SG Weilimdorf bei Ringer-DM Gold, Bronze – und zweimal Auftaktfrust
Die Weilimdorfer Lucas Lazogianis und Timur Demir gewinnen bei den deutschen Meisterschaften Medaillen. Schlechter läuft es im unterfränkischen Elsenfeld für zwei Vereinskollegen.
Die Weilimdorfer Lucas Lazogianis und Timur Demir gewinnen bei den deutschen Meisterschaften Medaillen. Schlechter läuft es im unterfränkischen Elsenfeld für zwei Vereinskollegen.
Auf der Homepage der Ringer der SG Weilimdorf gibt es eine beeindruckende Liste. Aufgeführt sind dort alle Medaillengewinner und Teilnehmer in der Geschichte des Vereins bei größeren Veranstaltungen. Wer alle Namen lesen wollte, musste dort schon bisher ordentlich scrollen. Nun, seit diesem Wochenende, steht fest: Es kommen weitere Einträge hinzu. Bei den aktuellen deutschen Meisterschaften der Männer und Frauen im unterfränkischen Elsenfeld haben die Nord-Stuttgarter erneut ihr offenbar unerschöpfliches Potenzial unter Beweis gestellt. Die Ausbeute: einmal Gold, einmal Bronze – zudem allerdings auch zwei enttäuschte Gesichter.
Für das herausragende Ergebnis sorgte einmal mehr Lucas Lazogianis. In der 97-Kilogramm-Klasse setzte der Paris-Olympia-Teilnehmer und Vizeeuropameister von vor zwei Monaten seine tolle Titelserie fort: Seit 2019 stand er beim nationalen Saisonhöhepunkt ein jedes Mal auf der obersten Stufe des Siegertreppchens, erst zweimal bei den Junioren, nun zum inzwischen vierten Mal nacheinander bei den Männern. „Einerseits eine Pflichterfüllung, zugleich aber auch ein Zeichen der Stärke: Er hat klar gezeigt, dass er die Nummer eins in seiner Gewichtsklasse ist“, sagt der eigentliche Jugendtrainer Kevin Strecker, der als Weilimdorfer Teilnehmerbetreuer vor Ort weilte.
Die schwerste Aufgabe hatte der Griechisch-römisch-Spezialist Lazogianis gleich zum Auftakt zu lösen. Zufall des Loses: Gegen den Sachsen Anton Vieweg, U-23-WM-Fünfter des vergangenen Jahrs, kam es bereits im Viertelfinale zum Duell der Favoriten. Das Ergebnis: ein 5:1-Punktsieg für Lazogianis, der zuletzt auch im Endkampf nichts anbrennen ließ. In jenem behauptete er sich gegen den Altmeister Peter Öhler (VfL Mühlenbach) sogar mit 8:0.
Eine Pause, um den Erfolg zu genießen, gibt es jedoch nicht. Schon an diesem Sonntag wartete auf Lazogianis ein eng getaktetes weiteres Programm: Dopingprobe, Siegerehrung, Autobahn. Noch am Nachmittag ging es zur nächsten Wettbewerbsstation, nämlich nach Warendorf, wo bis zum kommenden Wochenende die Premiere der Militär-Weltmeisterschaften stattfindet. Im September folgen dann die WM der Aktiven in Zagreb, für die Lazogianis im Normalfall das Startticket sicher sein dürfte, sowie der Beginn der Bundesliga-Mannschaftssaison mit dem ASV Schorndorf. Für seinen Heimatverein Weilimdorf tritt der 23-Jährige nur in Einzelwettkämpfen an.
Gleiches gilt für den Youngster Timur Demir, der ansonsten für das Erstliga-Team des ASV Mainz auf die Matte geht. Zwei Wochen nach seinem U-17-EM-Auftritt (Rang 13 in Skopje) gelang ihm die Weilimdorfer Überraschung: Zum ersten Mal bei den Männern dabei, kämpfte der 16-Jährige sich in der 63-Kilogramm-Kategorie prompt auf Platz drei. „Zwei sehr schöne Wertungen im kleinen Finale – er hat sich klasse verkauft“, lobt Strecker. 8:0 hieß es schließlich auch für Demir in seinem entscheidenden Medaillenkampf, in dem er auf den Schifferstädter Robin Willer traf. Beugen müssen hatte er sich zuvor lediglich dem Rostocker Fabian Wiesemann (1:10). Letzterer wiederum unterlag im Finale Etienne Kinsinger vom KSV Köllerbach.
Bleibt der Blick auf die erwähnten Enttäuschten. Wie es im Sport so ist: Wo Gewinner, dort auch Verlierer. Bedröppelt auf Heimreise gehen aus der Weilimdorfer Delegation Anton Buchholz und Lisa Laible. Beider Ambitionen endeten, bevor das Turnier für sie richtig begonnen hatte. Buchholz (82 kg) unterlag im Kräftevergleich zweier einstiger deutscher Jugendmeister dem Wittener Noah Englich mit 1:3. Tribut zollen musste er laut Strecker seinem außersportlichen Pensum der vergangenen Wochen mit Abitur und Führerschein.
Laible wiederum, vor Jahresfrist noch Silber-Gewinnerin, hatte in ihrem Auftaktkampf gegen Adelheid Przybylak (SV Hallbergmoos) knapp mit 1:2 das Nachsehen. Ihr taktischer Kniff, aufgrund der starken Konkurrenz in die höhere 65-Kilogramm-Klasse auszuweichen, machte sich nicht bezahlt.
Gar nicht dabei waren diesmal ihre Brüder Lukas und Paul Laible, 2024 ebenfalls medaillendekoriert. Sie bevorzugten eine Auszeit – Urlaub in Thailand. Und vergeblich suchte man im Starterfeld heuer auch Namen des KSV Musberg. Die Gründe? Julian Kellermann im Unistress, Robin Bauer und Rico Rupp verletzt, Abdolmohammad Papi inzwischen in einem anderen Landesverband unterwegs (Hessen). Und André Ehrmann und Marius Braun? Wollten schlicht nicht mehr. Irgendwann ist's dann auch genug. Auch eine Frage des Alters.
Gut für die Weilimdorfer Liste: Ein Lazogianis und ein Demir sind von einer solchen Erkenntnis noch weit entfernt.