Serie: Mein Corona-Jahr (8) Ein Werkzeugkasten gegen den Trübsinn

Wenn sie  Zeit hat, sprüht Dijana Hammans ihre positiven Botschaften auch an Wände, wie hier in der Hall of Fame des CLRZ Graffiti Shops, natürlich legal. Foto: Marta Popowska
Wenn sie Zeit hat, sprüht Dijana Hammans ihre positiven Botschaften auch an Wände, wie hier in der Hall of Fame des CLRZ Graffiti Shops, natürlich legal. Foto: Marta Popowska

Um positiv zu bleiben, hat die Stuttgarter Künstlerin Dijana Hammans Methoden, die ihr helfen, erst gar nicht ins Grübeln zu kommen.

S-Nord - Stets, wenn es Dijana Hammans nicht so gut geht, greift sie in ihre bunte Notfallbox. „Darin sind Dinge, die gut tun und die ich über die Jahre gesammelt habe“, sagt sie. Kleine Notizzettel, auf denen Botschaften stehen wie „Nur Mut“ oder „Das Leben ist schön“, aber auch praktische Tipps, wie „Musik an, höre dein Lieblingslied“, „Ruf deinen Notfallkontakt an“ oder „Geh raus in die Natur“. Dies hilft in Momenten, in denen sie nicht weiterkommt oder schlecht drauf ist. Hammans bezeichnet sich als Optimistin, doch Methoden, scheinbar aussichtslose Situation neu zu bewerten, hat sie über die Jahre erlernt. In der Corona-Zeit bewähren sie sich.

Private und gesundheitliche Schicksalsschläge

Dijana Hammans ist Künstlerin, Designerin und Ende 30. Bereits in jungen Jahren hat sie einige private und gesundheitliche Schicksalsschläge erfahren – mehr als die meisten Menschen in ihrem Alter. Doch anstatt zu verzagen, hat sie gelernt Chancen zu sehen, wo es scheinbar keine Möglichkeiten gibt. „Ich war schon immer ein Mensch mit einer positiven Grundhaltung. Aber wenn einem so viel passiert, kommt man schnell ins Grübeln: warum ich?“, sagt sie.

In Coachings und Therapien hat sie Strategien erlernt, die ihr helfen, nach vorne zu blicken und ihre Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Eine davon sei das Positivieren. Dabei schreibt sie negative Gedanken zunächst auf. „Ich reflektiere diese dann, denn eigentlich steckt in allem etwas Positives.“ Das helfe, vieles zu relativieren und schneller aus der negativen Spirale herauszukommen. Natürlich denke auch sie im ersten Moment: Mist! Doch dann setzt sie sich hin und überlegt, was sie stattdessen machen könnte. „Das ist meistens doch viel mehr, als ich zunächst dachte“, sagt sie.

Dieser Werkzeugkasten hat sich auch zu Beginn des ersten Lockdowns bewährt. Sie hatte kurz zuvor ihren sicheren und gut bezahlten Job bei Daimler gekündigt, um ganz auf die Kunst zu setzen. Schriften, allen voran die Kalligrafie, waren schon seit jeher ihre Leidenschaft. Ihren Schwung hatte sie über Jahre perfektioniert. Bevor sie damit loslegen konnte, diesen anderen Menschen beizubringen, kam der Lockdown: „Meine ersten Jobs waren alle weg.“ Die geplanten Workshops konnten nicht stattfinden. „Ich habe dann überlegt, was ich stattdessen machen könnte“, sagt sie.

Schaufenster mit positiven Botschaften

So kam ihr unter anderem die Idee, Schaufenster mit positiven Botschaften zu versehen. „Die waren sowohl an die Leute, die spazieren gehen gerichtet, als auch für die Ladenbesitzer. So konnten die auf ihre Angebote aufmerksam machen, wenn man sie etwa durch To-Go-Aktionen unterstützen konnte“, erzählt sie. Dass sie so auch etwas erschaffen konnte, das anderen etwas mitgibt, sei ihr wichtig. Ohne Lockdown hätte sie vieles wahrscheinlich nicht gemacht. „Doch durch die Kunstaktionen sind Leute auf mich aufmerksam geworden, und es kamen wieder Aufträge rein.“ Für sie eine Bestätigung, dass schwierige Situationen auch positive Wendungen nehmen können.

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