Serie Endstationen: Mönchfeld Das grüne Wohnzimmer von Stuttgart

Von Michael Mahler 

Grüne Wiesen und prächtige Weinberge: Wer in Stuttgart ein hübsches Plätzchen zum Wohnen sucht, wird in Mönchfeld fündig. Doch in punkto Lebensqualität sind die Menschen hier geteilter Meinung, denn die Idylle hat die Infrastruktur vertrieben.

Seit 2010 sorgt die Stadtbahnendstation in Mönchfeld dafür, dass das strukturschwache Viertel im Stuttgarter Norden nicht ganz den Anschluss verpasst. Foto: mim 13 Bilder
Seit 2010 sorgt die Stadtbahnendstation in Mönchfeld dafür, dass das strukturschwache Viertel im Stuttgarter Norden nicht ganz den Anschluss verpasst. Foto: mim

S-Mönchfeld - In Mönchfeld wird der Stadtbahn der grüne Teppich ausgerollt. Wie eingewebt liegen die Gleise im Gras, hohe Bäume säumen auf einer Seite den Weg. Ein kleiner Vorgeschmack auf die gute Stube des 3.000-Seelenortes im Stuttgarter Norden.

Denn in Mönchfeld ist die Natur zuhause. Große Wiesen, dichte Sträucher und Bäume prägen die Wohnanlagen. Und kleine Wege durchs Grüne laden zum Spazierengehen ein. Vor allem: Die Weinberge sind nur einen Sprung weit von der Stadtbahn entfernt. Hier an den steilen Hängen bietet sich Wanderern ein prächtiger Panorama-Blick auf den angrenzenden Stadtteil Mühlhausen im Neckartal. „Es ist ein Traum hier“, schwärmt eine 88-Jährige, die seit mehr als 50 Jahren in Mönchfeld lebt. „So klein, grün und gemütlich: Eine schönere Gegend gibt es nicht!“

„Die Stadtbahn ist das Beste, was uns passieren konnte“

Dennoch hängt auch etwas Verschlafenes in der Idylle. Wer durch die Straßen läuft, hört mal einen brummenden Rasenmäher oder sieht wie Bettdecken zum Lüften über ein Balkongeländer gehängt werden, viel mehr bewegt sich an einem gewöhnlichen Vormittag in Mönchfeld nicht.

Nathalie Weichel ist mit ihren beiden Kindern eine der wenigen Passanten, die an diesem Morgen an den aneinander gereihten Mehrfamilienhäusern vorbeigehen. „Es ist schon eine sehr ruhige Gemeinde“, erzählt die 33-Jährige, die vor Längerem schon mit ihrer Familie aus Mönchfeld weggezogen ist und jetzt in Stuttgart-West lebt. Um ihren ältesten Sohn in seinen gewohnten Kindergarten zu bringen, kommt sie noch jeden Morgen mit der U7 in das kleine Viertel im Stuttgarter Norden. „Früher gab es hier wenigstens noch Schlecker und Bonus“, sagt Weichel zur dortigen Infrastruktur. „Die sind aber auch nacheinander gegangen. Jetzt ist hier nicht mehr viel geboten.“

„Die Stadtbahn ist das Beste, was uns passieren konnte“, sagt selbst Eva Ballier, die Mönchfeld immerhin schon mehr als 60 Jahre die Treue hält. Seit 2010 die Stadtbahnlinie U7 eingerichtet wurde, die über den Stuttgarter Hauptbahnhof bis nach Ostfildern fährt, kommt die 84-Jährige leichter zu ihren regelmäßigen Gymnastik-Stunden in Zuffenhausen. Trotzdem: „Was hier fehlt, ist das Leben.“

Zum Beispiel am Mönchsteinplatz, eigentlich das Herz des Stadtteils. Der Platz wird eingerahmt von der Katholischen Kirche St. Johannes-Mariae-Vianney und dem breit angelegten, zweistöckigen Laden-Zentrum. Beide Gebäude stammen noch aus der Anfangszeit des Viertels, das zwischen 1957 und 1964 unter dem Druck der Wohnungsnot auf ursprünglichem Ackerland aus dem Boden gestampft und für über 6.000 Menschen zur neuen Heimat geworden war.

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