Irgendwo im Nirgendwo an der Grenze zu Polen steht ein riesiges weißes Zelt. Menschen in Schutzanzügen waten durch die winterfeuchten Felder. Hier in der Oderbruch, wo so wenig Menschen wie nirgends sonst in Deutschland leben, herrscht auf einmal ein hektisches Gewimmel. Denn auf einem Feld in der Nähe des Dorfs Krewlow wurde ein grausiger Fund gemacht. Dieser hat mehrere Spezialeinheiten auf den Plan gelockt, die nun in dem Zelt versuchen, das gruselige Rätsel zu entschlüsseln. Darunter der Kommissar Roland Voit (Felix Kramer), der hier einst aufgewachsen ist, der – nachdem er gesehen hat, was da gefunden wurde – seine ehemalige Kollegin und Freundin Maggie Kring (Karoline Schuch) um Unterstützung bittet. Sie hatte einst nach der Oderflut im Jahr 1997 Reißaus genommen und wollte eigentlich nie wieder nach Krewlow zurückkehren.
„Oderbruch“: Das Erste kann auch anders
Wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen einen Mehrteiler „Oderbruch“ nennt, ist klar, was kommt, oder? Eine von Ufa Fiction oder Degeto produzierte Eventserie, die vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe von 1997 in einem Familienmelodram ein Loblied auf die Heldinnen und Helden des Alltags singt. Denkste! Das Erste kann auch anders. Die Macher von „Dogs Of Berlin“ und „Sløborn“ erzählen in dem Achtteiler nämlich eine ganz andere Geschichte. Zunächst glaubt man, in einen Nordic-Noir-Mysterythriller hingeraten zu sein, wenn Angler im Morgengrauen in der neblig-tristen Landschaft einen Berg aus Leichen und Tierkadavern entdecken und all die dysfunktionalen Familien, die in dem Kaff Krewlow leben, als Verdächtige taugen. Darunter auch die von Maggie Kring, deren Bruder 1997 scheinbar ein Opfer der Oderflut wurde. Das LKA geht von einem Serienmörder aus, der hier schon seit Jahrzehnten sein Unwesen treiben soll. Und gemeinsam mit dem polnischen Kollegen Stanislaw Zajak (Lucas Gregorowicz) und Maggie Kring ermittelt Roland Voit zunächst in diese Richtung.
Mysterythriller mit fiesem Dreh
Doch kaum glaubt man, auch dieses Mystery-Crime-Erzählmuster erkannt zu haben, nimmt die Story eine fantastische Wendung. Was dann kommt, ist mitunter verstörend und eklig, aber immer mutig und optisch außergewöhnlich inszeniert. Und das Drehbuch (Arend Remmers) hat nicht nur herrlich bizarre Charaktere im Angebot, sondern auch so großartige Sätze wie: „Ich hoffe, du suchst, was du hier finden wirst.“
Oderbruch. Ausstrahlung der Serie an diesem Freitag (Episode 1–4) und am Freitag, 26. Januar (Episode 5–8), jeweils um 22:20 Uhr im Ersten. Alle Folgen und ein Making-of sind zudem ab 19. Januar in der ARD-Mediathek verfügbar.