Serie Sommerresidenz des Karo-Königs

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Robert Franck hat in Murrhardt, in Vaihingen und in Ludwigsburg teilweise imposante Spuren hinterlassen. In der Villa Franck in Murrhardt und im angrenzenden Park können die Besucher auf Zeitreise gehen.

Die Villa hat 300 000 Goldmark gekostet, das wären heute 15 Millionen Euro. Foto: Stoppel
Die Villa hat 300 000 Goldmark gekostet, das wären heute 15 Millionen Euro. Foto: Stoppel

Murrhardt - Optisch erinnert Patrick Siben überhaupt nicht an den Kaffeefabrikanten Robert Franck, den Murrhardter, Ludwigsburger und Vaihinger Ehrenbürger. Siben ist Musiker, trägt wallendes Haar und bewohnt seit 14 Jahren die imposante Jugendstilvilla in Murrhardt, die Franck anno 1907 anlässlich seines 50. Geburtstags bezogen hat.

Siben beschäftigt sich seit dem Einzug in die Villa Franck, die an einem Hang hoch über der Stadt thront, mit dem Leben des Mannes, der Mitte des 19. Jahrhunderts bei Vaihingen an der Enz das Licht der Welt erblickt hat. Wenn Herr Siben im Salon der Villa sitzt, wenn er mit Besuchern durch die hohen, holzvertäfelten Räume schreitet, dann wird dieser Robert Franck lebendig. Siben erzählt von Empfängen und Geschäftstreffen in der Villa anno dazumal, von der Raffinesse des weit gereisten Unternehmers, der sogar eine Fabrik bei New York unterhielt. Robert Franck, sagt Patrick Siben, sei „der erste Kosmopolit“ gewesen, noch bevor es diesen Begriff überhaupt gegeben habe. Franck war in aller Welt zu Hause, einmal im Jahr reiste er in die amerikanische Metropole an der Ostküste, regelmäßig besuchte er auch seine anderen Firmenniederlassungen, etwa in Mailand, Basel, Bukarest und in Krakau.

Karo – das stand für Kaffee-Robert

Karo – so hatten ihn die Schulkameraden einst gerufen. Karo – das stand für Kaffee-Robert. Schließlich war er der Spross einer Unternehmerfamilie, die mit Zichorien-Korn-Kaffee handelte. Der Spitzname gefiel dem Bub vermutlich nicht so gut. Später indes hat Robert Franck das Karo zum eigenen Markenzeichen und zum Symbol für seine Produkte gemacht. In der Murrhardter Villa, die Siben vom Frühjahr bis in den Herbst hinein für Gäste öffnet, sind vielerorts Karos zu entdecken, etwa am Boden, an den Decken und auf den alten, leicht vergilbten Produktverpackungen, die im Foyer ausgestellt sind. Rund fünf Jahrzehnte nach dem Bau dieser stattlichen Sommerresidenz – Robert Franck war längst gestorben – gab das Karo einem neuen Produkt des Konzerns den Namen: dem Caro-Kaffee, mit C geschrieben statt mit K, vermutlich, um international noch besser zu punkten.

Der kleine Robert Franck ist in Rietertal zwischen Enz­weihingen und Riet groß geworden. Dort, in dem idyllischen Tal, arbeitete sein Vater in einer Darre, einer Art Schuppen, in der Zichorien getrocknet wurden. Diese Zichorien waren ein wichtiger Bestandteil des kaffeeähnlichen Getränks – auch Muckefuck genannte –, das die Francks damals mitten in Vaihingen produzierten. Das einstige Wohnhaus der Familie steht noch. Auch den alten Firmensitz in der Stadt Vaihingen kann man noch heute – von außen jedenfalls – besichtigen: Das sogenannte Torbäckerhaus sei das „Ursprungshaus der Francks“, sagt der Vaihinger Stadtarchivar Lothar Behr. Das Gebäude ist heute ein Geschäftshaus, an einer Außenwand hängt das Wappen der Familie Franck, die weitere Spuren hinterlassen hat.

Familiengrab auf dem Ludwigsburger Friedhof

In Vaihingen gibt es eine Franckstraße und einen Kindergarten, den das Unternehmen einst gestiftet hat. Auch in Ludwigsburg, wo das Unternehmen seit dem Jahr 1869 den Kaffee produzierte, kann man auf Robert Francks Spuren wandeln: In der Barockstadt gibt es noch das Werk der Firma Franck, das längst zum Nestlé-Konzern gehört, eine Villa der Francks, die heute ein Immobilienbüro beherbergt, eine Schule, die Robert Francks Namen trägt, und auf dem Friedhof das imposante Grab der prominenten Familie.

In der Murrhardter Villa haben Robert Franck, seine Frau Martha und die vielen Bediensteten immer im Sommer die leitenden Angestellten der Franck-Fabriken empfangen. Das florierende Unternehmen beschäftigte Ende der 1920er Jahre 3125 Arbeiter, 710 Bürobeamte sowie 295 Reisende, was in einem alten Bericht nachzulesen ist. Bei den Zusammenkünften in der Villa, sagt Patrick Siben, dürfte der Firmenpatriarch seinen Leute eingebläut haben, dass es nicht nur auf das Produkt ankommt, sondern auch auf die Verpackung desselben. Franck hatte für sein Unternehmen früher als andere Geschäftsleute Warenzeichen schützen lassen. Heute würde man von Corporate Design und Corporate Identity sprechen, also vom Erscheinungsbild und von der Identität des Unternehmens.

Der Park ist für jedermann frei zugänglich

Die Herrschaften aus aller Welt haben sich nach den dienstlichen Besprechungen im Ballsaal der Villa ganz bestimmt oft draußen im malerischen Park vergnügt. Robert Franck hatte das weitläufige Areal, das Anwesen Hohenstein, im Jahr 1897 erworben und mit der Villa auch den Park anlegen lassen, der heute für jedermann jederzeit frei zugänglich ist.

Die etwas verwilderte Anlage spiegelt noch immer den Reichtum des einstigen Bauherrn wider. Robert Franck war um die Jahrhundertwende einer der wohlhabendsten Männer Deutschlands. Die Villa hat damals 300 000 Goldmark gekostet, das wären heute rund 15 Millionen Euro. Das Anwesen dürfte viele Murrhardter vor gut 100 Jahren in Staunen versetzt haben. Franck hatte eine monumentale, zur Villa hinführende Freitreppe in Auftrag gegeben, eine Wandelhalle, einen Pavillon, ein romantisches Liebestempelchen, eine Brunnenterrasse, einen Tennisplatz, eine Schauruine sowie kleine Brücken und manches mehr. Viele Eindrücke, die er von seinen Auslandsreisen mitbrachte, sind in die Gestaltung des Anwesens eingeflossen. Heute können sich die Besucher in der Villa Franck und im Park auf eine interessante Zeitreise begeben.




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