Serie: Gesundheit im Kreis Ludwigsburg Warum Profisportler sich gern an der OKM operieren lassen
Die Orthopädische Fachklinik Markgröningen gehört zu den besten ihrer Art. Innerhalb der Kliniken-Holding hat sie daher eine Art Leuchtturmstellung.
Die Orthopädische Fachklinik Markgröningen gehört zu den besten ihrer Art. Innerhalb der Kliniken-Holding hat sie daher eine Art Leuchtturmstellung.
Markgröningen - Das Ärzte-Ranking der Zeitschrift Focus kann als ein jährlicher Indikator für die Qualität einer Klinik gesehen werden. Demzufolge gehört die Orthopädische Fachklinik Markgröningen (OKM) zu den Top-Häusern in Deutschland: 13 ihrer Ärzte finden sich im aktuellen Ranking, sechs davon sind in leitender Funktion. Die Klinik mit knapp 600 Mitarbeitern legt Wert darauf, das gesamte Spektrum der Orthopädie abzudecken, „von der Halswirbelsäule bis zum großen Zeh“, wie ihr Geschäftsführer Olaf Sporys sagt. Das Haus mit 200 Planbetten behandelt im Jahr knapp 35 000 Fälle ambulant und 9300 stationär – und immer geht es um Probleme mit dem Bewegungsapparat.
Dabei war der Aufstieg der OKM zur nach eigenen Angaben größten orthopädischen Fachklinik Süddeutschlands eher holprig: Es begann im Jahr 1841 mit der Gründung der A.H. Werner’schen Anstalten in Ludwigsburg durch den Arzt August Hermann Werner. Zuerst als Kinderheilanstalt gedacht, entwickelte sich das Haus zu einem deutschlandweit anerkannten Zentrum für Orthopädie. In den 1960ern wurde der Platz in der Ludwigsburger Innenstadt aber zu gering. 1965 beschloss der damalige Träger, der Landeswohlfahrtsverband, umzuziehen: auf die grüne Wiese in Markgröningen.
Dass Menschen mit Bewegungsproblemen künftig den Hügel am Ortseingang der Schäferstadt besteigen müssten, war noch der geringste Spott. Vor allem die aus Markgröningen stammende Landesgesundheitsministerin Annemarie Griesinger (CDU) hatte sich für den Standort eingesetzt. Es folgte ein jahrelanger Kampf um die Trägerschaft. Im Jahr 2007 kaufte der Landkreis schließlich die Klinik, die OKM wird in die Familie der Regionalen Kliniken-Holding (RKH) aufgenommen. Auch seit 1994 dabei: die Ortema GmbH. Das Haus für Orthopädie-Technik, Rehabilitation sowie Sportprotektoren ist eine hundertprozentige Tochter der OKM.
Seit 2007 ist die OKM so etwas wie der Leuchtturm der Holding. 70 Millionen Euro wurden in den vergangenen zwölf Jahren in die Klinik investiert, Stationen wurden saniert, es kamen weitere Operations-Säle dazu.
Davon profitiert haben auch Jörg Richter und sein Team vom Zentrum für Sportorthopädie und spezielle Gelenkchirurgie. Hier wird alles gerichtet, was beim Sport kaputtgehen kann: Schulter, Ellbogen, Knie. 1250 Kreuzbänder haben sie in der OKM im vergangenen Jahr operiert. Diese „Königsdisziplin der Chirurgie“, wie Richter die Operation am komplexesten Gelenk des menschlichen Körpers nennt, habe eine hohe Fehlerquote, besonders bei Häusern, die diese Operation nur selten vornehmen. Mit OPs sei es wie mit Sport: „Talent und Training machen auch einen guten Operateur aus“, ist Richter überzeugt. Daher kämen auch viele Profi-Sportler mit dieser Verletzung zu ihm – zahlreiche unterschriebene und eingerahmte Trikots an den Wänden der Abteilung zeugen davon.
Ein prominentes Beispiel ist der Handballer Martin Strobl. Im Januar zog er sich beim Viertelfinale der Handball-WM einen Innenbandriss und einen Riss des vorderen Kreuzbandes zu. „Eine Viertelstunde später hat bei mir schon das Telefon geklingelt“, sagt Richter. Jetzt – knapp neun Monate nach der OP – sei Strobl bald wieder so weit, dass er in der Bundesliga spielen könne.
Da mehr als die Hälfte der OPs in Richters Abteilung auf Sportverletzungen zurückzuführen sind, ist auch der Altersdurchschnitt seiner Patienten niedriger als der in der Gesamtklinik. Anders ist das bei Stefan Krebs. Der Ärztliche Direktor leitet das Wirbelsäulenzentrum für Neuroorthopädie, Rückenmarkverletzungen und Skoliosen an der OKM. Zu ihm kommen meist ältere Menschen, die Rückenprobleme wegen Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule haben. Mit knapp 2000 Eingriffen im Jahr hat das Zentrum die „wahrscheinlich höchste OP-Rate in Deutschland“, sagt Krebs. Und jede Operation sei auch gerechtfertigt. Die Indikation würde von seinem Team mehrfach geprüft, ehe man die Entscheidung für eine Operation treffe.
Die Mehrzahl der Patienten werde jedoch gar nicht operiert. Denn: „Rückenschmerzen allein sind noch kein Grund für eine OP“, sagt Krebs. So gebe es in der OKM auch eine konservative Station mit Schmerztherapie. Und viel könne auch vorbeugend getan werden: Mit dem Rauchen aufhören, auf das Gewicht achten, oder bei einem Bürojob regelmäßig kurz aufstehen. „Menschen, die täglich zehn Minuten Übungen machen, sieht man bei uns eher seltener.“ Patienten, die zum Wirbelsäulenzentrum der OKM kommen, haben meist schon eine konservative Therapie hinter sich, ohne dass die Beschwerden aufgehört hätten. Betroffen seien dabei alle Berufsgruppen, „nicht nur die Möbelpacker“, sagt Krebs.
Termin Die Orthopädische Klinik Markgröningen lädt an diesem Samstag ein zum Tag der offenen Tür. Von 10 bis 16 Uhr können OP-Säle sowie die Werkstätten der Ortema besichtigt werden. Zudem gibt es Fachvorträge der Sportorthopädie. Mehr Informationen gibt es unter www.ortema.de/TdoT.