Serie Handwerk: der Steinmetz Vom kreativen Arbeiten mit Stein

Von Claudia Bell 

Sicher, das Gestalten von Grabsteinen ist ein Schwerpunkt von Steinmetzen. Doch in seinem Beruf könne man sich „an einem tollen Material wunderbar austoben“, sagt der Ditzinger Stefan Machmer, der 1990 den Betrieb von seinem Vater übernahm.

Stefan Machmer liebt seinen Beruf – und gibt sein Wissen auch an seinen Sohn Ludwig (rechts) weiter. Foto: factum/Granville
Stefan Machmer liebt seinen Beruf – und gibt sein Wissen auch an seinen Sohn Ludwig (rechts) weiter. Foto: factum/Granville

Ditzingen - Es staubt und knirscht, während sich die Maschine durch den Stein bohrt und die Kanten abschleift. Wer Stefan Machmer in seiner Steinmetz-Werkstatt in Ditzingen besucht, der erhält Einblick in eine berufliche Welt, die eine lange Tradition hat. Der Steinmetz-Beruf ist ein Handwerk, das zu den ältesten auf der Welt gehört: Ohne Steinmetze gäbe es keine Pyramiden in Ägypten, es gäbe keine Kirchen, keinen Dom, keine Kathedrale. Es gäbe keine jahrtausendealten Steinsärge oder Reliefs an uralten Häusern. „Das Steinmetz-Handwerk ist unglaublich kreativ und weitaus mehr als das Gestalten von Grabsteinen“, erzählt Stefan Machmer. Denn Steinmetze bauen auch Treppen und verlegen Böden, sie gestalten Fassaden und denken sich Skulpturen etwa für den Garten aus. Sie fertigen Simse und Treppenhäuser und restaurieren Altes aus Stein.

Grabsteine werden oft mit Glas und Stahl kombiniert

Gleichwohl gibt Stefan Machmer aber auch zu, dass die Gestaltung von Grabsteinen etwa 90 Prozent seiner Arbeit ausmachen. Auch wenn man beim Gang über einen Friedhof bisweilen den Eindruck gewinnen kann, dass die meisten der Grabsteine aus Stein gehauen seien: Nein, sind sie nicht. Zumindest immer weniger. „Bei Grabsteinen kombiniert man heute viel mit Glas, Stahl und Holz“, erklärt Machmer. Konkrete Vorstellungen, wie genau der Grabstein für einen Verstorbenen aussehen soll, gebe es im Übrigen nicht allzu häufig; zwar kämen einige Hinterbliebene mit einzelnen Ideen, die sie sich bei anderen Grabsteinen abgeschaut hätten. Im Großen und Ganzen müsse aber schon er als Steinmetz die meisten Ideen einbringen.

Genau das sei aber auch das Reizvolle an seinem Beruf. „Man hat jeden Tag mit anderen Menschen zu tun, auf die man individuell eingeht. Und man überlegt gemeinsam: Was war der Verstorbene für ein Mensch? Welche Interessen oder Hobbys hatte er, was würde zu ihm passen?“. Dass sich die Erde nach der Bestattung erst einmal setzen müsse und daher ein Grabstein auch erst nach längerem Zeitraum gesetzt werden könne, habe die Natur ganz gut eingerichtet, findet Machmer. „Die Pause nach der Bestattung ist gut für die Hinterbliebenen. So haben sie zunächst einmal die Zeit und die Ruhe zum Trauern, und zum anderen kann dann die Erarbeitung einer Grabstein-Idee in aller Ruhe erfolgen.“

Abschluss der Trauerarbeit

Für viele Angehörige sei das Setzen des Grabsteins ein wichtiger Schritt in der Trauerbewältigung und wie eine Art Abschluss. Woher die Mär komme, dass die Gespräche mit einem Steinmetzen – wenn es um die Grabstein gehe – immer traurig sein müssten, weiß er nicht. „Meine Gespräche mit Hinterbliebenen sind oftmals gar nicht traurig oder bedrückend – meist geht es offen, frei und sogar lustig zu.“ Es gehöre ja auch zu seinem Beruf, die Leute positiv abzuholen und ihnen mit dem Schaffen eines schönen Steins Mut zu machen. Er würde sich daher auch wünschen, dass wieder mehr junge Menschen den Weg zur Steinmetz-Ausbildung finden. Als er 1990 den Betrieb von seinem Vater übernahm, habe keinerlei Mangel an Ausbildungswilligen geherrscht. „Bis vor einigen Jahren hatten wir unglaublich viele Bewerbungen, unser Handwerk hatte fast so etwas wie eine Sonderstellung inne“, sagt Machmer. Unter all seinen Gesellen, die er in all den Jahren ausgebildet habe, sei mindestens ein Drittel weiblich gewesen. Doch die geburtenschwachen Jahrgänge und das Bedürfnis vieler Schulabgänger, lieber an die Uni zu gehen, bescherten nun auch ihm einen Rückgang an Auszubildenden.

So richtig verstehen kann Stefan Machmer diese Entwicklung allerdings nicht. „Als Steinmetz kann man sehr kreativ arbeiten und sich an einem tollen Material wunderbar austoben.“

Spezialisierung im dritten Ausbildungsjahr

Basis
Die duale Berufsausbildung zum Steinmetz dauert je nach Schulabschluss drei Jahre. Mindestens ein Hauptschulabschluss ist die Voraussetzung für einen Ausbildungsplatz.

Inhalte
Steinmetze und Steinbildhauer lernen in den ersten beiden Ausbildungsjahren gemeinsam, bevor sie sich im dritten Jahr spezialisieren. In den ersten beiden Ausbildungsjahren stehen beispielsweise folgende Themen auf dem Lehrplan: Wie werden die verschiedenen Steine und Rohstoffe zu perfekten Steinplatten verarbeitet? Wie stellt man künstliche Steine her, oder wie werden Maschinen und Regelungsanlagen eingestellt und bedient?

Finanzen
Der Verdienst während der Ausbildung liegt zwischen 430 und 680 Euro. Das Einstiegsgehalt liegt bei einem Gesellen zwischen 1700 und 2000 Euro. Mehr Information: www.ausbildung.de/berufe/steinmetz




Veranstaltungen