Service-Roboter im Rathaus Ludwigsburg Wie bei Star Wars: L2B2 hilft gerne

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Er soll Bürgern helfen, einen Pass zu beantragen oder ein Knöllchen zu bezahlen. Der neue Service-Roboter im Rathaus Ludwigsburg ist sympathisch – kämpft aber noch mit Kinderkrankheiten.

Gelber Bauch, blau blinkender Kopf: Der Service-Roboter L2B2 soll im Bürgeramt der Stadt aushelfen. Foto: factum/Granville
Gelber Bauch, blau blinkender Kopf: Der Service-Roboter L2B2 soll im Bürgeramt der Stadt aushelfen. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Mein Gott, so viele Journalisten hier mit Kameras und Mikrofonen, und das alles nur wegen mir? Das mag sich der sprechende Roboter auf den steingefliesten Fluren des Ludwigsburger Bürgeramtes gedacht haben, als die gesamte Landespresse vom ZDF bis zur Deutschen Presseagentur am Mittwoch aufgeschlagen ist. Die Schlagzeilen sind garantiert: Zum ersten Mal begrüßt ein Roboter die Einwohner im Bürgeramt und hilft ihnen beim Dienstleistungen.

Das klingt ein wenig nach Science Fiction. Nach dem Androiden Data aus Star Trek, der nach Menschlichkeit trachtet und Poker spielen kann. Und die Stadtverwaltung befördert die Fantasie, in dem sie den Roboter „L2B2“ nennt, in Anspielung an den putzigen R2D2 aus den Star-Wars-Filmen. Der OB Werner Spec strahlt mit Stefan Krebs um die Wette, dem Digitalisierungsbeauftragten der Landesregierung: Mal wieder wurde ein prestigeträchtiges Zukunftsprojekt an Land gezogen, das in die Galaxis ausstrahlt.

Viele Menschen verwirren den Roboter

Gemessen an den großen Worten ist der Auftritt von L2B2 dann doch eher bescheiden. Elegant gleitet sein gelber Rumpf über die Flure, sein Kopf ist eine Glaskuppel, in der zwei freundliche Augen und blaue LED-Leuchten blinken. Als er von 30 Leuten umringt ist, fährt er erst mal nervös hin und her. „Er soll ja niemanden anfahren“, erklärt der Entwickler Andreas Bley, dessen Firma Metralabs den 38 000 Euro teuren Roboter konstruiert und gebaut hat.

„Willkommen, bitte berühren Sie meinen Bildschirm“, sagt L2B2 mit einer Frauenstimme, als er einen Besucher mit seinen Lasersensoren erkannt hat. Der etwas verdutzte Angesprochene entgegnet: „Wo kann ich meinen Strafzettel bezahlen?“ Doch der Computer kann ihn nicht verstehen, noch ist keine Spracherkennung installiert. So darf man auf dem Display „Stadtkasse“ eingeben. Der Roboter säuselt „Hier sehen Sie die Zuständigkeiten und Öffnungszeiten der Stadtkasse“, eine Seite ploppt auf. Das ist aber noch keine Zukunftsmusik. Immerhin – tippt man auf einen Button, erklärt die Maschine, sie bringe einen jetzt dort hin – und fährt los. „Folgen Sie mir“, sagt L2B2. Aber nur gut 15 Meter, dann kommen im historischen Gebäude des Bürgeramtes Treppenstufen.

Bekanntes Problem: Windows stürzt ab

„Bitte gehen Sie in den Gang und durch die Tür. Auf Wiedersehen“, sagt’s und summt wieder davon. Noch recht unspektakulär – aber der Bürgerbüro-Leiter Jürgen Schindler verweist darauf, dass noch mehr eingebaut werden kann. Ein Drucker für Formulare etwa, eine Spracherkennung oder die Möglichkeit, Termine zu vereinbaren. „Wir starten erst einmal mit einer Basisversion und entwickeln ihn dann weiter“, erklärt Schindler.

Kinderkrankheiten bleiben auch nicht aus: Einmal friert der Bildschirm ein. Windows abgestürzt? Zudem macht die künstliche Intelligenz oft kurz Denkpausen, die den Menschen ratlos zurück lassen. Ist eben doch ein anderes Umfeld als für seine gut 250 Kollegen: Die machen Inventur in Logistikzentren des Großhandels.

Ein Star ist der kleine Roboter dennoch schon. Immer wieder kommen Menschen ins Bürgeramt und wollen Selfies mit ihm machen. Arbeitsplätze soll er übrigens auch nicht vernichten, betont auch der Sozialbürgermeister Konrad Seigfried: „Wir können die Mitarbeiter entlasten und die Wartezeiten verkürzen.“

Nach 18 Stunden geht es zur Ladestation

Und wenn L2B2 müde ist, was ist dann? Nach 18 Stunden im Dienst der Bürger wird tatsächlich der Akku schwach. Dann rollt der kleine Computer seinem gelben Bauch selbstständig zur Ladestation. Wie nett. Fast möchte man dem niedlichen Kerl über den Kopf streichen – und sieht gerne über seine noch bescheidene Funktionalität hinweg. Vielleicht wird er ja noch mal richtig wertvoll. Für das Gehäuse des „echten“ R2D2 von den Dreharbeiten hat ein Sammler immerhin 2,76 Millionen Dollar bezahlt. Da ist noch Luft nach oben.