Und das Online-Kennenlernen scheint für viele zu funktionieren. Nach dem Verkuppeln über Freunde, stehen die Dating-Apps auf Platz 2, wenn es um die Frage geht, wo man den oder die Partner:in kennengelernt hat.
Doch spätestens nach dem Dokumentarfilm „Der Tinder-Schwindler“, in dem es um einen Hochstapler geht, der mehrere Frauen über Tinder belogen und betrogen hat, wissen wir: Beim Online-Dating ist Vorsicht geboten!
Wir haben mit Silke Grasmann und Leonie Schollän von der Aktion Jugendschutz über das Thema Sicherheit beim Onlinedating gesprochen. Silke Grasmann ist Fachreferentin für Sexualpädagogik und Prävention von sexualisierter Gewalt. Leonie Schollän arbeitet als Fachreferentin für Jugendmedienschutz, Medienpädagogik und Gewaltprävention.
Müssen meine Angaben, wie das Profilbild und mein Alter, in meinem Datingprofil wahr sein?
Leonie Schollän: Jede Plattform hat eigene AGBs, das ist wie eine Art Hausordnung. Ich rate dazu, dass man sich diese am Anfang durchliest. Dort steht teilweise drin, dass alle Angaben wahr sein müssen. Dann darf man beim Alter und Co. auch nicht schwindeln.
Aus medienpädagogischer Sicht würde ich aber dazu raten, nicht alles preiszugeben. Anstatt zu lügen, kann man aber auch das eine oder andere Feld freilassen. Klarname, Geburtsdatum, Wohnort, E-Mail-Adresse und Handynummer sind zum Beispiel Daten, die ich nicht öffentlich machen würde. Man sollte sich immer die Möglichkeit erhalten, einen Kontakt wieder abzubrechen, ohne dass der andere einen zum Beispiel über die Adresse auffinden kann.
Und wie erkenne ich bei anderen Fakeprofile oder falsche Angaben?
Silke Grasmann: Die Technik ist mittlerweile so fortgeschritten, dass ich Fakeprofile im schlimmsten Fall gar nicht mehr erkennen kann. Bei Fotos kann man diese zum Beispiel durch die „Google Bilder Rückwärtssuche“ jagen und schauen, ob es sich um ein echtes Profilbild oder zum Beispiel um ein Foto aus einer Werbeanzeige handelt. Am besten schaut man sich das Bild auch mal im Vollbildmodus an, um Ungenauigkeiten, zum Beispiel Schatten, zu erkennen.
Leonie Schollän: Hellhörig solltest du auch werden, wenn dir jemand ganz viele Fragen stellt aber selbst kaum Antworten gibt. Oder auch wenn sofort auf einen anderen Kommunikationskanal gewechselt werden soll, wofür du zum Beispiel deine Telefonnummer herausgeben sollst. Das können Anzeichen für unehrliche Absichten sein. Du kannst auch Fangfragen stellen - passen Aussagen und Verhalten zusammen? Letztendlich muss einem aber klar sein, dass man sich beim Onlinedating nie sicher sein kann. Man weiß nie genau, wer da hinter dem Bildschirm sitzt.
Und worauf sollte man beim Sexting achten?
Silke Grasmann: Zunächst einmal ist Sexting sehr beliebt. Es ist gewissermaßen eine moderne Form, sich Liebesbriefe zu schreiben. Sexting kann beispielsweise bei einer Fernbeziehung helfen, in Verbindung zu bleiben und ist Teil einer selbstbestimmten Sexualität.
Eines ist aber wichtig: Das Internet vergisst nie. Sobald du ein Nacktfoto an jemand anderen schickst, gibst du ein Stück Kontrolle auf. Daher frage dich unbedingt: Hat diese Person dieses Vertrauen verdient? Da man sich nie ganz sicher sein kann und zum Beispiel bei einer Trennung im Streit durch Verletzung Rachegedanken aufkommen können und Übersprungshandlungen passieren, solltest du beim Sexting ein paar Regeln beachten:
1. Es ist verboten, anderen ungefragt Nacktfotos zu schicken. Einfach so ein Dickpic zu versenden, ist eine Straftat. Daher immer nachfragen, ob der andere dieses Bild möchte.
2. Die Fotos sollten nicht zu eindeutig sein beziehungsweise man sollte anhand des Bildes nicht darauf zurückschließen können, dass es sich um dich handelt. Es sollten zum Beispiel keine Tattoos oder Muttermale erkenntlich sein.
3. Sexting muss immer aus dem Konsens heraus passieren. Beide sollten sich vertrauen und es sollte kein sozialer Druck aufgebaut werden.
4. Wenn sich beide ein Foto schicken, hat jeder etwas in der Hand.
5. Nach dem Anschauen macht es Sinn, dass beide die Bilder wieder löschen. So kann später nicht aus dem Effekt heraus etwas Blödes mit dem Bild gemacht werden – zum Beispiel nach einer Trennung.
Und wie verhalte ich mich, wenn ich mich von einer Internetbekanntschaft online belästigt fühle?
Silke Grasmann: Zunächst solltest du der Person sagen, dass du dich belästigt fühlst. Ein klares Nein ist hier wichtig. Ändert sich nichts, stoppst du den Kontakt, indem du die Person blockierst und sie beim Anbieter meldest. Das ist bei den meisten Dating-Apps mit nur wenigen Klicks möglich. Als nächstes vertraue dich jemandem an. Das kann jemand aus dem Freundeskreis oder der Familie sein, es gibt aber auch tolle Online-Beratungsstellen*, an die du dich wenden kannst. Über eine unangenehme Situation oder Belästigung zu sprechen, hilft schon mal. Du kannst dich jederzeit auch anonym bei der Polizei beraten lassen und dann entscheiden, ob du zum Beispiel Anzeige erstatten willst.
Leonie Schollän: Ganz wichtig ist: Du musst dir nichts gefallen lassen!
Was sollte ich beim ersten Treffen mit einer Internetbekanntschaft beachten?
Leonie Schollän: Du solltest dir einen belebten Ort für das erste Treffen aussuchen. Und wer sagt, dass das erste Treffen zu zweit stattfinden muss? Du könntest dein Date auch zu einer Party oder einem Festival-Besuch mit Freunden einladen. Wenn du dich doch alleine triffst, ist es wichtig, jemandem Bescheid zu sagen, dass du verabredet bist. Entweder du sagst deinen Freunden den Ort und die Uhrzeit oder schickst ihnen sogar deinen Live-Standort, dann wissen sie immer wo du bist. Grundsätzlich gilt sowohl beim Onlinedating als auch beim Kennenlernen im Real Life: Höre immer auf dein eigenes Bauchgefühl, es ist ein guter Ratgeber!
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Hilfe
Du hast ungefragt ein Dickpic bekommen? Das kannst du unter https://dickstinction.com/ melden.
Kinderschutz-Zentrum Stuttgart: Tel.: 0711/23 89 00, www.kisz-stuttgart.de, Mail: info@kisz-stuttgart.de
Kobra Stuttgart: Tel.: 0711/16 29 70, www.kobra-ev.de, Mail: beratungsstelle@kobra-ev.de
Verein zur Förderung von Jugendlichen: Tel.: 0711/5 53 26 47, www.verein-jugendliche.de, Mail: info@verein-jugendliche.de
RUF und RAT, Psychologische Beratungsstelle: Tel.: 0711/ 226 20 55, www.ruf-und-rat.de, Mail: beratungsstelle@ruf-und-rat.de
Wildwasser Stuttgart: Tel.: 0711/85 70 68, www.wildwasser-stuttgart.de, Mail: info@wildwasser-stuttgart.de