Serie Endstationen: Remseck Eine Haltestelle in der Idylle

Von David Werner 

Vor dem Baubeginn der Haltestelle in Neckargröningen warfen Einwohner der Verwaltung Größenwahnsinn vor. Heute ist der Ort, wo sich Rems und Neckar vereinen, ein beliebtes Ausflugsziel und Pendlerwohnort.

Seit 1999 fährt die Stadtbahn nach Remseck, das im Landkreis Ludwigsburg liegt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 19 Bilder
Seit 1999 fährt die Stadtbahn nach Remseck, das im Landkreis Ludwigsburg liegt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Der Beginn einer neuen Sache bedeutet auch das Ende von etwas Altem. Als 1862 die Remstal- und Wieslaufbahn eröffnet wurde, bedeutete dies das Aus für die auf der Rems betriebene Scheitholzflößerei. Bis dahin hatte man Holz, das zumeist im Welzheimer Wald geschlagen wurde, auf dem Fluss in Richtung Stuttgart und Ludwigsburg transportiert und am Hechtkopf, der Stelle, wo die Rems in den Neckar mündet, in Neckargröningen aus dem Wasser gefischt.

Heute befindet sich dort das Boothaus, ein Restaurant mit Biergarten, das im Sommer viele Menschen anzieht, an diesem Tag aber aufgrund des unbeständigen Wetters noch auf Gäste wartet. In unmittelbarer Nähe, direkt auf der gegenüberliegenden Uferseite, befindet sich die Endstation in Remseck, eine aus sechs Ortsteilen bestehende Gemeinde im Landkreis Ludwigsburg. Remseck an sich gibt es also nicht. Die Endstation befindet sich genau genommen in Neckargröningen. Eine Ortschaft, die trotz des direkten Anschlusses in die Landeshauptstadt –bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof sind es 29 Minuten– ein beschauliches Dorf geblieben ist.

Steiniger Weg bis zur Stadtbahnhaltestelle

Die Endhaltestelle gibt es seit dem 22. Mai 1999. An diesem Tag startete die Stadtbahnlinie nach Heslach, die zuvor in jahrelangen Bauarbeiten von Stuttgart-Mühlhausen bis nach Neckargröningen verlängert worden war. „Es hat viele Jahre gedauert, bis wir 1999 endlich die Stadtbahnhaltestelle eröffnen konnten. Jahre, in denen in unzähligen Sitzungen beraten und diskutiert wurde“, erzählt Karl-Heinz Balzer, der seit 1992 in der Remsecker Stadtverwaltung arbeitet.

Bereits vor der Gemeindereform 1975 sei man in Verhandlungen mit der Stuttgarter Straßenbahnen AG und der dortigen Stadtverwaltung getreten, um die Stadtbahnlinie U14, die damals in Mühlhausen endete, zu verlängern. „Die Verlängerung war eine mutige Entscheidung von Bürgermeister und Gemeinderat. Heute können wir sagen, dass es für die gesamte Stadt ein Quantensprung auf dem Gebiet des Nahverkehrs war,“ bilanziert der heutige Erste Bürgermeister.

In der Bankfiliale herrscht Flaute

Derzeit leben rund 2400 Menschen in dem erstmals 806 erwähnten Ort. An einem gewöhnlichen Donnerstagvormittag, die meisten Pendler haben sich mittlerweile –zumeist mit der Stadtbahn– auf den Weg nach Stuttgart gemacht, sind die Straßen leer. Eine Kindergruppe geht am Neckarufer entlang, Mitarbeiter der Diakoniestation fahren von Haus zu Haus und auch in der örtlichen Volksbank-Filiale herrscht Flaute. So scheint es auch nicht verwunderlich, dass die Zweigstelle in Neckargröningen Ende des Jahres schließen wird. „Für Auskünfte muss ich Sie an meinen Chef in Aldingen verweisen. Er hilft gerne weiter,“ bekommt man dort von einer Bankangestellten zu hören.

Vorbei an der historischen Schmiede, die 1688 eröffnet wurde und seit April 2012 als Museum dient und der evangelischen Martinskirche gelangt man zu den Schaukästen der örtlichen Vereine. Dort wirbt der Turn- und Sportverein für sein Sportfest im Juli, Liederkranz und Handharmonika-Spielring sind auf der Suche nach Nachwuchsmusikern.

Gebietsreform formt Remseck am Neckar

Aus den eigenständigen Gemeinden Aldingen, Hochberg, Hochdorf, Neckarrems und Neckargröningen machte die baden-württembergische Gebietsreform in den 1970er Jahren die sogenannte Verbundgemeinde Remseck am Neckar, die sich seit 2004 dank einer gestiegenen Einwohnerzahl –mittlerweile leben dort mehr als 25000 Menschen– als Große Kreisstadt bezeichnen darf.

Einen beträchtlichen Anteil daran hatte Pattonville, das bis 1993 eine amerikanische Siedlung war. Nach Abzug der US-Truppen wurde die Gemeinde aufgeteilt, sodass mittlerweile der westliche Teil zu Kornwestheim, das östliche Gebiet zu Remseck am Neckar gehört. Die Verwaltung der beiden Stadtteile wird von einem Zweckverband übernommen, dessen Vorsitz zwischen den Oberbürgermeistern der beiden Gemeinden wechselt.

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