Stress, Hektik und ein Glas Alkohol zu viel: An den Feiertagen ist in den Notaufnahmen der Rems-Murr-Kliniken oft mehr los als gedacht. Ein Blick auf typische Gründe.

Rems-Murr: Chris Lederer (cl)

Von wegen stille Nacht: Die Tage rund um Weihnachten und den Jahreswechsel gelten zwar als ruhig und besinnlich. In den Notaufnahmen der Rems-Murr-Klinken zeigt sich allerdings jedes Jahr ein anderes Bild. Nicht spektakuläre Unglücke, sondern viele kleine Unachtsamkeiten sorgen dafür, dass aus Feststimmung plötzlich ein Klinikbesuch wird.

 

Vor allem an Heiligabend stehen viele Menschen unter Zeitdruck. Noch schnell Geschenke einkaufen, die Wohnung dekorieren, alles vorbereiten – in dieser Hektik steigt das Unfallrisiko, sagt Christine Felsinger, Sprecherin der Rems-Murr-Kliniken. Das muss nicht sein. Denn oft reiche schon ein Moment weniger Eile, um Verletzungen zu vermeiden. Nicht alles müsse perfekt sein, damit die Feiertage gelingen.

Knopfzellen sind lebensgefährlich, wenn man sie verschluckt. Foto: Chris Lederer

Besonders gefährdet sind Kinder. Schnitte durch zerbrochene Christbaumkugeln, verschluckte Kleinteile oder Fremdkörper in Nase und Mund führen immer wieder zu Verletzungen, die rasch medizinisch behandelt werden müssen. Vor allem Kleinkinder zwischen etwa sechs Monaten und vier Jahren stecken sich gern Gegenstände in den Mund. Besonders gefährlich sind Knopfbatterien, die in vielen elektrischen Spielzeugen verbaut sind. Werden sie verschluckt, kann es innerhalb kurzer Zeit zu schweren inneren Verletzungen kommen – ein medizinischer Notfall, der sofort abgeklärt werden muss.

Die Küche als Herd für Unfälle

Ein weiterer Schwerpunkt der Feiertage ist die Küche. Schnittverletzungen und Verbrennungen gehören hier zu den häufigsten Ursachen für Behandlungen. Beim Griff ins Spülwasser landet die Hand schnell an einem scharfen Messer, ein Glas zerbricht, oder Topf und Pfanne kippen vom Herd, weil man in der Eile am Griff hängenbleibt. Gerade beim Kochen zeigt sich: Wer versucht, alles besonders schnell oder perfekt zu machen, riskiert Verletzungen.

Wenn das Festessen Probleme macht

Auch das üppige Essen selbst kann an den Feiertagen zum Problem werden. Vor allem sehr fettreiche Mahlzeiten belasten den Körper stark. Manche Menschen reagieren darauf mit Gallenkoliken und werden zum Fall für die Notaufnahme, mitunter sogar für einen operativen Eingriff, berichtet Felsinger. Immer wieder kommen zudem Patienten in die Kliniken, die Geflügelknochen oder Fischgräten verschluckt haben.

Als ungewöhnlicher, aber medizinisch bekannter Notfall tauchen in den Kliniken mitunter auch Patienten auf, die nach übermäßigem Orangenkonsum Beschwerden entwickeln. Betroffen sind vor allem Menschen mit bereits bestehenden Verwachsungen oder Engstellen im Darm, bei denen sich die Häute der Orangenspalten zu Knäueln zusammenballen können.

Silvester: Alkohol statt Böller

Mit dem Jahreswechsel verändert sich das Bild etwas. Typisch sind dann vor allem Menschen, die zu viel Alkohol getrunken haben. In diesem Zustand steigt das Risiko für Stürze, Unfälle oder verletzungsträchtige Auseinandersetzungen deutlich. Verletzungen durch Böller oder Raketen sehen die Teams der Notaufnahmen vergleichsweise selten – auch, weil immer wieder zu einem vorsichtigen Umgang appelliert wird.

Unabhängig davon spielt auch das winterliche Wetter eine Rolle. Schnee und Glätte erhöhen das Risiko für Stürze, nicht selten mit Knochenbrüchen, die in der Notaufnahme versorgt werden müssen.

112 oder 116 117 – wohin im Ernstfall?

Bei gesundheitlichen Problemen ist grundsätzlich der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Er kennt die Krankengeschichte und kann einschätzen, ob eine Behandlung in der Klinik notwendig ist. Außerhalb der regulären Sprechzeiten steht die kassenärztliche Notfallpraxis im Rems-Murr-Klinikum Winnenden an Heiligabend sowie an beiden Weihnachtsfeiertagen jeweils von 8 bis 22 Uhr zur Verfügung. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist außerdem unter der Nummer 116 117 erreichbar, auch für Hausbesuche. Ergänzend gibt es über das Angebot „DocDirect“ der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg eine digitale medizinische Ersteinschätzung, teils per Telemedizin, empfiehlt die Klinik-Sprecherin.

Die Notaufnahmen der Rems-Murr-Kliniken in Winnenden und Schorndorf sind an allen Tagen rund um die Uhr geöffnet. Wer dort Hilfe sucht, sollte Personalausweis, Versichertenkarte sowie – falls vorhanden – ärztliche Unterlagen wie Arztbriefe, Notfall- oder Allergiepässe und Medikamentenpläne mitbringen.

In akuten, lebensbedrohlichen Situationen ist sofort der Rettungsdienst unter 112 zu alarmieren. Dazu zählen unter anderem schwere Unfälle, ausgeprägte Atemnot, anhaltende starke Brustschmerzen, Lähmungserscheinungen, Bewusstseinsstörungen oder massive Blutungen. Auch plötzlicher Sehverlust oder sehr hohes, über Tage anhaltendes Fieber gelten als Warnzeichen.

Gelassenheit als bester Unfallschutz

Am Ende bleibt ein einfacher Rat: Ruhe, Achtsamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme sind der beste Schutz vor Unfällen und stressbedingten Erkrankungen – und Gelassenheit.

„Ein wenig Geduld hilft gerade an den Feiertagen allen Beteiligten“, sagt Christine Felsinger, Sprecherin der Rems-Murr-Kliniken. Die Notaufnahmen seien rund um die Uhr einsatzbereit, auch wenn es wegen geschlossener Praxen voller werden könne.