elf Aida-Schiffe kommen können. Aber wir wurden beide für die Kanaren-Tour eingeteilt.
Svenja H. Jelto war zwei Wochen früher an Bord als ich. An meinem Aufstiegstag bin ich direkt zu ihm in seine Einzelkabine gezogen, obwohl wir uns kaum kannten.
Jelto K. Sie war am ersten Tag gleich seekrank. Ich hab sie gepflegt, es ging ihr wirklich schlecht.
Svenja H. Das war ja meine allererste Kreuzfahrt. Ich war Anfang 20, alles war neu und dann gab es noch einen netten Mann, der mich interessiert hat. Das war zu viel auf einmal.
Sah Ihre Kabine wie die der Gäste aus?
Jelto K. Ne! Die großen Schiffe haben zwölf Decks. Deck zwei und drei sind Personalbereich. Einfache Crewmitglieder ohne Rang müssen sich die Kabine zu zweit teilen.
Svenja H. Sechs Quadratmeter mit einem 90 Zentimeter breitem Bett. Darin haben wir zu zweit geschlafen, monatelang.
Jelto K. Als Svenja später Abteilungsleiterin Sport war, hatten wir zwei nebeneinanderliegende Kabinen mit Nasszelle dazwischen.
Svenja H. Unsere Zweizimmerwohnung! Die haben wir richtig eingerichtet mit Kerzen, Teppich und eigener Bettwäsche.
Jelto K. Je höher der Rang, je mehr Streifen auf der Uniform, desto größer die Kabine und desto mehr Privilegien hat man. Das höchste sind vier Streifen, die hat der Kapitän. Als Golfmanager hatte ich zwei Streifen. Damit durfte ich mich zum Beispiel frei im Gästebereich bewegen und auch in den Restaurants essen. Einfache Mitarbeiter dürfen das nur mit Erlaubnis – und nicht alle eines Teams gleichzeitig.
Ist das Leben im Crewbereich wie in einem Dorf, in dem jeder jeden kennt?
Jelto K. Es ist erstaunlich, wie viele man nicht kennt. In der Küche und im Reinigungsdienst arbeiten Vietnamesen und Philippinos. Die hat man nur auf der Gangway getroffen.
Svenja H. Jeder ist in seinem Zirkel geblieben. Die Gästebetreuer waren Deutsche, mit denen waren wir zusammen. Wir sind fast jeden Tag zusammen in die Crewbar oder in die Disco.
Jelto K. Die Nicht-Europäer verdienen allerdings auch weniger, viele haben Familie und schicken das Geld nach Hause.

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