Serkan Kocer (links) und Torwartcoach Niclas Heimann (rechts) komplettieren das Trainerteam beim SGV um Kushtrim Lushtaku. Foto: Avanti
Kushtrim Lushtaku, der neue Chefcoach des SGV Freiberg macht vieles ähnlich wie sein Vorgänger Roland Seitz, setzt bei seiner Premiere gegen den FSV Frankfurt aber auf mehr Spielkontrolle.
Bedenkzeit hat er keine gebraucht. Kushtrim Lushtaku hat wohl noch nie so schnell Ja gesagt in seinem Leben, als ihm nach dem Wechsel von Roland Seitz zum FC Homburg im Dezember der Cheftrainerposten beim Regionalligisten SGV Freiberg angeboten wurde. „Inzwischen habe ich mich eingefunden in die neue Rolle, das war immer mein Plan“, sagt Kushtrim Lushtaku. Der 35-Jährige sitzt in einem Büro auf der Geschäftsstelle des SGV Freiberg - es ist Teil seines neuen Lebens. Wobei der Coach ja nicht wirklich neu ist bei den Freibergern, sondern einfach nur einen Perspektivwechsel vorgenommen hat, vom Co-Trainer zum Chefcoach.
Zweieinhalb Jahre konnte er an der Seite von Roland Seitz lernen, seine eigene Philosophie miteinbringen und wachsen. „Ich verdanke Roland sehr viel und möchte mich bei ihm und auch beim Verein bedanken“, sagt der dreifache Familienvater. Für den Präsidenten Emir Cerkez und den Sportlichen Leiter Mario Estasi war die von Lushtaku der logische Schritt. „Er kennt das Umfeld und die Mannschaft und kommt aus der Region“, sagt Mario Estasi.
Mit Demut und Mut geht Kushtrim Lushtaku den neuen Job an. Er lebt mit seiner Frau und den drei Kindern in Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn), ist einer, der anpacken kann. Als er drei Jahre alt war, ist er mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen, die ein Abrissunternehmen aufgebaut haben. Lushtaku selbst hat fünf Jahre auf dem Bau gearbeitet. „Das hat mich geprägt. Und jetzt darf ich meinen Traum leben“, sagt er.
Die Konstellation ist perfekt. Vor der Winterpause hat Freiberg sieben Spiele in Serie gewonnen, sich auf Platz fünf vorgearbeitet. „Es wäre schwerer zu übernehmen gewesen, wenn wir um den Klassenverbleib kämpfen müssten“, sagt Kushtrim Lushtaku. Doch wofür steht der Neue am Wasen?
Der Neue hat ein Faible für mehr Ballbesitz
Es ist noch nicht lange her, dass er selbst gegen den Ball getreten hat. Lushtaku sieht sich deshalb schon auch als Spielerversteher. „Ich weiß, wie sich das anfühlt, wenn man nicht spielt und bin jetzt auch mehr als Pädagoge gefragt.“ Er hat seit seiner Beförderung wenig geändert, weder die Abläufe im Training, noch das System. Warum auch. In den sehr erfolgreichen Testspielen im Trainingslager in der Türkei und in der Region aber hat man gesehen, dass er ein Faible für mehr Ballbesitz und Kontrolle hat. Das gefällt auch Abwehrchef David Pisot. „Wir als Mannschaft sehen uns mit Coach Lushtaku gut aufgestellt“, sagt Pisot, der mit der Vorbereitung ebenso zufrieden war, wie der Coach.
An diesem Samstag (14 Uhr) darf sich Lushtaku mit seinem Co-Trainer Serkan Kocer und Torwartcoach Niclas Heimann zum ersten Mal beweisen beim Duell gegen den Tabellenzweiten FSV Frankfurt. „Es könnte für uns richtungsweisend für den weiteren Saisonverlauf sein“, sagt Kushtrim Lushtaku. Auch die beiden nächsten Gegner haben es in sich: Am 1. März kommt der Sechste SC Freiburg II an den Wasen, danach tritt man beim Tabellenführer TSG 1899 Hoffenheim an.
Abgang von Dennis Owusu muss kompensiert werden
In der Hinrunde haben die Freiberger diese drei Duelle verloren. Jetzt sind es nur noch fünf Zähler Rückstand auf den Spitzenreiter. Natürlich hat sich Lushtaku mit den Stärken der Frankfurter auseinandergesetzt, lobt deren Kompaktheit im Mittelfeld. Das will man am Samstag nicht ausblenden, dem Gegner aber möglichst das eigene Spiel aufzwingen. Im Hinspiel setzte sich Frankfurt mit 2:1 durch – eine Niederlage, die der SGV nun wettmachen will. Der Coach tüftelt noch an der Aufstellung, weiß noch nicht, welche der neuen Spieler auflaufen werden. Leon Petö, Mike Manegold und Dion Berisha tragen jetzt neu das Trikot der Blauen. „Wir haben an Qualität dazu gewonnen“, sagt Mario Estasi. Damit soll der Abgang von Dennis Owusu aufgefangen werden, der sich dem tschechischen Erstligisten Banik Ostrau angeschlossen hat und dort auch schon zweimal im Einsatz war. Auch Simon Klostermann (TSG Balingen) und Jihan Lee (Hwaseong FC) haben den Club in der Winterpause verlassen.
Spielerentwickler Roland Seitz (rechts) folgte dem früheren Freiberger Sportdirektor Dieter Gerstung zum FC Homburg. Foto: Pressefoto Baumann
Das Beispiel Owusu spiegelt das System des SGV Freiberg wider: Hier finden junge Spieler eine Bühne, sich weiter zu entwickeln und dann den Schritt in eine höhere Liga zu machen. Auch Kushtrim Lushtaku trägt dieses Konzept mit und sieht darin seinen Vorgänger Roland Seitz als Vorbild, der ein wahrer Spielerentwickler war.