Sersheimer Schützenverein Der Wilde Westen im Kreis Ludwigsburg
Rund um das Schützenhaus in Sersheim (Kreis Ludwigsburg) sind zurzeit wieder Cowboys, Soldaten, Trapper und echte Ladys zu Hause.
Rund um das Schützenhaus in Sersheim (Kreis Ludwigsburg) sind zurzeit wieder Cowboys, Soldaten, Trapper und echte Ladys zu Hause.
Ein paar Cowboys und -girls hängen lässig auf der Veranda vor dem Saloon ab. Die Frauen in langen Röcken und Bluse, die Männer in Hemd, Hut, Weste, Lederhosen und Stiefeln. Auch Kniebundhosen sind zu sehen. Das Tragen von Feuerwaffen ist im Saloon streng verboten. Auch „Vagrants“, Landstreicher, sind nicht gern gesehen. So steht es auf einem Schild am Eingang des geräumigen Gemeinschaftsgebäudes oberhalb des Sersheimer Schützenhauses.
Hinter dem Saloon beginnt die Westernstadt: Wohntipis, Zelte, ein Planwagen, Feuerstellen, Felle und Auslegware auf dem Boden. Ein paar Hunde dösen im Gras. Cowboys, Trapper und Ladys sitzen in Grüppchen vor den Zelten zusammen. Ein kleines Mädchen trägt ein Kleid, das aussieht wie ein Kostüm aus der Serie „Unsere kleine Farm“.
Viele der etwa 500 Dorfbewohner bleiben die vollen zwei Wochen, die das Dorf besteht. Andere tauchen nur für ein Wochenende aus der Gegenwart ab. Seit 1. Mai lockt der Schützenverein mit Schießwettbewerben, Livemusik und einem Festzelt Besucher auf das Gelände rund um das Schützenhaus und auch ins Westerndorf. Beim 44. Schwarzpulverturnier gilt es noch bis Sonntag in den Disziplinen Schwarzpulvergewehr, - Pistole, -Revolver und Modellkanone zu überzeugen. Geschossen wird mit Nachbauten der historischen Waffen, wie Dieter Sezer, der stellvertretende Vereinsvorsitzende erzählt.
Seit 1978 reisen in Sersheim Westernbegeisterte in die Vergangenheit, in die Pionierzeit zwischen 1860 und 1890, die wir mit dem klassischen „Wilden Westen“ verbinden. Die Vorbereitungen für das Westerntreffen und der Aufbau von Saloon und Zelt-Dorf laufen schon seit Februar, verantwortlich sind die Westernfreunde Sersheim, die zum Schützenverein gehören.
„In diesem Jahr hat es bei den Verantwortlichen einen Generationenwechsel gegeben“, erläutert Kevin Häussler, der Enkel von Gründer Robert „Graubart“ Supper, der in diesem Jahr altersbedingt nicht mehr mit dabei ist. In einem Team stemmen Häussler und andere Mitglieder nun die „Herkulesaufgabe“, das Westerndorf zu organisieren.
Häussler ist von Kindheit an in die Westernbegeisterung hineingewachsen. Er schätzt die Gemeinschaft mit den anderen, die das gleiche Hobby haben und die sich meist schon viele Jahre kennen. Aber auch das Eintauchen in eine vergangene Welt – ohne Handy und andere Ablenkung. „Alles ist entschleunigt“, sagt der 26-Jährige, der im richtigen Leben als Schweißer arbeitet.
Was ihn auch fasziniert: Das Recherchieren in Datenbanken oder historischen Katalogen. Welchen Schnitt haben die Hemden damals gehabt? Welcher Hut war zu welcher Zeit Mode? Was packte man in einen „Chuckwagon“, den Verpflegungswagen eines Cowboy-Trails? Der eigene Nachbau eines solchen Wagens steht auf dem Gelände. Ebenso wie ein Barber-Zelt mit historischen Friseurstuhl, Spiegeltisch und Zinkwanne.
Mit viel Liebe zu Details und mit einigen Originalen hat auch die Damenschneiderin Bettina Germann ihr Zelt eingerichtet. Von der Unterwäsche bis zum Brillenetui, vom Sonnenhütchen bis zum Haarteil passt alles. Sie schneidert Kleider nach Mustern, die sie teilweise in Museen recherchiert hat. Reisetaschen, tragbare Decken, Handschuhe, Haarschmuck und Nähzeug gehören ebenfalls zur Ausstattung. Auch sie liebt die besondere Auszeit, die das Treffen ihr und ihrem Mann bietet und die man eigentlich nicht mit dem „Wilden“ Westen verbindet: „Man kommt hier zur Ruhe“, sagt sie.
Das Schwarzpulverturnier des Schützenvereins Sersheim geht noch bis Sonntag, 5. Mai. Um 16. 30 Uhr findet da die Siegerehrung statt.