Sieben Jahre altes Buch löst Shitstorm aus Landwirte wüten gegen Kinderbuch

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Der Leipziger Klett Kinderbuch Verlag sieht sich auf Facebook einem veritablen Shitstorm ausgesetzt. Anlass ist ein sieben Jahre altes Buch über Ernährung, in dem am Rande Massentierhaltung thematisiert wird. Erboste Bauern laufen Sturm dagegen.

Hundertfach kommentiert, dutzendfach geteilt: die Diskussion um „Alles lecker“ Foto: Facebook/@Klettkinderbuch
Hundertfach kommentiert, dutzendfach geteilt: die Diskussion um „Alles lecker“ Foto: Facebook/@Klettkinderbuch

Leipzig - Das hat Monika Osberghaus, Chefin des renommierten Klett Kinderbuch Verlages, in ihrem ganzen Verlegerleben noch nicht erlebt: wegen einer einzigen Illustration in einem sieben Jahre alten Buch sieht sie sich einem massiven Shitstorm erboster Landwirte ausgesetzt. Auf Facebook hagelt es wüste Beschimpfungen, auf Amazon schlechte Beurteilungen.

Angefangen hat es mit einem Anruf bei dem Leipziger Verlag, der für seine munteren und gern auch ein bisschen provokanten Titel bekannt ist. Doch diesmal ging es um das an sich unverfängliche Ernährungsbuch „Alles lecker“ von Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl. Auf einer Seite werden die Massenhaltung von Schweinen und der Transport von Kälbern im Lastwagen dargestellt. Das hat einen Landwirt so aufgebracht, dass er im Verlag anrief: „Wir zeigen Sie an, wir sorgen dafür, dass das Buch verboten wird, wir machen Sie auf Facebook fertig, und wir sind viele!“, habe er die Verlegerin angebrüllt.

Seither steht das Telefon nicht mehr still, auf Facebook ist eine erbitterter Streit entbrannt, hunderte Kommentare setzen sich mit der inkriminierten Seite auseinander – teils ohne, wie Monika Osberghaus auf Nachfrage erfuhr, überhaupt das Buch zu kennen. Parallel dazu häufen sich auf Amazon die 1-Sterne-Bewertungen (die Skala reicht von eins bis fünf), die wütenden Kommentare („99% der Landwirtschaft mit Lügen und Bio-Propaganda in den Dreck zu ziehen soll also Kindern etwas nützen?“) haben alle mehr oder weniger die gleiche Diktion.

Monika Osberghaus, als Verlegerin eigentlich Kritik und Gegenwind gewöhnt, steht diesem Treiben einigermaßen fassungslos gegenüber. Sie fragt sich aber, wie prekär die Lage der Landwirte sein müsse, dass sie auf ein Kinderbuch derart aggressiv reagierten.

Die Verlegerin räumt ein, dass die umstrittene Darstellung nicht mehr dem Stand der Dinge entspreche; sie wird die Seite in der nächsten Auflage überarbeiten lassen. Und sie hat schon ein neues Projekt im Kopf: ein Buch über die Landwirtschaft, wie sie in all ihren Facetten wirklich ist. Einer der Berater wird ein konventioneller Landwirt sein, der sich kritisch, aber sachlich mit „Alles lecker“ auseinander gesetzt hat.




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