Serie Mauerblick Ein Arztkoffer, Geschirr und viele Fahrräder

Jochen Kitzig, Wieland Storek und Rolf Eiss (von links) vom Lions Club Solitude vor dem Stück Berliner Mauer im Leonberger Stadtpark. Foto: factum/Jürgen Bach 6 Bilder
Jochen Kitzig, Wieland Storek und Rolf Eiss (von links) vom Lions Club Solitude vor dem Stück Berliner Mauer im Leonberger Stadtpark. Foto: factum/Jürgen Bach

1991 organisiert der Lions Club Solitude mehrere Hilfsaktionen für die heutige Partnerstadt Lobenstein.

Leonberg - Oberbürgermeister Dieter Ortlieb ist leicht zu erkennen im weißen Trenchcoat. „Das war sein Markenzeichen“, sagt Wieland Storek, während er weiter im Fotoalbum blättert. Die Frisuren, die Kleidung auf den Bildern – alles ganz typisch 90er Jahre. Sie stammen aus dem Jahr 1991, als in der heutigen Partnerstadt Lobenstein der „Leonberger Platz“ eingeweiht wurde. Die neue Namensplakette enthüllten damals Ortlieb und der Lobensteiner Bürgermeister Rudi Tröger gemeinsam.

Begleitet wurde Dieter Ortlieb damals von einem ganzen Bus voll Leonbergern, etwa dem Musikverein Lyra Eltingen. Und auch Vertreter des hiesigen Lions Club Solitude waren dabei, darunter auch Wieland Storek, Jochen Kinzig und Rolf Eiss. Denn der Lions Club hatte zuvor eine große Hilfsaktion gestartet und Spenden für Kinder und Ältere in der ostdeutschen Stadt gesammelt.

Hilfsaktion mit künstlerischem Wert

Ein halbes Jahr nach der Wiedervereinigung ist noch vieles im Umbruch begriffen. Eine Verwaltung nach westdeutschem Modell wird aufgebaut, dabei hilft der frühere Leonberger Amtsleiter Eberhard Heckeler. Doch die Betriebe sind geschlossen oder werden abgewickelt. Junge Menschen ziehen gen Westen. Der Aufbau Ost hat noch nicht begonnen.

Der Lions Club Solitude ist zu diesem Zeitpunkt gerade mal zwei Jahre alt. Bereits im November 1990 startet man in Leonberg eine der größten Hilfsaktionen – im Lions-Jargon Activity genannt – die der Club je gesehen hat. Das Ziel: Beim Aufbau der Sozialstation helfen, das Haus der älteren Bürger in Lobenstein sowie ein Kinderheim im Nachbarort mit Sachspenden unterstützen. Der damalige Lions-Vorsitzende Klaus Kuhn hat Kontakte zum bekannten Künstler Klaus Fußmann. Der Vertreter der neuen Gegenständlichkeit sagt zu, eine Mappe mit drei Aquatinta-Radierungen zur Verfügung zu stellen, jeweils handsigniert. 1200 DM kostete die damals, von denen der Künstler die Hälfte erhielt.

Heikler Transport

100 Stück wurden produziert. „Dieter Ortlieb sagte damals, er kauft uns die letzte Mappe für die Stadt ab. Ich habe sie ihm dann persönlich vorbeigebracht“, berichtet Wieland Storek. Im mittlerweile abgerissenen Neuen Rathaus habe er eines der Fußmann-Bilder im Service-Büro Bauen entdeckt. Eine Nachfrage der Stadt ergibt: Dort wurde es auch im Neubau wieder aufgehängt. Ein weiteres Bild hängt in einem Büro der Registratur, das dritte befindet sich im Lager.

Am Ende nehmen die Lions rund 100 000 Euro ein. Damit werden unter anderem Porzellan und Möbel für das Haus der älteren Bürger besorgt. „Ich hatte damals ein Möbelgeschäft, die Möbelkiste. Ich habe die Möbel zum Einkaufspreis bekommen. Damit wurden in Lobenstein ganze Räume eingerichtet“, erinnert sich Storek. Seinen alten Volvo habe er damals mit Porzellan vollgeladen. „An der Autobahnausfahrt Lobenstein stand, dass die Strecke gesperrt ist. Sie sah aber gut aus und ich bin sie trotzdem gefahren. Dann merkte ich, warum sie gesperrt war“, erzählt er weiter. In der Fahrbahndecke sind riesige Löcher. „Ich bin dann ganz vorsichtig drumherum gefahren.“ Mit Erfolg: Das Porzellan blieb heil.




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