Serie „Mein Hobby – Dein Hobby“ Zwischen Kaninchenstall und Kochtopf

Gewogen und für gut befunden: eines der  Kaninchen aus der Zucht von Rudolf Walter. Bei den Kleintierschauen kommt es auf jedes Detail an. Foto: Waltraud Daniela Engel
Gewogen und für gut befunden: eines der Kaninchen aus der Zucht von Rudolf Walter. Bei den Kleintierschauen kommt es auf jedes Detail an. Foto: Waltraud Daniela Engel

Rudolf Walter züchtet Hühner, Kaninchen und Tauben. Bei der Zucht ist jedes Detail gefragt. Kleinste Mängel geben Punktabzug bei Kleintierschauen.

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Möhringen - Die Anfänge von Rudolf Walters Begeisterung für Hühner liegen schon in seiner Kindheit. Im ländlichen Ost-Westfalen aufgewachsen, spielten Walter und sein Bruder mit Hühnern statt mit Lego. „Auf vielen Fotos von damals fahren wir Hühner im Bollerwagen spazieren“, erzählt der 52-Jährige und lacht. Mit 18 Jahren schenkte ihm der Vater seine ersten eigenen Hühner zur Zucht – kleine gestreifte Zwerg-Wyandotten.

Als er nach dem Studium eine Stelle als Informatiker in Baden-Württemberg angetreten hat, beendete Walter seine Hobbyzüchter-Laufbahn aufgrund der Entfernung zum heimatlichen Stall zunächst für rund 25 Jahre. Im Jahr 2011 – nach einem Besuch der Kleintierzüchterausstellung in Möhringen – kam der Degerlocher mit dem hiesigen Kleintierzüchterverein in Kontakt und entschied sich, wieder zu züchten, da auf dem Vereinsgelände im Industriegebiet zwischen Möhringen und Vaihingen gerade ein Doppelstall frei geworden war. „Den Wunsch habe ich nie ganz aufgegeben.“

Das Schlachten gehört dazu

Mittlerweile tummeln sich in dem Stall auf dem Gelände samt großzügigem Auslauf rund 100 Hühner und Tauben, sowie 17 Sachsengold-Kaninchen. Von denen hat allerdings nur eines einen Namen: „Der Rammler Eric war mein erster und ist der Stammvater der anderen“, sagt Walter. Generell gebe man als Kleintierzüchter den Tieren besser keine Namen, um kein zu inniges Verhältnis zu ihnen aufzubauen. Schließlich landen doch einige Tiere nach sechs bis acht Monaten im Kochtopf.

Im Vergleich dazu lebt nach den Worten von Walter ein Masthuhn bei der kommerziellen Züchtung maximal 36 bis 42 Tage. Dagegen hätten die Hühner und Kaninchen im Kleintierzuchtverein ein schönes und auch deutlich längeres Leben mit viel Freilauf. „Das Schlachten gehört nun mal dazu“, sagt Walter. Wenn allerdings Besucher auf Kleintierzuchtschauen Interesse an einem Kaninchen oder Huhn für die Haustierhaltung bekunden, geben Walter und seine Vereinsmitglieder die Tiere auch gern ab. „Ein Kaninchenstall ist sicher besser als der Kochtopf.“ Die für die Zucht geeignetsten und vielversprechendsten Tiere behalten die Züchter meist.

Je nach Rasse wird bei den Schauen auch auf Details geachtet. Bei weißen Zwerg-Wyandotten zum Beispiel – einer kleineren Hühnerart, die Walter selbst nicht züchtet, aber die sehr beliebt ist – müsse man viel nachzüchten, da es eine strenge Auslese gäbe. Selbst kleinere Auswüchse am Kamm der Tiere würden bei Leistungsschauen zu Abzügen in der Endbewertung führen.

Hühner, die grüne Eier legen

Rudolf Walter züchtet gemeinsam mit seinem Sohn Peter unter anderem Zwerg-Orloffs, Antwerpener Bartzwerge, eine Familie von indischen Bankiva sowie seit einiger Zeit ein paar Hennen, die grüne Eier legen. „Die habe ich mir zum Vergnügen geleistet.“ Bei den Grüneilegern sei die Zucht besonders anspruchsvoll, da sie nicht wie die meisten anderen Hühnerrassen über Schwänze verfügen, was die Paarung schwierig macht. Um erfolgreich zu sein, müsste man theoretisch die Federn am Hintern der Hühner abrasieren. Bislang nutzt Walter sie aber nur als Legehennen für den Hausgebrauch.

„Generell gefällt mit Naturbrut besser als Kunstbrut“, erklärt der 52-Jährige. Dabei überlassen die Hobbyzüchter der Henne nach dem Legen zumindest einen großen Teil der Eier zum Ausbrüten. Bei einer Kunstbrut werden die Eier in einer Brutmaschine ausgebrütet. Ein Vorteil sei dabei, dass man mehr Eier ausbrüten könne und es nahezu keine Verluste gebe. Trotzdem bevorzugt Walter, der seit diesem Jahr auch der Vorsitzende des Kleintierzüchtervereins Möhringen ist, die natürliche Variante. „Es ist einfach schön, die Tiere im Familienverband laufen zu sehen.“ Dies gelinge besonders gut bei den indischen Bankiva. Hier ist allerdings für Walter als Züchter Vorsicht bei der täglichen Versorgung im Stall geboten: Der Hahn verteidigt ganz selbstverständlich sein Revier. „Da kann es schon mal vorkommen, dass er mir die Waden blutig pickt“, sagt Walter und lacht. Aber das gehöre eben auch dazu.

Kleintierschau: Bei Interesse an einem Stall kann man sich per Mail an den Kleintierzüchterverein unter info@z107-moehringen.de wenden. Die nächste Kleintierschau findet am Samstag, 12. November, 15 Uhr, und Sonntag, 13. November, 11 Uhr, im Bürgerhaus Möhringen, Filderbahnplatz 32, statt.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.serie-mein-hobby-dein-hobby-gin-als-familienprojekt.ebf00bd4-0364-46b2-99c9-92dc92610a52.html

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