Die letzten Abstimmungen mit dem Landesdatenschutzbeauftragten laufen, damit während der Europameisterschaft mehr Videokameras laufen dürfen, als es in der Stadt schon gibt. Das hat der Stuttgarter Polizeipräsident Markus Eisenbraun am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz aller für die Sicherheit zuständigen Organisationen angekündigt. Die 15 Videokameras sollen Livebilder ins Polizeipräsidium liefern, damit Einsatzkräfte im Notfall schnell zur Stelle sein können, wenn Gefahr dräut.
Auch wenn bei einzelnen Punkten des Sicherheitskonzeptes noch kleine Details offen sind: der Innenminister Thomas Strobl (CDU), der Oberbürgermeister der Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU), der Polizeipräsident Markus Eisenbraun, der Präsident der Bundespolizeidirektion Carsten Laube, der Feuerwehrchef Georg Belge und der Vizepräsident des DRK, Johannes Wagner, sind sich 17 Tage vor Start des Turniers einig gewesen: Es kann losgehen. Auch wenn bei der gemeinsamen PK zur Mammutaufgabe Sicherheit immer wieder der Satz fiel, „100 Prozent Sicherheit kann es nicht geben“, strahlte die Expertenrunde große Zuversicht aus angesichts der „Mega-Herausforderung“, wie der Innenminister sagte.
Ein paar Unwägbarkeiten bleiben. Etwa die beiden Hochrisikospiele, die in der Landeshauptstadt ausgetragen werden – wohlgemerkt zwei von vier derart eingestuften Partien der Vorrunde. Zum einen ist das Deutschland gegen Ungarn, zum anderen Schottland gegen Ungarn – wobei auch immer der Schutz der Staatsgäste mitzudenken sei. Auf der Straße könnte es ungemütlich werden. Gruppierungen wie die als extremistisch und gewaltbereit eingestufte „Carpathian Brigade“ aus Ungarn könnten versuchen, es auf ein Kräftemessen mit deutschen gewaltbereiten Hooligans anzulegen. Aus diesem Grund werde man die geplanten Fanmärsche zum Stadion „streng getrennt voneinander“ leiten, so Eisenbraun. Angesichts der Topografie kein leichtes Unterfangen. Im Vorfeld würden Bundes- und Landespolizei aufklären, was zu erwarten sein könnte: Szenekundige Beamte tauschen sich mit den Fachleuten der anderen Nationalverbände aus.
Temporär aufgestellte mobile Sperren zusätzlich zu den vorhandenen Pollern
Neben dieser Fußball-typischen Begleiterscheinung gewaltbereiter Fans spielt die weltpolitische Lage eine große Rolle: „Eine abstrakt hohe Gefährdungslage“ bestehe, so der Innenminister. Denn es seien weitere Konflikte hinzugekommen, der Krieg in der Ukraine und der sich zuspitzende Nahost-Konflikt. „Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Sicherheitslage bei uns.“ Mögliche Anschläge mit Fahrzeugen sollen neben den bereits fest eingebauten Durchfahrsperren mit weiteren, temporär aufgestellten mobilen Sperren verhindert werden.
Einzeltäter mit Messern oder ähnlichen kleinen Waffen seien schwierig ausfindig zu machen, um sie zu stoppen. Hier verwies der Polizeipräsident Markus Eisenbraun auf den Zwischenfall mit einem Mann mit einer Machete auf dem Cannstatter Wasen vor Kurzem. Weil der Mann frühzeitig durch die Videobeobachtung entdeckt worden sei, habe man schnell eingreifen und ihn fassen können.
Polizei werde auch da unterwegs sein, wo man sie nicht sofort erkenne: Landes- und Bundespolizei wollen auch Kräfte in Zivil einsetzen. Der Bundespolizeichef Carsten Laube kündigte an, dass unter anderem Super-Recogniser ohne Uniform unterwegs sein würden und Beamte, die einen Fokus auf mögliche Taschendiebe haben.