In unserer Sommerserie entdecken wir Freizeitvergnügen von früher wieder, zum Beispiel Wassertreten. Ein Kneipp-Bad tut müden Füßen früher wie heute gut. In Göppingen gibt es dafür lauschige Plätze.

Göppingen - Der Besuch bei den Großtanten im Schwarzwald vor 40 Jahren ist heute noch unvergessen. Da gab es nicht nur Maronen, die man selber Sammeln konnte sondern auch an jedem zweiten Bächlein irgendwo ein kleines Kneipp-Becken, bei dem man barfuß durchs eiskalte Wasser waten durfte, so lange, bis die Schuhe der aufgequollenen Füße wegen nicht mehr recht passten.

Wassertreten ist nicht nur erfrischend, sondern vielen Experten zufolge auch gesund. Es soll die Durchblutung fördern, den Kreislauf anregen und Krampfadern vorbeugen. Doch in Zeiten von Ayurveda, Quigong und Reiki, Yoga oder Tai Chi ist das kalte Fußbad leider völlig aus der Mode gekommen. Zur Durchblutungsförderung lassen sich die Menschen teure Lymphdrainage angedeihen, bei der sie nicht nass werden, und wenn sie mal die Füße doch ins Wasser tauchen, dann nur, damit kleine Fischchen darin die Hornhaut von den Beinen knabbern. Dabei kann Gesundheit und Wohlfühlen so nahe sein, und so lauschig.

Naturnah Kneippen am Göppinger Jakobsweg

Wer beispielsweise Bewegung mit Wassertreten verbinden will, wie Sebastian Kneipp es seinerzeit propagierte, der kann in Göppingen auf dem Jakobsweg der Fils entlang Richtung Hattenhofen wandern und kommt zwischen Faurndau und Jebenhausen am Pfuhlbach entlang. Kurz vor Jebenhausen haben Jugendliche vor fünf Jahren im Rahmen der 72-Stunden-Aktion ein einfaches Holzgeländer in den Bach gezimmert und einen Zugang mit Stufen angelegt. Gepflegt wird die Anlage vom Göppinger Kneipp-Verein, der auch die Idee dazu hatte.

Moderner geht’s am Marbach

Ebenfalls von Göppingen aus ist eine neuere Anlage im Teilort Bartenbach erreichbar. Man kann sogar mit dem Auto hinfahren und am Bezirksamt parken. Vorn dort sind es nur wenige Meter am Fußweg neben Marbach Richtung Osten bis zur Kneipp-Anlage. Eine Sitzbank und Sitzstufen am Bach komplettieren das gelungene Umfeld, an dem auch Kinder ihre Freude beim Spielen am Bach haben. Schöner , als mit dem Auto hinzufahren, ist es natürlich die Anlage auf einer kleinen Rundwanderung anzusteuern, die ihren Ausgangspunkt beim kleinen Tierpark, an der Christkönigskirche oder im Oberholz in Göppingen haben könnte.

„Das sind die beiden einzigen aktuellen Anlagen, die wir zurzeit haben“, bedauert Erich Krempl vom Göppinger Kneipp-Verein. Vor zig Jahren soll es übrigens schon einmal in Bartenbach eine erste freie Kneipp-Anlage gegeben haben. Dies sei jedoch so lange her, dass sich keiner mehr an den Standort richtig erinnern könne, so Krempl.

Weitere Anlagen gibt es in den Kurparks

Immerhin könnte entlang des Jakobswegs durch den Kreis blad noch weitere Wassertretstellen hinzukommen, meint er. Die erste Anlage hatte der Verein vor sieben Jahren ebenfalls am Jakobsweg bei Krummwälden auf einfachste Art mitten in der Krumm anlegen lassen. „Diese ist leider weggespült worden. Da gibt es nur noch eine Kiesbank“, berichtet Krempl. Doch nun könnte eine dritte Anlage bald in Hattenhofen beim Sauerwasserbrunnen entstehen. Das Genehmigungsverfahren läuft.

Bleiben noch die drei Bädergemeinden im Kreis Göppingen. Auch sie verfügen über sehr schön angelegte Kneipp-Anlagen. In Bad Ditzenbach und in Bad Überkingen sind sie jeweils im Kurpark öffentlich zugänglich, in Bad Boll gehört die Wassertretstelle unmittelbar zum Kurhaus.

Kneipp und der Göppinger Verein

Kneipp

Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) war Pfarrer und entwickelte eine Lehre vom gesunden Leben und naturgerechten Heilen. Sie fußt nicht nur auf Wassertreten, sondern hat fünf Fundamente: Neben der Wassertherapie spielen pflanzlichen Heilmittel, die Therapie durch Bewegung und eine gesunde und ausgewogene Ernährung eine Rolle sowie eine so genannten Ordnungstherapie, mit der Kneipp eine bewusste Lebensführung umschrieb.

Verein

1925 hat sich der Kneippverein Göppingen gegründet, der heute rund 130 Mitglieder zählt. Er bietet unter anderem regelmäßig Gesundheits- und Reha-Sport an, Nordic Walking, aber auch Tai Chi und Autogenes Training und weitere Kurse über die Volkshochschulen oder das Haus der Familie.

Programm

Unter anderem gibt es einen offenen Walking-Treff am Parkplatz im Oberholz immer dienstags und donnerstags von 9 bis 11.30 Uhr. Wanderungen werden jeden dritten Sonntag im Monat angeboten, das nächste Mal am 21. September bei Wiesensteig zum Filsursprung. Auch bei der Reihe Sommer der Verführungen macht der Verein mit. Am kommenden Samstag um 16 Uhr geht es zur Wassertretstelle im Pfuhlbach, wo die Lehre Kneipps näher gebracht wird.

Sprechstunde

In der Regel am ersten Freitag eines Monats um 18 Uhr gibt es eine „Kneipp-Visite“ im Bürgerhaus Göppingen (Kirchstraße 11), bei der Gesundheitsthemen zur Sprache kommen. Am 12. September wird es um Migräne gehen und wie diese mit Kneipp’schen Methoden behandelt werden kann. Nichtmitglieder werden zur Visite um eine Spende von drei Euro gebeten.

Kontakt

Ansprechpartner für die meisten Angrbote ist der Vereinsvorsitzende Erich Krempl (Telefonnummer 0 71 61/4 21 63).

Infos

www.kneipp-verein-goeppingen.com