Serie Mensch! Strohgäu Immer aktiv für andere Menschen

Von Julia Schweizer 

Ella Hornung ist nicht nur in Kallenberg präsent. Eng wird ihr Name auch mit einer der erfolgreichsten Kleinkunstveranstaltungen der Umgebung verbunden: Komüka.

Ella Hornung (links) ist gerne mit anderen zusammen – und hilft noch lieber. Vorlaut beim Jubiläumsabend Foto: factum/Weise
Ella Hornung (links) ist gerne mit anderen zusammen – und hilft noch lieber. Vorlaut beim Jubiläumsabend Foto: factum/Weise

Korntal-Münchingen - Donnerstag, kurz vor 12 Uhr. Eine kleine Gruppe sitzt im Kallypso in Kallenberg an einem Tisch und wartet auf das Essen, das von einem Münchinger Metzger geliefert wird – wie nahezu jede Woche. Möglich macht das Ella Hornung. Sie hat den Kallenberger Mittagstisch vor rund 20 Jahren ins Leben gerufen. In der Gastgeberrolle geht sie total auf, hilft mit, die angelieferten Schalen zu verteilen, bietet den Nachbarn zwei ihrer Knödel an. Und erzählt und lacht viel.

Für sie ist der Mittagstisch weit mehr als nur Nahrungsaufnahme. „Der Donnerstag ist für mich der schönste Tag“, hätten schon viele zu ihr gesagt, erzählt Hornung und freut sich darüber. Hilfe und das Engagement für andere ist genau genommen ihre Lieblingsbeschäftigung – und beschert ihr auch im Rentenalter einen vollen Terminkalender. „Ich bin mein ganzes Leben über nie ein passiver Mensch gewesen“, sagt sie. „Wenn ich mich einbringen kann, dann mache ich das.“

Zum Beispiel im Kulturbeirat von Korntal-Münchingen, der kirchlichen Erwachsenenbildung oder im Kallypso-Team, für das sie schon mehrere Kulturabende organisierte. Nach dem Ende ihrer Berufslaufbahn als Einkäuferin in einer Kallenberger Firma saß die heute 85-Jährige zudem zehn Jahre lang für die CDU im Gemeinderat. „Das war für mich eine sehr lehrreiche Zeit“, sagt sie über die Jahre bis 2000. Viele ihrer Projekte stammen aus dieser Zeit. Die Idee zum Mittagstisch wurde bei dem Stammtisch geboren, den sie regelmäßig anbot. Ein weiteres Beispiel ist die Telefonkette. Immer wieder habe sie gelesen, dass ein älterer Mensch lange unbemerkt tot in seiner Wohnung lag. „Da war ich jedes Mal so erschüttert.“ Die Lösung war das Einrichten der Telefonkette. Sie beginnt jeden Morgen bei ihr. Seit dem Tod ihres Mannes, mit dem sie zwei Kinder hatte, lebt sie selbst allein. Dann geht es von Teilnehmer zu Teilnehmer. Der letzte der sechs bis zehn ruft wieder bei ihr an. Die Bewährungsprobe hat das Sicherheitssystem längst bestanden: Als einmal eine ältere Dame sagte, ihr gehe es nicht gut, brachten andere Teilnehmer sie zum Arzt.

Die ältere Generation liegt Hornung am Herzen: Lange begleitete sie etwa Seniorenfreizeiten der Caritas – „das war eine tolle Zeit, ich habe viel erleben dürfen“. Noch immer übernimmt sie für die St. Joseph Gemeinde Geburtstagsbesuche. „Ich bin teils älter als die, die ich besuche“, sagt sie und lacht dabei wieder.

„Eine sehr gute Geschichte“ sei auch der Warentauschtag. Viele seien bei ihrer Idee zunächst sehr skeptisch gewesen, selbst die Grünen, obwohl eine Idee dahinter die der Müllvermeidung ist. Mittlerweile gibt es bereits die 25. Auflage. „Und wir waren der Vorreiter“, sagt sie stolz mit Blick auf ähnliche Angebote in umliegenden Orten.

„Mein Lieblingskind ist aber nach wie vor Komüka.“ Die Idee dazu sei ihr quasi „zugeflogen“, als im Gemeinderat aufkam, dass man beim Kulturetat sparen müsse. Der Bürgermeister habe sie beim Wort genommen, und wenig später gab es den ersten Kleinkunstabend. „Aus eigenen Kräften und kostenlos“, betont sie. „Ich hatte aber auch großes Glück, dass ich ein ganz tolles Team hatte.“ 2014 wurde das 20-jährige Bestehen groß gefeiert. Das Interesse daran ist immer noch groß, der Jubiläumsabend war ausverkauft, auch Hornungs „Lieblinge“ spielten, die Band Vorlaut. Inzwischen gebe es zwar ähnliche Veranstaltungen im Umland, aber kaum eine biete eine so breite Palette an Künstlern, sagt sie.

Ein fester Termin in Hornungs Kalender ist ebenso die Kur in Bad Wörishofen. „Dort hol’ ich mir meine Kraft und Reserven.“ Und viele neue Ideen – von denen sie manchmal zu viel habe: „Ich muss mich dann immer bremsen.“ Wenn sie wieder einmal eine neue Aktivität absage, weil es sonst zu viel werde, müsse sie immer an das denken, was ihr Vater einst zu ihr gesagt habe: „Weißt du, du bist ein prima Kerl. Du hast nur einen Fehler: du kannst nicht Nein sagen.“ Sagt’s – und lacht wieder.




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