Serie über Fellbachs Sportler(innen) „Wir sind Bundesliga! Phänomenal!“

Von Maximilian Hamm 

Großartige Erfolge, großartige Momente: Fellbachs Sportler(innen) haben in den vergangenen Jahrzehnten viel erlebt. Wir wollen ihre Geschichte und ihre Geschichten wieder aufleben lassen. Heute: A-Jugend-Handballer in der höchsten Spielklasse.

17. Mai 2015: Die A-Jugendlichen des HSC Schmiden/Oeffingen feiern den Sprung in die Bundesliga. Foto: /Patricia Sigerist
17. Mai 2015: Die A-Jugendlichen des HSC Schmiden/Oeffingen feiern den Sprung in die Bundesliga. Foto: /Patricia Sigerist

Schmiden - Tim Scholz beendete die Handball-Saison in der A-Jugend-Bundesliga als Zuschauer. Noch in der ersten Spielhälfte des finalen Auftritts hatte der Kapitän des HSC Schmiden/Oeffingen verletzungsbedingt passen müssen. Das war deshalb besonders bedauerlich für ihn, weil ihm nur zwei Treffer gefehlt hatten, um der beste Torschütze der Liga zu werden.

Die erfolgreichen A-Jugendlichen des HSC Schmiden/Oeffingen hatten Vorbilder im eigenen Verein

Diesen Titel schnappte ihm Adam Soos von der SG Kronau/Östringen weg. Doch mit 190 Treffern lag er zum Beispiel noch vor dem Nationalspieler Sebastian Heymann, der heute bei Frisch Auf Göppingen in der Bundesliga der Männer spielt. Das Team des HSC Schmiden/Oeffingen beendete die Runde 2015/2016 auf dem siebten Tabellenplatz. „Das war ein toller Erfolg für uns, der größte für unsere Talentschmiede“, sagte der Abteilungsleiter Wolfgang Bürkle über den im Jahr 2004 vom TSV Schmiden und dem TV Oeffingen gegründeten Verbund. Tim Scholz denkt heute noch gern an „den krönenden Abschluss“ seiner Jugendzeit zurück. Das Erfolgsgeheimnis? „Wir waren unglaublich gut eingespielt, die meisten waren seit der C-Jugend zusammen, wir haben uns super verstanden, und wir hatten alle richtig Bock auf diese Bundesliga.“

Bereits ein paar Jahre zuvor hatte der Trainer Jörg Kaaden gemeinsam mit der Abteilungsleitung die Idee entwickelt, mit den talentierten Jugendlichen, die als C-Jugendliche noch von Matthias Heineke (heute Trainer beim Drittligisten HC Oppenweiler/Backnang) angeleitet worden waren, die Bundesliga anzustreben. Im ersten Versuch waren sie knapp an der Qualifikation gescheitert; doch beim zweiten Anlauf klappte der Sprung nach ganz oben. In Paul Herbinger bekam Jörg Kaaden einen Handballexperten an seine Seite: „Ein Glücksgriff mit einem unglaublichen Erfahrungsschatz“, sagte Jörg Kaaden, der heute – wie damals auch schon parallel zu seinem Engagement in Schmiden – für die Handballer der TSF Ditzingen (Verbandsliga) verantwortlich zeichnet.

Die erfolgreichen A-Jugendlichen des HSC Schmiden/Oeffingen, zu denen außer Tim Scholz Spieler wie Fabian Engelhart, Moritz Klenk, Marvin Klein, Luis Westner, Yannick Seeger, Florian Probst oder Tobias Pichler zählten, hatten Vorbilder im eigenen Verein. Diese hatten bereits Jahre zuvor Großes erreicht. Nach einer gelungenen Runde in der Württemberg-Oberliga qualifizierten sich die B-Jugendlichen um den Trainer Tim Baumgart im Frühjahr 2009 für das Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft. Den süddeutschen Titel hatten sie zuvor dem VfL Pfullingen überlassen müssen, aber der Sprung unter die acht besten Jugendmannschaften Deutschlands war damals, als es noch keine Bundesliga-Saison gab, mehr als ein Trost.

Mit Knieverletzungen hat Tim Scholz indes nur leidvolle Erfahrungen gemacht

Der Verbund um die Torsteher Kevin Kirr und Thomas Fink zeigte im Hinspiel in der heimischen Sporthalle vor mehr als 600 Zuschauern ein mitreißendes Spiel und besiegte die Gäste vom VfL Gummersbach mit 28:26. Das Rückspiel in Gummersbach, zu dem eine 58-köpfige Reisegruppe um den damaligen Abteilungsleiter Siegfried Bürkle aufgebrochen war, verloren sie mit 29:39 und schieden aus. Doch Tim Baumgart, der in Oeffingen wohnt und heute Trainer beim VfL Waiblingen in der Württemberg-Liga ist, erinnert sich noch gut an die erfolgreiche Saison: „Wir hatten in Alexej Prasolov einen der besten Abwehrspieler der Liga, in Jan Forstbauer und Simon Junker zwei überragende Akteure, dann noch die zwei Raketen auf außen, Stephan Veith und Florian Frank, und das Schlitzohr Lucca Holder – das war ein verschworener Haufen.“ Tim Baumgart selbst konnte damals aufgrund einer Knieverletzung nicht bei den Männern des TSV Schmiden spielen, und so nutzte er die Freizeit zur Gegnerbeobachtung und zur detaillierten Vorbereitung auf die Aufgaben. Ein Riesenvorteil, wie er heute sagt.

Mit Knieverletzungen hat Tim Scholz indes nur leidvolle Erfahrungen gemacht. Zurzeit pausiert er, und er wird auch noch eine ganze Weile pausieren müssen. Auch in der nächsten Saison, wenn sie denn wie geplant starten sollte, wird er wohl nicht zum Einsatz kommen. Nach seiner Jugendzeit war er zum Drittligisten SV Kornwestheim gewechselt, bei dem er auch heute noch im Kader steht. Als er mit dem Handball angefangen hatte, war auch Fabian Engelhart mit dabei. Wenn die beiden heute an die gemeinsame Jugendzeit zurückdenken, fällt ihnen zuerst noch ein Ereignis vor der Bundesliga-Saison ein – die Qualifikation für die höchste deutsche Spielklasse in der heimischen Sporthalle in Schmiden. „Da haben wir alles gewonnen, die Halle war voll, die Motivation war riesig, das war so ein wertvolles Gefühl, dass wir das geschafft hatten“, sagte Fabian Engelhart, der heute für die zweite Mannschaft des TSV Schmiden in der Landesliga spielt. Am 17. Mai 2015 hatten sie den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse geschafft. „Wir sind Bundesliga! Phänomenal“, sagte Jörg Kaaden damals. Auch ein sportlicher Höhepunkt für Tim Scholz, selbst wenn er den Titel des besten Torschützen knapp verpasst hatte.




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