Daniel Rebmann hat sich im April die Eishockey-Finalspiele der Bietigheim Steelers um die Rückkehr in die DEL 2 angeschaut und war von der Stimmung in der Ege-Trans-Arena hellauf begeistert: „Die Atmosphäre vor vollem Haus war sensationell, es war ein echter Hexenkessel“, sagt der Handball-Torwart. Er spielt mit Bundesliga-Aufsteiger SG BBM Bietigheim in der gleichen Halle, verspürt diese Emotionen bei den eigenen Auftritten aber nicht ganz, auch wenn vor allem der Fanclub Blue Reds Bietigheim versuche, die Stimmung anzuheizen.
Freitag gegen Frisch Auf
Vor dem Heimspiel gegen seinen Ex-Club Frisch Auf Göppingen am Freitag (19 Uhr) lässt die Zuschauerresonanz auch quantitativ zu wünschen übrig. Die drei Eishockey-Play-off-Finalspiele der in der vergangenen Saison noch drittklassigen Steelers waren mit je 4370 Zuschauern ausverkauft (Hauptrundenschnitt 2712), davon kann der Handball-Erstligist nur träumen.
Beim vergangenen, richtungweisenden Heimspiel im Kampf gegen den Abstieg am 26. April gegen den ThSV Eisenach kamen 2552 Besucher in der Ege-Trans-Arena, gegen den Spitzenreiter Füchse Berlin waren es 2847, gegen den Tabellenzweiten MT Melsungen nur 2614. Die Bestwerte gab’s gegen Rekordmeister THW Kiel (3932) und im Derby gegen den TVB Stuttgart (3510). Doch Angst, kein Ticket zu bekommen, brauchte man auch da nie haben.
Bauer kann mit Zahlen leben
Für Bernhard Bauer ist die vergleichsweise maue Resonanz (Schnitt: 2842) gar keine so große Überraschung. „Man muss auch sehen, woher der Club kommt, dafür sind die Zahlen doch gar nicht so schlecht“, findet der ehemalige Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), der Beiratsmitglied bei der SG ist. Vieles würde mit der Tradition zusammenhängen. Die sei eben in Bietigheim und erst recht in der doch sehr weitläufigen Ege-Trans-Arena mit dem Eishockeysport und den Steelers verbunden. Über eine reine Handball-Arena werde immer mal wieder diskutiert – bis jetzt aber ohne Ergebnis.
Auch andere Handball-Bundesligisten haben mehr Tradition als die SG BBM. Bauer weiß das – nicht nur, weil er von 1982 bis 1984 beim elffachen Meister und sechsfachen Europapokalsieger Frisch Auf Göppingen im Tor stand. In der EWS-Arena beträgt der Schnitt 4780 Zuschauer. „Frisch Auf ist ein Mythos. Einmal Grün-Weiß, immer Grün-Weiß, auch mein Herz schlägt noch für Frisch Auf“, sagt der 74-Jährige, nicht ohne zu betonen, dass er am Freitag im Derby der SG BBM die Daumen drückt, zumal sie die Punkte weitaus dringender benötigt.
Am 24. Mai TVB – SG BBM
Selbst noch im Abstiegskampf steckt auch der TVB Stuttgart, der nach den Spielen am Donnerstag (19 Uhr) beim HSV Hamburg und am Sonntag (18 Uhr) gegen den HC Erlangen am 24. Mai (18 Uhr) die SG BBM in der Porsche-Arena empfängt. Geschäftsführer Jürgen Schweikardt steckt mit seinem Team viel Arbeit in die Zuschauerakquise. Der Lohn: ein Schnitt von aktuell 5006 Zuschauern. „An unserem Standort in der Landeshauptstadt gibt es so extrem viel Konkurrenz im Kultur- und Sportbereich, wir müssen sehr viele Aktionen starten, ein attraktives Rahmenprogramm anbieten“, sagt Schweikardt.
Große Konkurrenz
Konkurrenz, die es in Bietigheim auch gibt. Neben Fußball und den Steelers sind dies die Basketballer der MHP Riesen Ludwigsburg und die Handballerinnen der HB Ludwigsburg. „Auch wir gehen auf Vereine zu, laden Jugendteams ein, machen Familienaktionen, aber es ist nicht ganz so einfach in Bietigheim“, räumt der Sportliche Leiter Jochen Zürn ein, zumal seinem Club auch deutlich weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stehen als etwa der württembergischen Konkurrenz.
Hälfte an Etat wie FAG und TVB
Der Etat der SG BBM beläuft sich maximal auf die Hälfte dessen, was Frisch Auf und der TVB (beide zwischen 6,5 und 7 Millionen Euro) zur Verfügung haben. Weshalb es auch keine Nachverpflichtung in dieser Runde gab. Anders als 2014, als man Starkeeper Darko Stanic für sehr viel Geld mitten in der Saison an Land zog, der dann aber viereinhalb Monate später schon wieder weg war.
Für Zürn aber sind das allesamt absolute Nebenaspekte. „Das Sportliche zählt, wir müssen liefern. Das Spiel gegen Frisch Auf ist sehr richtungweisend, ganz entscheidend“, sieht auch er in dem Derby einen gewissen Endspielcharakter. Zur Erinnerung: Von den vergangenen 18 Bundesligaspielen hat die Mannschaft von Trainer Iker Romero nur eines gewonnen, zweimal unentschieden gespielt, den Rest verloren.
TVB Stuttgart noch nicht durch
Mit 10:44 Punkten (minus 133 Tore) steht die SG BBM auf einem Abstiegsplatz, allerdings hat der im Aufwind befindliche HC Erlangen (12:46 Punkte, minus 98 Tore) schon zwei Spiele mehr ausgetragen. Der TVB hat 14:40 Punkte (minus 111 Tore), Frisch Auf 19:37 Punkte (minus 55 Tore). „Wir brauchen eine sehr, sehr gute Leistung am Freitag, wenn wir etwas holen wollen“, sagt SG-BBM-Torwart Rebmann. Und möglichst eine Stimmung wie in den Finalspielen der Steelers.