„Sexuelle Akzeptanz“ im Bildungsplan Debatte über Homosexualität spitzt sich zu

Hirsch und Greif, die beiden Wappentiere Baden-Württembergs hissen im Vorfeld des Christopher Street Days die Regenbogenflagge als Symbol der Toleranz und Vielfalt – unterdessen sorgt dieses Ziel im  Bildungsplan für Schulen für erbitterte Diskussionen. Foto: dpa
Hirsch und Greif, die beiden Wappentiere Baden-Württembergs hissen im Vorfeld des Christopher Street Days die Regenbogenflagge als Symbol der Toleranz und Vielfalt – unterdessen sorgt dieses Ziel im Bildungsplan für Schulen für erbitterte Diskussionen. Foto: dpa

Die Kirchen kritisieren die Aufwertung des Themas Homosexualität in baden-württembergischen Schulen. Auch in der Politik wird munter weiter gestritten: der FDP-Fraktionschef Rülke erntet Widerspruch aus den eigenen Reihen, sein CDU-Kollege Hauk Kritik von Grünen und SPD.

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Stuttgart - Für Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) ist die gesellschaftliche Wirklichkeit in Deutschland weiter, als es die derzeitige Diskussion um Homosexualität vermuten lasse. „Die Petition gegen die Aufwertung des Themas Homosexualität im Schulunterricht ist der Vergangenheit verhaftet“, sagte Altpeter der Nachrichtenagentur dpa. Das Coming-Out von Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger zeige, dass es in allen Bereichen Homosexualität gebe, auch in einer Männerdomäne wie dem Fußball. „Sein Bekenntnis finde ich gut und mutig. Je mehr Menschen das tun, desto mehr wird das zur gesellschaftlichen Normalität.“

Die großen Kirchen im Südwesten kritisierten dagegen die geplante Aufwertung des Themas Homosexualität im Bildungsplan.In einer gemeinsamen Erklärung der evangelischen Landeskirchen und der katholische Kirche hieß es, es gelte „jeder Form der Funktionalisierung, Instrumentalisierung, Ideologisierung und Indoktrination zu wehren“. Dies gelte besonders „im sensiblen Bereich der sexuellen Identität“. Der Bildungsplan müsse sich am christlichen Menschenbild der Landesverfassung und des Schulgesetzes orientieren.

Auch die landespolitische Diskussion um die Petition verschärfte sich. Harsche Kritik erntete der CDU-Fraktionschef Peter Hauk von seinen Kollegen aus den Regierungsfraktionen. Claus Schmiedel (SPD) bedauert ausdrücklich, „dass sich die CDU pauschal hinter die Petition stellt“. Dahinter würde sich vieles versammeln, was „Vorurteilsstrukturen und Ausgrenzung“ ausdrücke. „Das sollte sich die CDU gut anschauen, ehe sie sich solidarisch erklärt“, warnte Schmiedel. Die homophoben Äußerungen in der Petition verurteilte Schmiedel explizit. Der ganzen Petition liegt nach Schmiedels Auffassung „ein großes Missverständnis zugrunde“. Durch die neuen Bildungspläne werde nicht die Homosexualität in den Mittelpunkt gerückt. Es gehe darum, in der Schule einen Wertekanon zu vermitteln mit Toleranz und Respekt als zentralen Punkten.

Sitzmann: Es gilt, eine wertschätzende Gesellschaft zu etablieren

Für Edith Sitzmann die Chefin der Landtagsgrünen ist es „ein starkes Stück“, dass Hauk Sympathien mit den Petenten erkennen lasse. Dessen Reaktion zeige, „dass ein Wechsel in Baden-Württemberg dringend notwendig war“. Es gelte „eine wertschätzende Gesellschaft zu etablieren. Das beginnt an den Schulen“. Auch die Reaktion des FDP-Fraktionschefs Hans-Ulrich Rülke zeugt nach der Einschätzung Sitzmanns nicht von großer Liberalität.

Rülke hatte gesagt, die FDP betrachte andere Lebensformen als die klassische Familie „als tolerabel, aber nicht als gleichwertig“. Empörten Protest erntete er dafür auch von den Jungliberalen. „Ich schäme mich für die Aussagen von Herrn Rülke“, sagte der Juli-Landeschef Sebastian Gratz. Diese seien „Sand im Getriebe der neuen FDP“ und ein Schlag ins Gesicht derer, die seit Jahren für mehr gesellschaftliche Liberalität im Profil der FDP kämpften. „Gegen die Petition, die Homosexualität in der Schule totgeschwiegen haben möchte, erwarten wir deutlichen Widerspruch der FDP“, sagte der 22-jährige Gratz. In Sachen gesellschaftlicher Vielfalt gehöre der FDP-Fraktionschef „zurück auf die Schulbank, aber besser nicht als Lehrer“.

Der FDP-Landesverband erklärte unterdessen, die Partei wolle „eine freie, eine vielfältige Gesellschaft“. Gesellschaftliche Toleranz bedeute für sie selbstverständlich die Gleichstellung von schwulen und lesbischen Lebensgemeinschaften. Das Präsidium der FDP stehe „geschlossen“ zu entsprechenden Beschlüssen.

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