Shell-Jugendstudie Keine verlorene Generation

Junge Männer ticken tendenziell rechter als junge Frauen. Foto: dpa/Tobias Kleinschmidt

Gibt es einen Rechtsruck unter Jugendlichen? Darüber wird seit Monaten diskutiert. Nun zeigt eine neue Studie: So einfach ist es nicht. Man sollte die junge Generation nicht unterschätzen, findet Hauptstadtkorrespondentin Rebekka Wiese.

Berliner Büro: Rebekka Wiese (rew)

Wie rechts ist die Jugend? Darüber wurde zuletzt viel diskutiert. Im Frühjahr erschien eine Studie, die einen Rechtsruck bei jungen Menschen festgestellt haben wollte. Bei den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen zeigte sich, dass tatsächlich viele junge Menschen für die in diesen Ländern als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD stimmten.

 

Nun ist die neue Shell-Jugendstudie erschienen, die herausfinden will, wie junge Menschen ticken. Auch sie zeigt, dass Jugendliche empfänglich für populistische Botschaften sind und dass sich vor allem junge Männer heute häufiger politisch rechts positionieren. Doch einen Rechtsruck kann sie nicht erkennen. Das sollte man nicht als Schönfärberei abtun. Die Shell-Studie erscheint in dieser Form seit 20 Jahren und kann Trends deshalb deutlich besser einordnen.

Kein Ruck, sondern ein Schwenken

Bemerkenswert ist, dass junge Menschen so politisch interessiert sind wie nie zuvor. Das behauptet mehr als die Hälfte von sich – zum Vergleich: 2002 war es nur ein gutes Drittel, seitdem steigt der Wert. Die Jugendlichen informieren sich aktiv über Politik, viel mehr noch als vor fünf Jahren. Und es ist nicht so, dass sie sich dabei auf Tiktok und Co. verlassen würden. Weniger als ein Prozent informiert sich ausschließlich auf sozialen Netzwerken. Das scheint ein unberechtigtes Vorurteil zu sein. Ebenso wie der Rechtsruck: Es sind mehr junge Männer als vor fünf Jahren, die sich rechts positionieren – aber weniger als zum Beispiel 2010. Das ist kein Ruck, sondern ein Schwenken.

Und was zieht man daraus für Lehren? Erstens die Erkenntnis, dass es um die Jugend mal wieder weniger schlimm steht als vermutet. Zweitens eine Forderung, die von den Befragten selbst kommt. 90 Prozent wünschen sich, in der Schule verpflichtend zu lernen, wie sie mit digitalen Medien umgehen und Fake News erkennen. Das klingt weder rechts noch populistisch. Sondern sogar fast ein bisschen brav.

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