Eisstockschießen verbinden die meisten wohl mit einem Weihnachtsmarktbesuch oder haben es als winterliche Spaßaktivität einmal ausprobiert. Für die Familie Butterweck ist es hingegen pure Leidenschaft, und zwar beim Eisstockschützen-Club Stuttgart-Vaihingen (ESC). Titel haben sich da quasi von alleine ergeben. Der Partykeller des Familienhauses in Plattenhardt ist prall gefüllt mit Pokalen, Medaillen, Urkunden und Zeitungsartikeln. „Die Erfolge haben den Spaß natürlich gefördert“, sagt Richard Butterweck. „Wir reden auch heute noch viel über den Sport.“
Der 73-Jährige ist sozusagen der Initiator der Kombination Eisstockschießen/Butterweck. 1970 kam er aus dem hohen Norden Deutschlands nach Stuttgart und wollte hier Fußball spielen. Restriktionen des Vereins was die Freizeitgestaltung anbelangt, ließen ihn aber von einem Engagement absehen. Durch Zufall probierte er dann einmal das Werfen der Stöcke auf dem Eis aus – und verliebte sich in die Sportart. „Diese Konzentration und das genaue Anvisieren haben mich fasziniert“, sagt Richard. So schloss er sich dem ESC an, und verließ ihn bis heute nicht. Als Spieler gewann er die Bundesliga, und wurde später Vorsitzender des Vereins. Auch das Amt des Regionenobmanns im Verband hatte Richard Butterweck inne.
Die Butterwecks feierten einige Titel
„Familiär war das immer perfekt, wir hatten die Wochenenden immer gemeinsam“, sagt Richards Sohn Daniel Butterweck. Jene verbrachten sie allesamt auf dem Eis. Der 46-Jährige ergänzt: „Wir sind mit dem Sport aufgewachsen, kennen ihn von der Wiege auf.“ So kam es auch, dass Daniel noch erfolgreicher war als sein Vater. Neben Titeln im Juniorenbereich hat er 14-mal die Bundesliga gewonnen, spielte mit dem ESC Vaihingen in der Champions League und wurde 1998 Europameister. Zwischenzeitlich übernahm er den Vereinsvorsitz von seinem Vater, ist mittlerweile aber nur noch Stellvertreter – und zwar seiner Frau Sonja.
Die 49 Jahre alte angeheiratete Butterweck führt den Club, lernte ihren Mann einst über das Eisstockschießen kennen. Zunächst spielte sie bei einem Nachbarverein, wechselte aber schnell nach Vaihingen. Dort traf sie auf noch mehr Butterwecks. So spielte auch Daniels Mutter Sabine immer wieder mit, seine Schwester Tanja stand ebenfalls auf dem Eis. So stellte die Familie ab und zu Mixed-Teams bei Wettbewerben.
Die Geschwister Tanja und Daniel sind sich einig: „Das war immer völlig normal. Auf dem Eis ist man ein Team, nicht Familie.“ Doch es kam durchaus vor, dass Heimfahrten von Turnieren vom sportlichen (Miss-)Erfolg und der Zusammenarbeit beeinflusst wurden. So beschreiben sie die Situation nach einem Wettbewerb in Hessen als „maximale Eskalation“. „Ich bin heulend vom Eis, weil mein Bruder gemotzt hat“, erzählt Tanja. Daniel stimmt ein. „Wir haben danach im Auto kein Wort gesprochen“, sagt er, und erklärt zugleich: „Unter Familienmitgliedern sagt man das eine oder andere härtere Wort.“ Es gehe nun mal direkter zu, große Streits gab es aber nie, ist sich die Familie einig. „Das gehört eben dazu“, sagt Vater Richard bestimmend.
Beim Eisstockschießen den Ehepartner kennengelernt
Es ist eben auch das Eisstockschießen, das die Familie immer wieder zusammenbringt. Ob als Zuschauer oder beim gemeinsamen Training jeden Donnerstag in der Eiswelt auf der Waldau. Die Butterwecks sind oft gemeinsam anzutreffen, nicht nur, weil sich Richards und Daniels Haushalte im selben Gebäude befinden. „Eisstockschießen ist ein großer Bestandteil unseres Lebens. Wir richten private Termine danach aus“, beschreibt Daniel. Auch seine Tochter Jennifer mischte in ihrer Jugend mit. Mittlerweile hat die 25-Jährige ein wenig das Interesse verloren, gezwungen wird aber sicherlich niemand.
Gleiches gilt für Tanjas Kinder Saskia (22) und Nele (8). Die ältere Tochter hat es einmal probiert, ist aber nicht aktiv dabei, die Jüngste durfte zuletzt zum ersten Mal reinschnuppern. Wie ihr Bruder fand auch Tanja den späteren Lebenspartner über die sportliche Leidenschaft. Ihr Ehemann Helmut Flachs greift nämlich seit Jahren in Böblingen zum Eisstock. „Wir sind eine große Familie, nicht nur die Butterwecks“, sagen sie und schätzen die Verbundenheit und Gemeinschaft – und genau das zählt womöglich mehr, als all die Pokale und Urkunden im Partykeller.
Serie „Familiensache“
Worum geht es?
Das wohl berühmteste Beispiel auf der großen Sport-Bühne sind die Neureuthers: Vater Christian, die inzwischen verstorbene Mutter Rosi Mittermaier und Sohn Felix – zwei Generationen, alle in derselben Sportart top, in diesem Fall auf Skiern. Oder die Ingebrigtsens – drei Brüder, dreimal läuferische Weltspitze. Es liegt also was in der Familie. Und darum geht es auch in unserer Serie „Familiensache“. Wir haben uns nach Vergleichbarem auf lokaler Ebene umgeschaut. In neun Teilen stellen wir Familien aus Stuttgart und von den Fildern vor, in denen sich ein Großteil einer gemeinsamen sportlichen Leidenschaft verschrieben hat. Heute: die Gashis beim Fußball-Kreisligisten KF Kosova Bernhausen
Bisher erschienene Serienteile
Die Faustball-Familie Löwe beim NLV Vaihingen,
die Eisstockschützen-Familie Butterweck beim ESC Stuttgart-Vaihingen,
die Ringer-Familie Laible bei der SG Weilimdorf,
die Basketball-Familie Nufer aus Rohr,
die Baseball-Familie Weil bei den Stuttgart Reds sowie
die Tischtennis-Familie Xu beim Sportbund Stuttgart sowie
die Fußball-Familie Gashi beim KF Kosova Bernhausen.