Serien und Streaming Immer mehr fiese Frauen

Jodie Comer (li.) als Auftragsmörderin Villanelle und Sandra Oh als die britische Agentin Eve Polastri in „Killing Eve“. Foto: BBC America/StarzPlay Foto:  

„The Regime“, „House of Cards“, „Killing Eve“ oder „Kleo“ – Immer mehr fiese Frauen erobern die Welt der TV-Serien und begeistern das Publikum. Ein Blick auf den Wandel der Geschlechter auf dem Bildschirm.

Sie regieren als knallharte Diktatorinnen mit brutaler Hand, eliminieren als Drogenbaronin Gegner gleich reihenweise oder machen als Auftragskillerinnen gnadenlos Jagd auf ihre Opfer: Immer mehr böse Frauen erobern den Bildschirm. Vor allem Streaming macht‘s möglich: Während im Fernsehen früher fast nur Männer als Mörder, Räuber oder Betrüger agieren durften, machen sich in modernen Serien auf Netflix und Co. auch Frauen die Hände schmutzig und sorgen gewissermaßen für Gleichberechtigung.

 

Jella Haase in „Kleo“. Foto: Netflix/Robert Palka

Die Zeiten, in denen Protagonistinnen in TV-Serien den ausgleichenden und fürsorglichen Part übernehmen mussten und bestenfalls mal vorübergehend vom Pfad der Tugend abwichen, während sich ihre männlichen Kollegen als charismatische Bösewichter austoben durften, sind unwiderruflich vorbei. Endlich dürfen sich auch Frauen von ihrer schlechten Seite zeigen – böse Mädchen kommen eben überall hin und beim Publikum gut an. Dabei zeigen sich nicht nur Hollywoodstars wie Kate Winslet, Sofía Vergara oder Julianne Moore in aktuellen US-Serien wie „The Regime“ (Sky), „Griselda“ (Netflix) oder „Mary & George“ (Sky Atlantic) von ihrer fiesen Seite, auch deutsche Schauspielerinnen haben kein Problem damit, in Serien über Leichen zu gehen.

Bestatterin auf Rachefeldzug, Auftragskillerin oder eiskalte Bankerin

„Es hat mir großen Spaß gemacht“, sagt etwa Martina Gedeck über ihre Rolle in der dystopischen Sky-Serie „Helgoland 513“, in der sie die Anführerin einer Gruppe von Überlebenden spielt, die über Leben und Tod entscheidet. Und Anna Maria Mühe, die in der Netflix-Serie „Totenfrau“ eine Bestatterin spielt, die sich auf einen blutigen Rachefeldzug begibt, sagt: „Gerade das war für mich als Schauspielerin auch das Spannende: Nicht nur die sympathischen Seiten einer Mutter zu zeigen, sondern auch die dunklen Seiten einer Frau, die wirklich wissen will, wer für den Tod ihres Mannes verantwortlich ist.“ Auch Désirée Nosbusch als eiskalte Bankerin in der von Arte und dem ZDF produzierten Serie „Bad Banks“ und Jella Haase in der Rolle einer gnadenlosen Auftragskillerin in „Kleo“ (Netflix) ist anzumerken, wie viel Spaß sie daran haben, dem Zuschauer mal eine andere Facette als die übliche zu zeigen.

Eine Profikillerin ist auch eine der beiden Heldinnen der Serie „Killing Eve“ (BBC America), in der Jodie Comer eine Auftragsmörderin mit zynischem Witz verkörpert und Sandra Oh ihre Gegenspielerin abgibt, die ihre eigenen Abgründe hat.

In der von 2013 bis 2018 laufenden und vielfach preisgekrönten Netflix-Serie „House of Cards“ ließ sich der Wandel im Rollenverständnis der vergangenen Jahre sogar exemplarisch verfolgen: Die von Robin Wright hinreißend gespielte Politikergattin Claire Underwood ist in den ersten Staffeln der Politsaga lediglich Mitwisserin und gelegentliche Handlangerin bei den Untaten ihres von Kevin Spacey gespielten Gatten, der sich mit Mord und anderen unlauteren Mitteln den Weg ins Amt des amerikanischen Präsidenten frei boxt.

Urmutter aller weiblichen Serien-Schurkinnen entstand in den 80ern

Als Hauptdarsteller Spacey aus der Serie ausschied und seine Figur den Serientod starb, zeigte Claire Underwood als frischgebackene Präsidentin in der sechsten und letzten Staffel sämtlichen männlichen Widersachern, wo der Hammer hängt und wie Emanzipation im Weißen Haus funktioniert.

Martina Gedeck in „Helgoland 5132: Foto: Sky Studios

Zeitgleich zeigten auch zwei Protagonistinnen in der weltweit gefeierten HBO-Fantasysaga „Game of Thrones“, dass weibliche Rollen keine Berührungsängste mit Macht haben und in Serien zur Not über Leichen gehen: Lena Headey überzeugte als machtbewusste Adelige Cersei Lannister, und die wahnsinnig gewordene „Drachenkönigin“ Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) ließ am Ende der Saga sogar Feuer vom Himmel regnen und verwüstete damit eine ganze Stadt.

Von derlei Exzessen war die Urmutter aller weiblichen Serien-Schurkinnen noch weit entfernt: Joan Collins spielte in den achtziger Jahren in der Familiensaga „Der Denver Clan“ das selbstsüchtige und zuweilen teuflische Luxusweibchen Alexis.

Eine derart fiese Serienheldin war damals noch etwas Besonderes, und Joan Collins machte das Beste draus. Sie brachte es als „Denver-Biest“ zu Weltruhm.

Im vergangenen Jahr feierte die britische Schauspielerin, die bis heute gerne ihren bissigen Humor aufblitzen lässt, ihren 90. Geburtstag.

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