Shisha-Bars in Stuttgart Gefahrenquelle Wasserpfeife

Von Götz Schultheiss 

Kontrollen der Polizei in Stuttgarter Shisha-Bars haben zu ernüchternden Ergebnissen geführt. Die Inhaber hatten Auflagen der Stadt unzureichend umgesetzt. Die Beamten beanstandeten auch eine Bar in Stuttgart-Vaihingen. Woran haperte es?

Das Kohlenmonoxid entsteht durch die glühende  Holzkohle über dem Tabak der Wasserpfeifen. Foto: dpa/Christian Charisius
Das Kohlenmonoxid entsteht durch die glühende Holzkohle über dem Tabak der Wasserpfeifen. Foto: dpa/Christian Charisius

Vaihingen - Nach einer Kontrolle der Polizei hat jüngst eine Shisha-Bar am Vaihinger Markt vorübergehend schließen müssen. Als Grund dafür geben die Beamten an, der Kohlenmonoxidwert in der Kneipenluft sei zu hoch gewesen. Shisha-Bars unterliegen verschärften Kontrollen, seit die Stadt 2018 neue Regeln für diese Art von Lokalen erlassen hatte.

Was ist eine Wasserpfeife?

Begriffe sind nicht immer logisch. Die Feuerwehr bekämpft Feuer, die Bundeswehr (hoffentlich) nicht den Bund. Wer Wasserpfeife raucht, inhaliert kein Wasser, sondern Tabak. Der Ursprung der Wasserpfeife liegt in Indien oder Persien. Der Name Shisha geht aufs persische Shishe (Glas) zurück. Von Persien aus soll sich die Shisha in den übrigen Nahen Osten ausgebreitet haben, in der Türkei bezeichnet man sie als Nargile. Das gemeinsame Rauchen der Shisha gilt im Orient als Zeichen der Gastfreundschaft. Der feuchte Wasserpfeifentabak wird mit spezieller Kohle, die im Idealfall aus gepresster Kokosschale besteht, zum Glimmen gebracht. Das Wasser kühlt den Rauch beim Ziehen und filtert ihn ein wenig.

Dennoch ist das Rauchen der Wasserpfeife schädlich. Dazu kommt, dass die glühende Holzkohle hochgiftiges Kohlenmonoxid (CO) freisetzt. Durch Shisha-Bars ist die Wasserpfeife in Deutschland populär geworden, früher war sie nur Orientreisenden bekannt, und manch ein Betrachter, der sie einst in Geschäften sah, konnte nichts damit anfangen. In Istanbul soll ein windiger Basar-Händler in den 1970er Jahren einem naiven Amerikaner eine Wasserpfeife für einen fünfstelligen Dollarbetrag als Klistierinstrument des Sultans Süleyman des Prächtigen verkauft haben. Der Käufer tut gut daran, sie in eine Vitrine zu stellen und damit nicht in den eigenen vier Wänden zu rauchen, wo das Kohlenmonoxid schwer abziehen kann. Wenn er es doch tut, sollte er wenigstens das Fenster offen lassen, damit das CO abziehen kann. Auch Shisha-Bars, in denen sich viele Raucher tummeln, sind potenziell gefährlich. Zum Schutz der Wasserpfeifenfreunde hat die Stadt den Shisha-Bars Auflagen gemacht.

Hat es Todesfälle durch CO gegeben?

Todesfälle durch CO in Shisha-Bars hat es in Deutschland vor den Auflagen nicht gegeben. Dies ist dem rechtzeitigen Eingreifen von Rettern zu verdanken. Im Oktober 2017 ist in Kaiserslautern eine Frau in einer Bar ohnmächtig geworden. Die Ursache war eine CO-Vergiftung. Ähnliche Fälle ereigneten sich in Pforzheim und in Lörrach. In einer Esslinger Wohnung kam es dagegen zur Katastrophe: Im Februar 2018 ist dort eine vierköpfige Familie an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben, weil das Gas durch eine defekte Heizung freigesetzt wurde.

Was sind Gefahrenquellen?

Was macht Kohlenmonoxid so gefährlich? Kohlenmonoxid hat keinen Geruch, und man sieht es nicht. Es dringt sogar durch Betondecken und durch Wände. Es entsteht, wenn Materialien, die Kohlenstoff enthalten, verbrannt werden. Dazu zählen Grillkohle, Pellets, Holz, Gas oder Öl. Das Gas bindet das Hämoglobin im Blut und verhindert dadurch den Sauerstofftransport. Vergiftungsquellen sind sind natürlich Brände, Heiz- und Zierkamine, die Kohlenmonoxid freisetzen können. Eine weitere Quelle sind die Becken mit glühenden Holzkohlebröckchen, die in Shisha-Bars zum Einsatz kommen.

Warum mehr Sicherheit in den Bars?

Nach Kontrollen in Shisha-Bars im vergangenen Jahr in der Landeshauptstadt war Karl-Christian Knapp, der Sachgebietsleiter im Ordnungsamt für Gaststätten, entsetzt. Das Ergebnis der Kontrollen sei erschreckend gewesen. „Wir hatten zahlreiche Lokale, in denen die Werte viel zu hoch waren“, sagte er damals. Ein Mitarbeiter einer Shisha-Bar habe eine Blutuntersuchung erlaubt. „Seine Werte waren so hoch, dass er kurz davor war, in ein Krankenhaus zu müssen“, sagte Knapp. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass etwas getan werden müsse. Doch trotz der neuen Auflagen hat die Polizei am 18. November in 15 Stuttgarter Shisha-Bars insgesamt 56 Regel-Verstöße festgestellt. In den beiden Gaststätten, die vorübergehend schließen mussten, also in derjenigen am Vaihinger Markt und in einer Gaststätte an der Hauptstätter Straße im Süden, seien es insgesamt 14 gewesen, darunter zu wenig Kohlenmonoxid-Melder und zu wenig Hinweisschilder. Wie die Polizei mitteilt, müssen die Inhaber der beanstandeten Shisha-Bars mit 19 Ordnungswidrigkeitsanzeigen rechnen. Wenn die Inhaber der beiden Bars, die schließen mussten, die Gefahrenherde beseitigt haben, dürfen sie ihre Lokale wieder öffnen.

Wie sehen die Auflagen aus?

Im Oktober 2018 hatte das Landeswirtschaftsministerium wegen sich häufender Fälle von Kohlenmonoxid-Vergiftungen den Kommunen mit einem Erlass die Basis für nachträgliche Auflagen geschaffen. In Stuttgart mussten Shisha-Bars demnach mechanische Lüftungsanlagen und Warnmelder einbauen, die für die Größe der Lokale ausreichen. Die Warnmelder sollen bei zu hoher Kohlenmonoxidkonzentration in der Luft Alarm schlagen.

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