Serie Dante lesen (4) Zu Hause bei Vergil

Solche beschaulichen Plätzchen gibt es auch im Inferno – zumindest wenn man Homer, Horaz oder Ovid heißt. Illustration von Gustave Doré. Foto: imago/Leemage/imago stock&people
Solche beschaulichen Plätzchen gibt es auch im Inferno – zumindest wenn man Homer, Horaz oder Ovid heißt. Illustration von Gustave Doré. Foto: imago/Leemage/imago stock&people

In diesem Jahr wird der 700. Todestag des italienischen Dichters Dante Alighieri begangen. Seine „Göttliche Komödie“ ist eines der großartigsten Werke der Weltliteratur. Es handelt von einer Reise ins Jenseits. In unserer Serie „Dante lesen“ reisen wir mit.

Kultur: Stefan Kister (kir)

Stuttgart - Kaum ein Buch hat durch die Jahrhunderte so eine Karriere gemacht, wie die „Göttliche Komödie“, kaum eines wird so wenig gelesen. Doch wir wollen die drastischen Jenseits-Abenteuer des vor 700 Jahren gestorbenen Dichters Dante Alighieri nicht den Experten überlassen. In jeder Woche arbeiten wir uns weiter in die Unter- und Überwelt dieser vielleicht ersten Roadnovel der Geschichte vor – hier unser Bericht, Folge 4:

Business und Economy Class, das gibt es nicht nur bei Flugreisen. Bei Höllenfahrten gibt es das auch. In einer Art gated community, abgetrennt vom Schreckenstumult der Verdammten, erreicht Dante ein friedliches Ressort, den Limbus. Hier tummeln sich jene, die eigentlich nichts falsch gemacht haben – bis auf das eine, vor Christi Geburt gelebt zu haben. Sie wurden folglich nicht getauft. Wie auch, wenn die Taufe, dieser Persilschein der Erlösung noch gar nicht erfunden war.

Souterrain des Jenseits

Die Gnade der späten Geburt ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Aber wenn man schon dabei ist, Brücken zu schlagen: Der Limbus gleicht jenen Orten, an die sich Intellektuelle vor der Hölle diktatorischer Regime flüchten. Hier sind es die antiken Dichter und Denker, die unter christlicher Herrschaft gezwungen sind, im Untergrund zu operieren. Leute, denen Dante sich zutiefst verbunden fühlt, Leute wie der freundliche Herr Vergil. Dass dieser im Souterrain des Jenseits hausen muss, ist für einen Humanisten ein ernstes Problem. Dante lässt es fürs erste mit einer Solidaritätsadresse bewenden und drechselt ein paar schöne Verse, die ihn als getreuen Schüler antiker Dichtkunst ausweisen.

Dante: Göttliche Komödie. Inferno, Canto 4. Alle bisherigen Folgen finden Sie hier.




Unsere Empfehlung für Sie