Die Zukunft steht im Zeichen des Klimawandels. In der Serie „Wetterbericht“ verfolgen wir das atmosphärische Geschehen im Spiegel von Literatur, Kunst und Musik. Heute: Der fliegende Robert

Kultur: Stefan Kister (kir)

Die Frage, was das Wetter mit uns macht, stellt sich nicht nur mit bangem Blick an den Himmel. Wir schauen in die Kulturgeschichte, um zu ermessen, wie tief unser Denken und Fühlen mit Wolken, Sturm, Sonne, Schnee oder Regen verstrickt ist. Folge 24:

„Hui, wie pfeift der Sturm und keucht, dass der Baum sich niederbeugt!“ Eigentlich müsste einem der fliegende Robert aus Heinrich Hofmanns „Struwwelpeter“ ja sympathisch sein. Während die Braven zu Hause in ihren Stuben schmoren, patscht er furchtlos durchs Feld: „Nein, das muss draußen herrlich sein.“ Wäre da nicht dieses alberne Schirmchen.

Am Ende der Welt

Wie er sich bis zuletzt pedantisch daran klammert, einfach nicht wahrhaben will, was da um ihn herum geschieht, macht ihn uns verdächtig und zum Gegenstand schwarzer Klimapädagogik. Was, so fragen wir mit erhobenem Zeigefinger, muss noch geschehen, bis der Mensch seine Zwergenhaftigkeit angesichts tobender Naturgewalten endlich realisiert? Mit den Elementen spielt man nicht, schon gar nicht mit Hut.

Und so blicken wir, während Roberts Kopfbedeckung zuletzt am Himmel anstößt, mahnend voraus ans Weltende, wie es der expressionistische Dichter Jakob van Hoddis beschworen hat: Darin fliegt dem Bürger vom spitzen Kopf der Hut, statt böser Buben stürzen Dachdecker durch die Luft, und „an den Küsten – liest man – steigt die Flut“. Liest man doch wirklich, oder etwa nicht?

Lesetipp Der Struwwelpeter oder lustige Geschichten und drollige Bilder von Dr. Heinrich Hoffmann. Diogenes Verlag. 48 Seiten, 14,90 Euro.

Die vorige Folge unseres „Wetterberichts“ finden Sie hier.

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