Die Gashis von KF Kosova Bernhausen Lieber die Familie als ein Profi-Abenteuer in Spanien

Väter, Söhne, Brüder, Cousins – vereint im Bernhausener Team. Hinten von links: Isuf Gashi, Orhan Gashi, Xhevdet Shatrolli, Artor Makaj, Dardan Gashi und Beni Gashi. Unten von links: Eronis Zogaj, Plator Gashi und Elvir Gashi. Foto: Günter Bergmann

Beim Fußball-B-Kreisligisten KF Kosova Bernhausen stehen etliche Mitglieder der Familie Gashi im Aufgebot. Und es könnten in naher Zukunft noch ein paar mehr werden. Aus unserer Lokalsport-Serie „Familiensache“

Nur mal angenommen, die Spiele des aktuell in der Staffel 4 der Kreisliga B beheimateten Fußballvereins KF Kosova Bernhausen würden als Radio-Reportage abrufbar sein – es wäre sehr wahrscheinlich eine ziemlich irritierende Sache. Denn es könnte sich beispielsweise so anhören: „Gute Parade von Gashi, der den Ball schnell zu Gashi weiterleitet. Pass auf Gashi, der das Spiel auf den rechten Flügel zu Gashi verlagert. Gashis Flanke in den freien Raum wird von Gashi erlaufen, der auf Gashi querlegt. Gashi tanzt noch zwei Gegenspieler aus und vollendet – Tor.“

 

Klingt seltsam, ist aber so. Denn die Mitglieder der Familie Gashi sind sozusagen das Kernstück des Filderstädter Clubs. Seit der Gründung des KF Kosova Bernhausen im Jahr 1990 kicken Vertreter der Großfamilie bei dem Verein. Aktuell stellen sie einen beträchtlichen Teil der ersten Mannschaft – wobei einige von ihnen durchaus schon höherklassig angetreten sind.

„Jede freie Minute zum Kicken“

„Der Sport ist 24/7 Thema bei uns. Sogar unsere Mütter schauen zusammen mit uns Fußball“, sagt Orhan Gashi, Abwehrspieler, mit 31 Jahren einer der älteren unter den Kosova-Kickern und Bruder seines Defensiv-Kollegen Dardan Gashi. Orhan Gashi ist selbst ein gutes Beispiel dafür, welchen Stellenwert der Fußball für einen Menschen haben kann. In der Jugend spielte er für den VfL Kirchheim in der Oberliga. Dann warf ihn ein Kreuzbandriss zurück. Und es sollte nur die erste schwere Verletzung sein, die er erleiden musste. Denn zwei weitere Kreuzbandrisse folgten. „Ich habe mich aber jedes Mal wieder rangekämpft“, sagt Orhan Gashi. So ist das eben mit einer Leidenschaft, die man seit früher Jugend hat. „Wir sind schon von Kindesbeinen an in jeder freien Minute zum Kicken gegangen. Und am Wochenende haben wir unseren Vätern und Onkels zugeschaut, wie sie für den KF Kosova gespielt haben.“ Beispielsweise Ismet Gashi – der ist der Onkel von Orhan und Dardan und war in den Anfangszeiten des Clubs Stammtorhüter bei den Bernhausenern.

Anfragen aus Spanien und England

Ein weiterer der KF-Kosova-Gründerväter war Rame Gashi, der zwar fußballinteressiert war, aber selbst nicht Fußball spielte. Ursprünglich in Bremen beheimatet, hatte es ihn nach Filderstadt verschlagen. Und dort verdiente sich sein Sohn Beni Gashi die ersten Sporen als Stürmer. Mit den A-Junioren des SV Bonlanden holte er den Bezirkspokal, gewann das Bonlandener Pfingstturnier und wechselte dann zum KF Kosova. „Es war eine tolle Zeit“, erinnert sich Beni Gashi. „Wir sind von der Kreisliga B bis in die Bezirksliga marschiert, und wir haben in der Saison 2001/2002 sogar den Bezirkspokal gewonnen.“ Inzwischen hat der 42-Jährige die Fußballschuhe an den Nagel gehängt – und kann mächtig stolz auf seinen Sohn Plator Gashi sein. Der hat sich im Gegensatz zu seinem Vater statt für das Toreschießen für das Toreverhindern ausbilden lassen. Plator Gashi ist Torwart – und hat einige bekannte Vereinsnamen in seiner Vita stehen: SSV Reutlingen, Stuttgarter Kickers, TSG Balingen. Dazu kommen noch Lehrgänge bei den Junioren-Nationalteams in Deutschland und im Kosovo. „Er hat sogar schon ein Angebot von dem spanischen Zweitliga-Tabellenführer CD Leganés bekommen“, sagt Vater Beni Gashi. „Und sogar Crystal Palace aus England hat Interesse bekundet.“

Was natürlich die Frage aufwirft, warum ein derart talentierter Fußballer bei einem Verein im Tor steht, der in der niedrigsten Spielklasse antritt. „Ich habe mich erst selbstständig gemacht und wollte wissen, wie das läuft“, sagt Plator Gashi, der inzwischen für ein großes Versicherungsunternehmen arbeitet. Er wollte den Kopf frei haben für Ausbildung und den Beruf – was mit dem Aufwand, professionell Fußball zu spielen, nicht zusammengepasst hätte. Hier beim KF Kosova sei es nicht schlimm, wenn er mal ein Training verpasse. Doch noch ist für ihn das letzte Wort in Sachen Profisportler nicht gesprochen. „Am Ende der Saison werde ich entscheiden, ob und wie es mit dem Fußball weitergeht“, sagt Plator Gashi.

Topscorer mit höherklassiger Erfahrung

Wobei er nicht der Einzige ist, der von höherklassig aktiven Vereinen zu den Kosovaren gewechselt ist. Elvir Gashi, mit 22 Treffern bei zehn Einsätzen aktuell zweitbester Torschütze seines Teams, war schon für den VfR Aalen, den SSV Reutlingen sowie die Landesligisten TV Echterdingen und TSV Plattenhardt am Ball. Und Cousin Eronis Zogaj, mit 25 Saisontreffern der Topscorer, spielte bei der TSG Balingen, der SG Sonnenhof Großaspach, dem SGV Freiberg und Calcio Leinfelden-Echterdingen.

In der aktuellen Runde gilt es für alle, eine Mission zu erfüllen. Und die lautet: Meisterschaftsgewinn und Aufstieg. Derzeit ist der KF Kosova Bernhausen mit fünf Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter SV Hoffeld Vierter im Klassement, hat aber ein Spiel weniger als der Tabellenführer absolviert. Die einzige Saisonniederlage resultierte aus einem Gerichtsurteil (wir berichteten). Die Rückkehr in die Kreisliga A würde einen weiteren Schritt für die Familienzusammenführung bedeuten. „Zwei unserer Cousins spielen noch für andere Vereine. Die wollen aber zu uns kommen, wenn wir aufsteigen“, sagt Orhan Gashi.

Serie „Familiensache“

Worum geht es?
Das wohl berühmteste Beispiel auf der großen Sport-Bühne sind die Neureuthers: Vater Christian, die inzwischen verstorbene Mutter Rosi Mittermaier und Sohn Felix – zwei Generationen, alle in derselben Sportart top, in diesem Fall auf Skiern. Oder die Ingebrigtsens – drei Brüder, dreimal läuferische Weltspitze. Es liegt also was in der Familie. Und darum geht es auch in unserer Serie „Familiensache“. Wir haben uns nach Vergleichbarem auf lokaler Ebene umgeschaut. In neun Teilen stellen wir Familien aus Stuttgart und von den Fildern vor, in denen sich ein Großteil einer gemeinsamen sportlichen Leidenschaft verschrieben hat. Heute: die Gashis beim Fußball-Kreisligisten KF Kosova Bernhausen

Bisher erschienene Serienteile

Die Faustball-Familie Löwe beim NLV Vaihingen,

die Eisstockschützen-Familie Butterweck beim ESC Stuttgart-Vaihingen,

die Ringer-Familie Laible bei der SG Weilimdorf,

die Basketball-Familie Nufer aus Rohr,

die Baseball-Familie Weil bei den Stuttgart Reds sowie

die Tischtennis-Familie Xu beim Sportbund Stuttgart.

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