Serie: Gesundheit im Kreis Ludwigsburg Die Kliniken stehen vor Herausforderungen

Die Kliniken im Kreis sind bis zu 95 Prozent ausgelastet. Foto: /Stoppel (Archiv)

Die Arbeit in den Krankenhäusern wandelt sich durch die Digitalisierung, Kooperationen werden wichtiger – und die Probleme beim Pflegepersonal werden nicht kleiner. Der Chef der Kliniken im Kreis sieht die Holding dennoch gut aufgestellt.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Kreis Ludwigsburg - Dass in der Urlaubszeit weniger Patienten in Krankenhäusern behandelt werden, ist normal. So gravierend wie in diesem Sommer, war die Situation im Klinikum Ludwigsburg aber selten. Weil Personal fehlte, wurden zwei Stationen, die Allgemeine Chirurgie und eine Teilstation der Kinderklinik, geschlossen. Teilweise wurden Patienten nach Stuttgart oder die anderen Kliniken im Kreis verlegt. Jörg Martin, Leiter der Regionalen Kliniken Holding (RKH), dürfte das als gutes Beispiel dafür dienen, dass die Versorgung im Kreis gesichert ist.

 

Wer ins Krankenhaus muss, für den findet sich ein Platz. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt Martin. Und das, obwohl die Kliniken 100 Millionen Euro Schulden drücken. Der RKH-Chef meint etwas anderes: „Egal, wo der Patient ankommt, er kann immer versorgt werden.“ Mit Ausnahme einer Herzchirurgie deckt die Holding, unter deren Dach im Kreis Ludwigsburg die Kliniken in Vaihingen an der Enz, Bietigheim, Marbach, Markgröningen und Ludwigsburg vereint sind, alle relevanten medizinischen Felder und Notfälle ab.

Die Konzentration der Krankenhäuser im Kreis soll bald abgeschlossen sein

Zu 85 bis 95 Prozent seien die Kliniken im Kreis ausgelastet, sagt Martin. „Das ist überdurchschnittlich und durchaus eine Entwicklung gegen den Trend.“ Dass es um die RKH Kliniken gut bestellt sei, habe mehrere Gründe. „Zum einen ist es von Vorteil, dass wir als Holding das Privileg genießen, Medizin über die Landkreisgrenzen hinweg planen zu können“, sagt Martin. Die Holding betreibt auch Krankenhäuser im Landkreis Karlsruhe und im Enzkreis. Zum anderen wurden Schwerpunkte an den einzelnen Standorten entwickelt, um „hohe Synergien“ zu schaffen.

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In Bietigheim gibt es beispielsweise das Brust,- Darm- und Onkologische Zentrum, die Klinik in Markgröningen ist mit über 10 000 Operationen im Jahr die größte orthopädische Fachklinik in Süddeutschland, und nach Ludwigsburg werden auch Traumapatienten aus anderen Landkreisen in die Klinik für Unfall-, Wiederherstellungschirurgie und Orthopädie gebracht, die einen hervorragenden Ruf genießt. In Marbach soll ein Gesundheitscampus mit Pflegeheimen, Kurzzeit- Tages- und Nachtpflege, betreutem Wohnen sowie einer Privatklinik für Psychosomatik entstehen. Im Zuge dessen soll die Abteilung Innere Medizin und Geriatrie nach Bietigheim abwandern. Wenn dieses Projekt abgeschlossen ist, ist eine „weitere Konzentration nicht sinnvoll“, sagt Jörg Martin.

Eine Mikrobiologin stellt von Ludwigsburg aus Diagnosen

Zumal auf den medizinischen Sektor große Umwälzungen durch die Digitalisierung zukommen. In Anbetracht dessen sind die Schritte, die an den fünf Standorten im Kreis getan werden relativ klein. Im kommenden Jahr sollen alle Häuser mit W-Lan ausgestattet sein, in Bietigheim und in der Klinik für Psychiatrie in Ludwigsburg wurde in diesem Jahr die digitale Patientenakte eingeführt. Mitarbeiter können Infos, die sie früher im Intranet oder an schwarzen Brettern leicht übersehen konnten, nun bequem per Smartphone abrufen. Bald soll es auch eine App für Patienten geben, mit der sie vom ersten Kontakt mit dem Pflegepersonal bis zur Entlassung jeden Schritt nachverfolgen können.

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Von den digitalen Möglichkeiten profitieren Patienten aber bereits jetzt schon: Über das Internet können hoch spezialisierte Mediziner, wie zum Beispiel die Leiterin der Sektion Klinische Mikrobiologie, Sabine Gfrörer, die eigentlich in Ludwigsburg arbeitet, auch Diagnosen bei Patienten stellen, die in einem der anderen vier Krankenhäuser liegen. Ein Wagen mit Kamera, der von Patient zu Patient fährt, macht es möglich. Martin sieht insgesamt aber großen Nachholbedarf. „Wir müssen aufpassen, dass der Zug, der im Silicon Valley losfährt, nicht an uns vorbeifährt.“

In Sachen Präzisionsmedizin und Gendiagnostik, die die Art und Weise, wie Krankheiten entdeckt und behandelt werden, grundlegend verändern werden, tut sich jenseits des Atlantiks einiges. Dass es hierzulande nicht so schnell vorwärtsgeht, schiebt Martin auch auf die „extrem hohe Regulierung“ in einigen Bereichen.

Nicht nur in der Pflege herrscht Personalmangel, auch ITler werden gesucht

Das größte Problem der Kliniken bleibt indes der Personalmangel. Dabei lasse sich der Mangel auf keine spezielle Fachgruppe beschränken, sagt Martin. Selbst IT-Fachkräfte werden gesucht. Inzwischen umfasst die EDV-Abteilung der RKH Kliniken 50 Mitarbeiter. Neue dazu zu gewinnen ist in einer Region, in der man mit Porsche und Bosch konkurriert nicht so einfach.

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Während der Fachkräftemangel in der IT heute noch nicht so eklatant ist, spüren ihn die Patienten und vor allem die Belegschaft in der Pflege besonders. Mit ausländischen Fachkräften kann der Mangel nur teilweise behoben werden – zumal sie auch in ihren Heimatländern gebraucht würden. In der Neurologie komme teilweise eine Schwester auf zehn Patienten, sagt Jörg Martin. „Das können wir nur auffangen, wenn wir auch mal Betten schließen oder die gesetzlichen Untergrenzen beim Pflegepersonal bewusst verletzen.“

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