Serie Gipfeltraum: Ein Blinder auf dem Mount Everest „Wir sind die glücklichsten Menschen“

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Andy Holzer ist der einzige blinde Profi-Bergsteiger Europas. Im dritten Anlauf hat es endlich geklappt: Er steht auf dem Gipfel des Mount Everest. Wir haben ihn mit einer Serie bei seiner Vorbereitung und beim Weg hinauf in eisige Höhen begleitet.

Geschafft! Das Team um Andy Holzer ist auf dem Mount Everest. Foto: Furtenbach Adventures 18 Bilder
Geschafft! Das Team um Andy Holzer ist auf dem Mount Everest. Foto: Furtenbach Adventures

Mount Everest Basislager - 23. Mai 2017 – 52. Tag der Expedition des „Blind Climber“ Andy Holzer und seines Teams auf den Mount Everest.

Gipfelstürmer

„Unsere Gipfelstürmer Andy, Klemens und Wolfgang sind im vorgeschobenen Basislager auf 6400 Meter angekommen“, berichtet Sabine Holzer am Telefon. „Ich glaube unsere Männer haben erst jetzt so richtig realisiert welche Leistung sie gestern vollbracht haben. Ich glaube, mit den vielen Steinen, die uns allen vom Herzen gefallen sind, könnten wir sicher einen zweiten Mount Everest erbauen.“

„Das war aus den unzähligen Glückwünschen, Telefonaten und E-Mails deutlich zu spüren und ich kann nur immer wieder Danke sagen – das tut dem Herzen und der Seele gut“, sagt Andy Holzers Ehefrau weiter. „Auch Andy, Klemens und Wolfi bedanken sich immer wieder bei allen die diese Wochen so hautnah mit ihren Gedanken dabei waren.“

Andy Holzer via Satellitentelefon vom Dach der Welt

Die Kommunikation vom Mount Everest in die Welt darunter ist sehr schwierig. Andy Holzer steht nur ein Satellitentelefon zur Verfügung. Und das auch nur wenige Minuten am Tag. Für ein erstes kurzes Gespräch nach der Gipfelbesteigung aber hat es gereicht:

Hallo Herr Holzer, Gratulation und herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wahnsinnsleistung.
„Wir sind so glücklich. Es ist gelungen. Wir sind die glücklichsten Menschen.“
In einem Satz. Was ist Ihr Resümee nach all den Wahnsinns-Anstrengungen?
Wir hatten einen Gipfelerfolg und keinen Gipfelsieg. Denn den Mt. Everest kann man nicht besiegen.
Von hier unten in Stuttgart auf 247 Meter über dem Meer ist Eure Leistung noch unvorstellbarer. Wie war es?
„Es war extrem hart. Acht Stunden Aufstieg (von Camp III auf 8300 Meter) und fünf Stunden Abstieg bis Camp 3. Am nächsten Morgen runter ins vorgeschobene Basislager auf 6400 Meter.“
Während Sie sich im Basislager akklimatisiertest, ist Ihr Vater am 21. April gestorben. In Ihrem Blog hatten Sie am Tag danach geschrieben: „Die dutzendfachen Mailings und vermittelten Wünsche von meiner Familie, von Freunden und wild fremden Menschen aus der Heimat, die ausschließlich positiv zu meinem Projekt am Everest tönen, geben mir Hilfe mich in dieser Hochschaubahn der Gefühle zu orientieren.“
„Ohne meinen Vater wäre nichts gegangen. Er war immer bei mir. Ich freu mich wahnsinnig auf daheim. Tapfer waren wir.“
Seit dem 21. April haben unsere Leser Eure Everest-Expedition verfolgt. Die Gipfelbesteigung ist das Ergebnis jahrelanger Vorbereitung gewesen.
„Wir sind brutal stolz, das war wirklich ein vier Jahre langes Programm. Drei Mal sind wir zum Everest hergefahren. Es hat viel Geld gekostet, es gab viele Enttäuschungen und jetzt sind wir endlich am Gipfel gewesen.“
Was haben Sie gedacht, als Sie am 19. Mai in Camp III angekommen waren und nur noch 548 Meter bis zum Gipfel vor sich hatten?
„Ich war noch nie so nahe dran, vielleicht geht’s – vielleicht ist es der Tag der Tage. Wir werden unser Bestes geben. Es wird eine lange Nacht, aber wir waren unserem Traum noch nie so nahe.“
Sie waren teil eines Teams von von acht Bergsteigern unter Leitung von Furtenbach Adventures. Wolfgang Klocker und Klemens Bichler waren Ihre persönlichen Begleiter. Ein Wort über sie.
„Klemens und Wolfi sind super Partner. So stellt man sich einen Bergführer vor. Wir sind ein dreier Paket, einmal ist Wolfi vor mir und Klemens hinter mir und dann wieder umgekehrt. Da braucht es nicht viel Erklärungen und reden. Ich möchte mich jetzt schon beim Bundesherr bedanken dass ich diese ‚Manda‘ mithaben darf.“
Unzählige Freunde, Blog- und Zeitungsleser waren während der vergangenen Wochen in Gedanken bei Euch und haben Euch die Daumen gedrückt.
„Wir wissen um die vielen guten Wünsche und Gedanken unserer Familien, Freunde und aller jener dir uns im Geiste begleiten. Danke!“



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