Sicherheit an Bahnhöfen Polizei warnt vor Gefahren an Bahngleisen

Die Bundespolizei rät, immer Sicherheitsabstand zur Bahnsteigkante zu halten. Foto: dpa
Die Bundespolizei rät, immer Sicherheitsabstand zur Bahnsteigkante zu halten. Foto: dpa

Nach zwei Zwischenfällen gibt die Bundespolizei Tipps, wie man Gefahren auf Bahnhöfen vermeiden kann. Oft werden einfahrende Züge zu spät wahrgenommen oder der Abstand zur Bahnsteigkante ist zu gering.

Lokales: Christine Bilger (ceb)
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Stuttgart - An Bahnhöfen ist es streng verboten, Gleise zu betreten. Wer es dennoch tut, der begeht einen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr. Aktuell untersucht die Staatsanwaltschaft Stuttgart zwei Fälle wegen dieses Tatbestands, in einem ist davon auszugehen ist, dass der Mann absichtlich auf die Gleise getreten ist.

In den zurückliegenden Tagen haben zwei Zwischenfälle Aufsehen erregt: Der Sturz eines Mannes auf die S-Bahn-Gleise in der Haltestelle Feuersee am Freitag, 7. November, und der Fall eines Mannes, der am vergangenen Wochenende in Ludwigsburg über die Gleise ging und dabei von einer Bahn gestreift wurde. Beide kamen glimpflich davon und erlitten nur leichte Verletzungen. Der 25-Jährige, der am Feuersee auf die Gleise fiel, hatte einen Blutalkoholwert von zwei Promille. Der 33-Jährige in Ludwigsburg hatte Alkohol getrunken und stand laut der Bundespolizei darüber hinaus unter Drogeneinfluss.

Züge haben lange Bremswege

Die Bundespolizei warnt im Zusammenhang mit diesen beiden Unfällen eindringlich davor, das Verbot zu umgehen und die Gleise zu betreten – zum eigenen Schutz. „Ein Zug, der 100 Stundenkilometer schnell ist, hat einen Bremsweg von bis zu 1000 Meter“, erläutert Jonas Große, der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Stuttgart. Auch den weißen Strich an der Bahnsteigkante, der den Mindestabstand anzeigt, solle man nicht überschreiten, bevor ein Zug stillsteht. Vor allem bei schnell vorbeifahrenden Zügen könne eine starke Sogwirkung entstehen. „Man hört Züge deutlich später, als man meinen würde. Vor allem im Winter, wenn Schnee liegt, der den Schall dämmt“, sagt Große. Die Präventionsbeamten der Bundespolizei machen mit Passanten oft einen Test, der das eindrucksvoll belegt: Sie bitten die Teilnehmer, sich mit dem Rücken zur Bahnsteigkante – sicher hinter der weißen Linie – hinzustellen und darauf zu achten, wann sie den Zug hören. „Wenn sie sich dann umdrehen, erschrecken alle, wie nah der Zug schon ist“, gibt der Polizeisprecher die Erfahrungen seiner Kollegen wieder.

In Ulm ist im Juni ein Unfall geschehen, weil eine 65-jährige Frau zu nahe an der Bahnsteigkante stand, als ein ICE einfuhr. Sie wollte Verwandte abholen und fiel vor der einfahrenden Bahn auf die Gleise. Die Frau wurde überrollt und verlor einen Fuß. In Wendlingen hat im März ein junger Mann schwerste Verletzungen erlitten, weil er sich betrunken an eine anfahrende S-Bahn gelehnt hatte. Er stürzte und geriet zwischen Bahn und Bahnsteig. Sein Arm wurde ihm fast vollständig abgetrennt. Alkohol ist bei Unfällen und Beinahe-Unfällen rund um den Cannstatter Wasen oft im Spiel. So bei einem Mann, der im Oktober meinte, er würde seine S-Bahn nicht mehr erreichen. Er begab sich in Lebensgefahr, als er unter einer wartenden S-Bahn durchkroch. Auch wenn Züge stillstehen, sind Bahngleise gefährlich. Vergangenen Sommer kam in Vaihingen eine Schülerin ums Leben, weil sie auf einen abgestellten Zug stieg. Sie kam der Oberleitung zu nahe und erlitt einen tödlichen Stromschlag.




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