Serie Dante lesen (14) Der Fisch stinkt vom Kopf

Oh je, die Korrupten stecken ganz schön in der Tinte. Illustration zum Canto 19 des Inferno von Gustave Doré. Foto: imago/Leemage/imago stock&people
Oh je, die Korrupten stecken ganz schön in der Tinte. Illustration zum Canto 19 des Inferno von Gustave Doré. Foto: imago/Leemage/imago stock&people

In diesem Jahr wird der 700. Todestag des italienischen Dichters Dante Alighieri begangen. Seine „Göttliche Komödie“ ist eines der großartigsten Werke der europäischen Literatur. Es handelt von einer Reise ins Jenseits. In unserer Serie „Dante lesen“ reisen wir mit.

Kultur: Stefan Kister (kir)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Kaum ein Buch hat durch die Jahrhunderte so eine Karriere gemacht, wie die „Göttliche Komödie“, kaum eines wird so wenig gelesen. Doch wir wollen die drastischen Jenseits-Abenteuer des vor 700 Jahren gestorbenen Dichters Dante Alighieri nicht den Experten überlassen. In jeder Woche arbeiten wir uns weiter in die Unter- und Überwelt dieser vielleicht ersten Roadnovel der Geschichte vor – hier unser Bericht, Folge 14:

Von den Gewalttätern gegen die Natur, zu denen ein gesichtsloses Häuflein führender Banker aus Florence City zählt, setzt Dante in den achten, vorletzten Höllenkreis über. Er nutzt dazu gleichsam als Höllenreiter die Dienste eines Wesens, das im Gegensatz zu den florentinischen Geldgewerblern ein scheinbar ehrliches Gesicht besitzt, leider aber auch einen stachelbewehrten Schlangenschwanz. Es horcht auf den Namen Geryon und versinnbildlicht ziemlich genau, um was es in den zehn Übelgräben des achten Kreises geht: um Betrug und Verrat, um die Tücke hinter dem freundlichen Lächeln, die Teufelei unter der Mitra.

Übelgräben der Korruption

Als Stellvertreter dieser Spielart des Trugs begegnen Dante einige Päpste, wobei begegnen etwas beschönigend klingt. In Wirklichkeit stecken sie mit dem Kopf in dem, was der Dichter drastisch benennt: Merda. Nur noch die Fußsohlen, auf denen kleine Flämmchen züngeln, schauen heraus. Simonie, der Verkauf von Pfründen und Ämtern, ist die kirchliche Spielart der Korruption.

Hätte es damals schon einen entsprechenden Index gegeben, der Vatikan wäre auf den hinteren Plätzen gelandet, wo heute Nordkorea oder Somalia stehen. Andererseits würden heute vermutlich keine Päpste mehr in den Übelgräben stecken, sondern Politiker wie jene, die sich mit dem christlich-sozialen Verticken von Gesichtsmasken eine goldene Nase verdient haben. Bei dieser Art der Kopfwäsche ist eine Nase jedoch wirklich das letzte, was man brauchen kann.

Dante: Commedia. Inferno, Canti 17 bis 19. Alle bisherigen Folgen finden Sie hier.




Unsere Empfehlung für Sie