Serie Endstationen: Fasanenhof Verkehrschaos um die Ruheoase

Von Christoph Donauer 

Auf dem Stuttgarter Fasanenhof prallen Industriegebiet und Idylle aufeinander. Das Wohngebiet blüht auf und profitiert von Menschen, die sich für ihren Stadtteil engagieren.

Die U6 fährt zum Fasanenhof. Was wir dort entdeckt haben, sehen Sie in unserer Fotostrecke. Foto: Donauer 21 Bilder
Die U6 fährt zum Fasanenhof. Was wir dort entdeckt haben, sehen Sie in unserer Fotostrecke. Foto: Donauer

Stuttgart - Wer noch nie auf dem Fasanenhof war, macht sich die kühnsten Vorstellungen, wie es dort wohl aussehen könnte. Fasanenhof, das klingt nach grünen Wiesen und umherspringenden Fasanen. Zeit, den Stadtteil mit dem wohlklingenden Namen zu erkunden.

Ihre Reise startet die U6 in Gerlingen und fährt dann in einem großen Bogen durch Stuttgart hoch auf die nördliche Filderebene. Hinter dem Möhringer Freibad biegt die Stadtbahn dann kurz vor der A8 ab und hält das erste Mal auf dem Fasanenhof. Hier ist die Fahrt aber noch nicht vorbei, denn die Bahn fährt weiter, bis zur Endhaltestelle im Industriegebiet Schelmenwasen, wo die Schienen schließlich enden.

Der Schelmenwasen erstickt im Verkehrschaos

Mit dem Verlassen der fast leeren Stadtbahn erfüllt lautes Hämmern und Sägen die Ohren. Der Lärm kommt von einer Baustelle in der Nähe der Haltestelle. Hier wird ein riesiges Parkhaus gebaut. Das scheint auch dringend nötig, denn direkt neben den Schienen parken Autos in einem langen Korridor, dessen Ende man nur erahnen kann.

„Zu wenige kommen mit der Bahn zur Arbeit“, erklärt der Mitarbeiter eines Elektrofachhandels, der nicht namentlich genannt werden möchte. „Es gibt zu viele Firmen hier, die Abfahrten sind zu klein und die Straßen überlastet. Abends, wenn alle um fünf Feierabend machen, ist hier das Chaos los“, sagt er.

Durch Stuttgart 21 steigt die Belastung zusätzlich. In der Nähe der Endstation Schelmenwasen wird nämlich der Fildertunnel gebaut. Mit einer Tunnelbohrmaschine bohren sich die Bauarbeiter vom Filderportal bis hinunter in den Stuttgarter Talkessel. Den Aushub bringen tonnenschwere Muldenkipper von der Baustelle, die sich zusätzlich durch die engen Straßen auf dem Schelmenwasen zwängen müssen. Bis zur Fertigstellung des Tunnels sind 400.000 Lastwagenfahrten durch das Industriegebiet nötig. Deshalb forderte auch die Deutsche Bahn bereits eine direkte Zufahrt zur A8. Allerdings konnte sich die Bahn mit der Stadt nicht auf eine Lösung einigen.

Ab 2017 möchte auch die SSB bauen und die U6 bis zum Flughafen verlängern. „Mit der Verlängerung der U6 bis zum Flughafen und zur Messe können Fluggäste und zukünftig auch Fahrgäste der Fernbahn/Regionalbahn direkt auf die U6 umsteigen“, erklärt SSB-Sprecherin Susanne Schupp. Schon heute sei die U6 zwischen Gerlingen und Fasanenhof mit rund 76.500 Fahrgästen die Linie mit der größten Nachfrage, so die SSB-Sprecherin. Mit der Flughafenanbindung wolle man diesen Erfolg noch steigern.

Nur fünf Firmen nutzen das Firmenticket

Obwohl die rund 70 Millionen Euro teure Neubaustrecke umstritten ist, begrüßt man die Verlängerung der Stadtbahn im Grand Leaf Hotel. Das Hotel liegt in einer der Seitenstraßen des Schelmenwasens. Kristina Injac ist Betriebsassistentin und freut sich auf die Anbindung zum Flughafen: „Ich glaube daran. Und wir freuen uns darauf.“ Für die Hotelgäste wäre die Stadtbahn vom Flughafen eine Alternative, erklärt Injac: „Oft nehmen unsere Gäste vom Flughafen aus das Taxi. Da wäre die Bahn natürlich billiger.“ Doch die ersten Stadtbahnen werden frühestens 2019 zum Flughafen fahren.

Seit 2011 fährt die U6 zum Fasanenhof. „Davor kam man hier zwar auch weg, aber nur mit dem Bus. Der fuhr aber von der EnBW ab“, erklärt Injac. Durch die Stadtbahn wurde die Anbindung besser. Dennoch haben nur fünf der auf dem Fasanenhof ansässigen Firmen eine Vereinbarung mit der SSB über ein Firmenticket. Immerhin, die EnBW sei dabei, erklärt SSB-Sprecherin Schupp. Alle anderen Mitarbeiter müssten jedoch das deutlich teurere Jedermann-Ticket kaufen.

Die Verkehrsbelastung bekäme man deutlich zu spüren, klagt Injac: „Mit dem Auto ist es furchtbar, da braucht man viel Geduld, um in die Stadt zu kommen.“ Ansonsten gefalle ihr aber der Schelmenwasen: „An sich ist es ein ruhiges Industriegebiet.“

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