Serie „Mit allem rechnen“ Es ist selten zu früh, Geld zurückzulegen

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Nullzinsen machen die Vorsorge nicht einfach. Wir zeigen in unserer Serie, welche finanziellen Aspekte in welcher Lebenslage zu berücksichtigen sind. Heute: die private Altersvorsorge

Wer im Alter ausreichend Geld haben will, muss frühzeitig mit dem Ansparen anfangen. Foto: Fotolia
Wer im Alter ausreichend Geld haben will, muss frühzeitig mit dem Ansparen anfangen. Foto: Fotolia

Stuttgart -

Die Zeiten, in denen es reichte, sich den Beitrag zur Rentenversicherung vom Gehalt abziehen zu lassen, um fürs Alter finanziell gerüstet zu sein, sind vorbei. Seit der Rentenreform von 2001 muss jeder zusätzlich privat für das Alter vorsorgen. Der Anteil dessen, was aus der eigenen Schatulle kommen muss, steigt dabei stetig: im vergangenen Jahr lag das Rentenniveau netto vor Steuern bei 48 Prozent. Das heißt, ein Durchschnittsrentner mit 45 Jahren Erwerbstätigkeit erhält als Rente 48 Prozent dessen, was ein Durchschnittsangestellter verdient. Das ist nur ein politischer Richtwert, der bei jedem anders aussieht. Doch klar ist, er sinkt bis 2030 auf 43 Prozent, und die Tendenz betrifft jeden. Als Faustformel gilt, dass man im Alter etwa 80 Prozent seines letzten Nettoeinkommens braucht. Die Differenz zur erwarteten staatlichen Rente muss jeder aus dem Ersparten decken.

Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, mit der privaten Altersvorsorge anzufangen? „Wenn man eigenes Geld verdient und davon auch was beiseite legen kann“, lautet die Antwort von Dirk Eilinghoff, dem Teamleiter Bankprodukte bei der unabhängigen Beratungsplattform Finanztip. Dazu muss man noch nicht wissen, wie die eigene Rente einmal aussehen wird – zumal eine Schätzung so lange vor dem Renteneintritt auch dem Blick in die Glaskugel gleichkommen dürfte. Zu unklar sind äußere Faktoren wie Inflation oder Zinsentwicklung, aber auch der Verlauf des eigenen Lebens. Zunächst einmal geht es nur darum, Kapital aufzubauen. „Es gibt keinen sicheren Korridor, den man definieren kann. Es hilft nur eins: regelmäßig nachjustieren“, sagt Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge, Banken, Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Viele Informationen dazu, wie man Kapital fürs Alter aufbaut, gibt es im Internet. In der Regel lautet der Rat, eine Mischung aus Aktienfonds und festverzinslicher Anlage zu wählen. Finanztest, der Finanzableger der Stiftung Warentest, rät etwa zum Pantoffel-Portfolio: „Eine lang­fristig profitable Geld­anlage, für die Anleger wenig Aufwand betreiben müssen.“ Die einfachste Variante besteht zu gleichen Teilen aus zwei Fonds, einem börsengehandelten Fonds (Aktien-ETF) auf den Welt­aktien­index und einem börsengehandelten Fonds auf einen Euro-Staats­anleihen­index (Renten-ETF), in die man Geld einzahlt, das man kurzfristig nicht braucht – im Zweifel in einem monatlichen Sparplan. Ähnliches rät auch Finanztip. Statt Anleihen würde Anlageexperte Eilinghoff aber Festgeldkonten bevorzugen. Einmal im Jahr sollte man nach­schauen, ob der Mix noch stimmt. „Im Kern ist das nicht so schwer“, sagt Eilinghoff, „das wirkt nur so, weil man auf eine Wand von Fremdwörtern stößt, wenn man in dem Thema nicht drin ist.“

Allerdings sollte man darauf achten, dass man nur Geld in die Vorsorge steckt, das man nicht kurzfristig braucht, warnen die Finanztester. Ein Notgroschen für dringende Anschaffungen oder Notlagen in Höhe von zwei bis drei Monatsgehältern sollte zur Verfügung stehen. Zudem gilt der Grundsatz, den auch die Deutsche Rentenversicherung betont: Schuldentilgung ist das effektivste Sparen. Bevor man also Geld zurücklegt, sollte man Kredite abbezahlen.

Private Rentenversicherungen abzuschließen, raten die Verbraucherschützer höchstens im fortgeschrittenen Alter. „Entscheidend ist dabei, dass das Risiko abgesichert ist, dass einem im Alter das Geld ausgeht“, sagt Michael Beumer, Leiter des Teams Geldanlage bei Finanztest.

Zu den eigentlich propagierten Anlageformen der privaten Altersvorsorge wie der Riester-Rente oder betrieblicher Altersvorsorge via Entgeltumwandlung haben die Verbraucherschützer eine zurückhaltende bis skeptische Meinung. „Leider wird es bislang politisch akzeptiert, die Verbraucher zu Lasten ihrer Altersvorsorge auszunehmen – erst recht bei Riester-Produkten“, kritisiert beispielsweise Verbraucherschützer Nauhauser. Viele Angebote seien mit viel zu hohen Kosten verbunden. Und Eilinghoff kritisiert den Wildwuchs: „Riester ist mittlerweile eine superkomplizierte Sache, auch weil jede Sparte der Versicherungs- und Anlagebranche ihr eigenes Produkt bekommen hat.“

Viel besser, so findet Verbraucherschützer Nauhauser, wäre ein einfaches und standardisiertes, staatlich zertifiziertes Produkt, das gegen eine geringe Gebühr bei der Bank abgeschlossen werden kann. In Schweden gebe es bereits neben der umlagenfinanzierten auch eine obligatorische kapitalfinanzierte Rente, für die man in einen dafür zugelassenen Fonds einzahlt.

Dennoch gibt es viele Fälle, in denen ein Riester-Vertrag sinnvoll ist. „Oft rechnet sich das durch die Zulagen und Steuervorteile“, sagt Finanztester Beumer. Das gilt ganz besonders für Eltern von Kindern, die ab 2008 geboren sind: Sie erhalten zur jährlichen Zulage von 154 Euro noch 300 Euro pro Kind dazu – für früher geborene Kinder gibt es 185 Euro. „Je mehr Kinder und je niedriger das Einkommen, desto attraktiver ist die Förderung“, so Eilinghoff.

Für Beumer hat der Riester-Vertrag Vorrang vor der betrieblichen Altersvorsorge. Bei dieser Art der Vorsorge werden die Beiträge beispielsweise aus einer Entgeltumwandlung gezahlt, sodass zunächst keine Steuern und Sozialabgaben anfallen. Allerdings sind die Auszahlungen im Alter steuerpflichtig. Verbraucherschützer raten zum einen auf die Kosten zu gucken und zum anderen den Vertrag vorzugsweise dann einzugehen, wenn der Arbeitgeber einen Zuschuss leistet. Ob sich das Angebot lohnt, ist relativ simpel zu überprüfen, denn es gibt keine Auswahl: Welches Produkt zur Verfügung steht, entscheidet alleine der Arbeitgeber.

Gibt es Kardinalfehler, die man bei der privaten Altersvorsorge machen kann? „Langfristige Verträge, aus denen man oft nur mit Abschlag kommt“, antwortet Eilinghoff. Aber selbst dann ist manchmal ein Nachjustieren möglich, beispielsweise wenn man einen Fondsparplan abgeschlossen hat. Denn da lässt sich zumindest der Fonds ändern. Und generell gilt: „Das Schlimmste ist, den Kopf in den Sand zu stecken“, so Eilinghoff.