Sindelfingen
Zwei junge Männer werden wegen einer Reihe von Diebstählen verurteilt – zum wiederholten Mal.
Sindelfingen - Gut ein Drittel ihres Lebens haben die beiden Angeklagten schon im Gefängnis verbracht. Dabei sind sie erst 25 beziehungsweise 27 Jahre alt. Der Jüngere war zuletzt im vergangene Oktober aus der Haft entlassen worden, sein Kumpane zwei Monate zuvor. Nun sitzen beide seit Januar wieder hinter Gitter: Sie waren auf frischer Tat bei einem Einbruch in Sindelfingen ertappt worden. Angeklagt worden sind sie dann am Böblinger Amtsgericht wegen einer ganzen Serie von solchen Taten. Ihre Drogensucht soll sie dazu getrieben haben, ließen beide durch ihre Anwälte erklären. Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilte sie der Vorsitzende Richter – einvernehmlich mit den beteiligten Parteien.
„Es ging immer rein und raus bis heute“, sagte der 27-Jährige über seine Gefängniskarriere. Vor zwölf Jahren stand er das erste Mal wegen Diebstahls vor Gericht: Damals war er 15 Jahre alt, drei Jahre zuvor hatte er begonnen, Marihuana zu rauchen. Als 16-Jähriger wurde er erstmals inhaftiert, seinen Hauptschulabschluss machte er im Gefängnis. Die Ausbildung zum beikoch brach er ab, gearbeitet hat er kaum. Dafür nahm er täglich Kokain und opiumhaltige Schmerzmittel. Elf Eintragungen stehen in seinem Vorstrafenregister: immer wieder Diebstahl, Raub und schwerer Körperverletzung. „Mit elf Jahren habe ich angefangen, zu kiffen“, erklärte sein Kumpan vor Gericht. Drei Jahre später wurde er süchtig nach Kokain, rauchte „dann noch das Schlimmste von allem: Heroin“. Einen Hauptschulabschluss hat er zwar geschafft, aber neben den sieben Jahren im Gefängnis nicht viel mehr zustande gebracht. Wegen Diebstahl landete er als 16-Jähriger erstmals vor einem Richter, wegen Drogenschmuggels war er zuletzt zu einer Freiheitsstrafe von fast vier Jahren verurteilt worden.
Im jetzigen Verfahren hatten sich die Verteidiger mit der Staatsanwaltschaft und dem Schöffengericht verständigt: Gegen ein Geständnis sollte eine Strafe von höchstens drei Jahren im Urteil stehen. Damit sollte gewährleistet werden, dass die Angeklagten demnächst eine Therapie beginnen können. Sieben der ihnen vorgeworfenen elf Taten räumten sie daraufhin ein. Rund um die vergangene Weihnachtszeit sind sie in der Sindelfinger Innenstadt zwei Mal ins Haus der Familie eingestiegen, in das zu der Zeit geschlossene NH Hotel sowie in das Restaurant Kochlöffel und ein Mal ins Hotel Klostersee. Sie schlugen Fenster ein oder hebelten Türen auf und erbeuteten meistens ein paar hundert Euro. In dem Schnellrestaurant hatten die Einbrecher allerdings den Schlüssel zum Tresor gefunden und rund 2400 Euro darin gefunden. Vermutlich deshalb riskierten sie einen zweiten Einbruch dort. Dieses Mal ging jedoch die Alarmanlage los, und die Polizei verhaftete die Täter an Ort und Stelle.
Über Schuh- und Fingerabdrücke wurden den Angeklagten die anderen Taten zugeordnet – und über den bei ihnen gefunden Tresorschlüssel. „Sie müssen wirklich hart an sich arbeiten, das ist kein Selbstläufer“, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung zu der in Aussicht stehenden Therapie. In der Vergangenheit hätten es die beiden jungen Männer auch nicht geschafft, sich von ihrer Sucht zu lösen.