Familie Löwe beim NLV Vaihingen Die Beute der Familie Löwe sind Faustball-Titel

Faustball und die Familie Löwe – das passt einfach zusammen. Mittlerweile spielt die dritte Generation beim NLV Vaihingen. Hintere Reihe (von links): Christian, Markus, Rosemarie, Marc und Robin. Vorne (von links): Nick und Ian. Foto: Günter Bergmann

Seit drei Generationen spielt die Familie Löwe Faustball beim NLV Vaihingen. Neben großen Erfolgen – auch auf internationaler Bühne – gab es stundenlange Diskussionen am heimischen Esstisch. Aus unserer Lokalsort-Serie "Familiensache"

Lokalsport: Patrick Steinle (pst)

Wer das Wort „Löwe“ hört, denkt sehr wahrscheinlich zuerst an die Raubkatze. Anhänger des Faustballsports in der hiesigen Region erinnern sich womöglich aber zuerst an Spiele gegen den NLV Vaihingen. Wie das Tier seine Beute, schnappt sich die Familie Löwe seit drei Generationen einen Titel nach dem anderen. Weltmeister, Europapokalsieger, Deutscher Meister, Junioren-Europameister und unzählige Bundesliga-Spiele: Die Sammlung an Erfolgen aller Familienmitglieder ist riesig. Eines blieb bislang aber verwehrt – eine komplette Mannschaft ausschließlich bestehend aus Löwe-Faustballern.

 

Geht es nach Christian Löwe, soll das in Zukunft klappen. Der Sport ist schließlich der größte gemeinsame Nenner der Familie. „Wenn wir zusammen sind, kommen wir am Thema Faustball kaum vorbei“, sagt er. Der 51-Jährige wurde 2003 mit der deutschen Nationalmannschaft Vize-Weltmeister. Es war einer von wenigen Erfolgen, die er ohne seinen Bruder Markus erreichte. Drei Jahre ist Letzterer älter, gemeinsam als Spieler holte das Löwe-Duo den größten Titel des NLV Vaihingen in diesem Jahrtausend: 2002 der Sieg beim IFV-Europapokal.

Harte Worte zwischen den Brüdern

Beide erzählen mit einem Lächeln im Gesicht von den guten alten Zeiten. „Die Kommunikation war einfacher, wir haben uns mit kurzen Ansprachen blendend verstanden“, beschreibt Markus, der als Angreifer die Bälle von seinem als Zuspieler auflaufenden Bruder serviert bekam. „Unsere gemeinsame aktive Zeit war geprägt von viel Ehrgeiz und harten Worten. Das gehörte dazu. Wir haben uns aber nicht permanent gezofft“, sagt der 54-Jährige. Christian ergänzt: „Gegenüber dem Bruder kann man schon einmal etwas anderes sagen.“ Ein rauer Ton also. Auch noch zwei Stunden nach Spielende besprachen und analysierten die beiden einzelne Szenen – dann aber nüchterner, zumindest nach eigener Aussage.

Auch in den eigenen vier Wänden war Faustball immer Thema Nummer eins. Ihren Enthusiasmus für die Sportart haben die beiden nämlich nicht von ungefähr: Vater Bernd Löwe holte anno 1974 den ersten Europokal für den Filderclub, wurde Deutscher Meister und trainierte seine Söhne über viele Jahre hinweg. Der Weg war also mehr oder weniger vorgezeichnet, wie Christian zugibt. „Daheim am Tisch war Faustball das vorherrschende Thema. Für die Familie war es vielleicht eine Überdosis, irgendwann reduziert man sich nur noch auf Faustballthemen“, sagt er, weiß aber auch: „Durch den Faustball sind wir familiär stark verbunden.“

Bernd Löwe wurde einst Weltmeister

Wahrlich, es gibt wenige unter den Löwes, die dem Sport nicht verfallen sind. Mutter Rosemarie spielte mit der NLV-Frauenmannschaft in der Bundesliga. Das wohl erfolgreichste Familienmitglied war indes Christians und Markus’ Onkel: Dietmar Löwe spielte an der Seite seines Bruders Bernd. Neben Europapokalsiegen und deutschen Meisterschaften gelang „Didi“ etwas einzigartiges in der Historie der Familie. Sowohl 1972 als auch vier Jahre später krönte er sich mit der deutschen Nationalmannschaft zum Weltmeister. Diesen Titel erlangte auch Christian, allerdings in seiner Position als Co-Trainer, die er bis heute ausführt.

Früher waren es die Brüder Bernd und Dietmar, eine Generation später Markus und Christian. „Man hängt jeden Tag aufeinander, es wird mehr erwartet. Das war ein besonderes Verhältnis und nicht einfach“, erkennt Markus. „Wir wurden nie gezwungen, waren aber immer auf dem Sportplatz dabei.“ Die Verbundenheit blieb, sodass er 2013 das Amt des Vereinsvorsitzenden von seinem Vater Bernd übernahm. Anfang der 2000er-Jahre hatte der Verein mit Mitgliederschwund zu kämpfen, sodass Markus und Christian ihren Club mit Jugendarbeit wieder neu aufbauen wollten. Mit dabei: Christians Söhne Robin und Marc Löwe. Das nächste Brüderpaar also – die Familientradition wird fortgeführt.

Für Nachschub ist reichlich gesorgt

Heuer spielen der mittlerweile 24- respektive 22-Jährige für die erste Mannschaft in der 2. Bundesliga – mit ihrem Vater Christian als Trainer. „Die Kids haben uns gesehen und kamen auf mich zu, sie wollten auch mal mitspielen“, beschreibt der Coach die Anfänge seiner Sprösslinge, also ganz ohne Zwang. „Wir haben eine Faustballphilosophie mit viel Zusammenhalt mitbekommen. Was wir gelernt haben, geben wir weiter.“

Kaum vorstellbar, dass der NLV Vaihingen einmal ohne das Dabeisein eines Löwe-Nachkommen auftreten wird. Für den jüngsten Nachwuchs sorgen zwei weitere Söhne Christians: Ian (12) und Nick (7) spielen für die Jugendmannschaften des Clubs. Vorgesorgt, möchte man fast sagen. Und gleichermaßen dient das als Befeuerung für den Wunsch von Christian Löwe nach einem eigenen Familienteam – warum denn eigentlich nicht? Das passende Maskottchen ließe sich vom Nachnamen ableiten.

Serie „Familiensache“

Worum geht es?
Das wohl berühmteste Beispiel auf der großen Sport-Bühne sind die Neureuthers: Vater Christian, die inzwischen verstorbene Mutter Rosi Mittermaier und Sohn Felix – zwei Generationen, alle in derselben Sportart top, in diesem Fall auf Skiern. Oder die Ingebrigtsens – drei Brüder, dreimal läuferische Weltspitze. Es liegt also was in der Familie. Und darum geht es auch in unserer Serie „Familiensache“. Wir haben uns nach Vergleichbarem auf lokaler Ebene umgeschaut. In neun Teilen stellen wir Familien aus Stuttgart und von den Fildern vor, in denen sich ein Großteil einer gemeinsamen sportlichen Leidenschaft verschrieben hat. Heute: die Gashis beim Fußball-Kreisligisten KF Kosova Bernhausen

Bisher erschienene Serienteile

Die Faustball-Familie Löwe beim NLV Vaihingen,

die Eisstockschützen-Familie Butterweck beim ESC Stuttgart-Vaihingen,

die Ringer-Familie Laible bei der SG Weilimdorf,

die Basketball-Familie Nufer aus Rohr,

die Baseball-Familie Weil bei den Stuttgart Reds sowie

die Tischtennis-Familie Xu beim Sportbund Stuttgart sowie

die Fußball-Familie Gashi beim KF Kosova Bernhausen.

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