SG BBM Bietigheim in der Champions League Vor den größten Spielen der Vereinsgeschichte

Bietigheims Rückraumspielerin Xenia Smits versucht sich in der Gruppenphase gegen Odense Handbold durchzusetzen – nun geht es gegen die Däninnen um den Einzug ins Final Four. Foto: Baumann

Die Handballfrauen der SG BBM Bietigheim träumen vom Einzug ins Final Four der Königsklasse und Spielen vor über 20 000 Zuschauern. Vor den Viertelfinalpartien gegen das dänische Topteam Odense Handbold kritisiert der deutsche Meister aber auch mangelnde Unterstützung der Liga.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim sind auf dem besten Weg zu ihrer fünften deutschen Meisterschaft, sie haben viermal den DHB-Pokal gewonnen und 2022 auch den Titel in der European League geholt. Doch die Chance, in der Champions League in das Final Four einzuziehen, am 1./2. Juni in Budapest in einer mit 22 000 Zuschauern ausverkauften Halle zu spielen, toppt alles bisher Dagewesene. „Wir stehen vor den größten und wichtigsten Spielen unserer Vereinsgeschichte, so weit kamen wir in der Königsklasse noch nie“, sagt Bastian Dörr, der Geschäftsführer der SG BBM.

 

Rollen klar verteilt

An diesem Sonntag (14 Uhr/MHP-Arena Ludwigsburg, 1800 von 3200 Tickets waren Mitte der Woche weg) steigt das Viertelfinal-Hinspiel gegen Odense Handbold. Am 5. Mai (14 Uhr) folgt das Rückspiel beim dänischen Topteam. „Im Sport ist immer alles möglich und wir werden zweimal 60 Minuten alles reinhauen, aber klar sind wir krasser Außenseiter“, sagt Dörr. Dass die Rollen klar verteilt sind, zeigen auch die Ergebnisse aus den Duellen in der Gruppenphase: Daheim verlor die Mannschaft von Trainer Jakob Vestergaard mit 25:28, in Odense sogar mit 29:42.

Jetzt aber will es die SG BBM spannender machen. Die Enttäuschung aus dem mit 28:30 verlorenen DHB-Pokal-Finale vergangenen März in Stuttgart gegen die TuS Metzingen ist Geschichte. In der Meisterschaft läuft bei der Mission Titelverteidigung alles nach Plan: Fünf Spieltage vor Saisonende beträgt der Vorsprung auf den schärfsten Verfolger Borussia Dortmund sechs Punkte. Der Tanz auf den drei Hochzeiten hat aber auch seine Tücken.

Zwei Spielerinnen mit Kreuzbandriss

Die ungarische Torhüterin Melinda Szikora fehlt seit vergangenen November mit einem Kreuzbandriss, am 18. April im Derby bei der Sport-Union Neckarsulm (27:24) zog sich die schwedische Rückraumspielerin Isabelle Andersson einen Innenband- und Kreuzbandriss zu, zuletzt fehlte auch Kelly Dulfer (Sprunggelenk), die niederländische Weltmeisterin von 2019. Die Verletzung von Andersson passierte drei Tage nach einem längeren Nationalmannschaftsaufenthalt, an dessen Ende für die meisten der insgesamt elf Bietigheimer Auswahlspielerinnen das Olympia-Qualifikationsturnier stand.

„Wir hatten sehr früh angefragt, das Bundesliga-Derby zu verlegen, denn die meisten unsere Nationalspielerinnen hatten davor innerhalb von zehn Tagen sechs Spiele“, sagt Dörr und nennt die Gründe, warum es nicht klappte: „Mal hieß es von Neckarsulmer Seite, es sei kein Hausmeister da, dann war die Halle nicht verfügbar.“ Was den SG-Geschäftsführer ärgert: Die Handball-Bundesliga der Frauen (HBF) hat nicht eingegriffen. „So macht man unsere Nationalspielerinnen kaputt, sie müssten besser geschützt werden“, fordert Dörr.

Wunsch nach mehr Gespür

Er wünscht sich mit Blick auf die Belastung deutlich mehr Gespür bei der Termingestaltung: „Doch diesbezüglich gibt es wenig bis gar keine Unterstützung von Seiten der HBF. Dabei sollten doch alle an einem Strang ziehen – Verein, Liga, Deutscher Handballbund.“ Immerhin konnte das ursprünglich für den 24. April vorgesehene Spitzenspiel beim BVB dank des Entgegenkommens der Dortmunder auf den 22. Mai verlegt werden.

Christoph Wendt, der Geschäftsführer der HBF, lässt die Vorwürfe so nicht gelten: „Der Rahmenterminkalender wurde in Abstimmung mit den Vereinen verabschiedet. Wir versuchen, den international vertretenen Vereinen so weit es möglich ist, entgegenzukommen, doch es funktioniert eben nicht immer.“ Dass die SG BBM auf europäischer Ebene so erfolgreich ist, freue ihn natürlich: „Das tut dem Frauenhandball in seiner Außendarstellung auf jeden Fall sehr gut.“

Vielleicht gelingt der SG BBM sogar die Überraschung – und sie qualifiziert sich als erster deutscher Frauen-Bundesligist überhaupt für das Champions-League-Final-Four. „Egal, ob es klappt oder nicht. Wir werden viel Schwung mit in die neue Saison nehmen“, ist sich Dörr sicher. Was kein Fehler ist für den Neustart unter dem Namen HB Ludwigsburg, auch wenn die alten Belastungsprobleme für die Spielerinnen bleiben dürften.

Spielplan

Champions League
Viertelfinale (Hinspiele 27./28. April, Rückspiele 4./5. Mai): Ferencvarosi TC/Ungarn – Team Esbjerg/Dänemark, Vipers Kristiansand/Norwegen – Györi ETO KC/Ungarn, SG BBM Bietigheim – Odense Handbold/Dänemark, CSM Bukarest/Rumänien – Metz Moselle/Frankreich. Final Four: 1./2. Juni in Budapest.

Bundesliga
Buxtehuder SV – SG BBM (8. Mai, 19.30 Uhr), SG BBM – VfL Oldenburg (11. Mai, 18 Uhr), HSG Bad Wildungen Vipers – SG BBM (18. Mai, 19 Uhr), SG BBM – BVB Dortmund (22. Mai, 19 Uhr), SG BBM – HSG Blomberg-Lippe (25. Mai, 19 Uhr). (jüf)

Weitere Themen

Weitere Artikel zu SG BBM Bietigheim Champions League