Sicherheit im Internet Software schaut Kindern auf die Finger

Das Netz vergisst nichts. Der Anbieter Secure.me hilft Eltern, Bewerbern und KLeinunternehmern bei der Suche nach unliebsamen Informationen. Foto: dpa
Das Netz vergisst nichts. Der Anbieter Secure.me hilft Eltern, Bewerbern und KLeinunternehmern bei der Suche nach unliebsamen Informationen. Foto: dpa

Das deutsche Start-up Secure.me versucht sich in einer neuen Branche, dem Reputationsmanagement: Es achtet auf den Ruf der Kunden im Netz.

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München - Die Internetwirtschaft ist keine deutsche Domäne. Einen Aufsteiger von globaler Bedeutung wie die US-Suchmaschine Google sucht man hierzulande vergebens. Aber die schnelllebige Branche bietet Chancen. Mario Grobholz ist jedenfalls ambitioniert. "In zwölf bis 18 Monaten wollen wir Weltmarktführer im Reputationsmanagement sein", sagt der Gründer der Münchner Internetfirma Myon-ID Media. Wenn man sich aber vornehme, gleich ein deutsches Google zu werden, dann gehe das eher schief.

Seine Geschäftsidee ist erklärungsbedürftig. Zur Internetsicherheit sei heute nicht nur Virenschutz für Computer ein Muss, sondern auch der Schutz der Privatsphäre, sagt der Jungunternehmer. Dem hat er sich mit einer vor zwei Jahren eingeführten Dienstleistung namens Ruflotse verschrieben. Wer den Dienst bestellt, beauftragt Myon-ID Media, das Internet und Facebook als wichtigstes soziales Netzwerk nach dem eigenen Namen oder einem anderen Suchbegriff zu durchforsten.

Dienst in der Basisversion kostenlos

Denn das Netz vergisst nichts, und nicht alles, was über eine Person dort zu finden ist, wurde auch von ihr eingestellt. Nachgefragt wird der Dienst von Jobsuchenden, Kleinunternehmern und in zunehmendem Maße von Eltern, die wissen wollen, was ihr Nachwuchs bei Facebook oder anderswo im Netz treibt. "Wir helfen den Eltern aber nicht, in den Account ihrer Kinder einzubrechen", stellt Grobholz klar.

50.000 Kunden habe man im deutschsprachigen Raum binnen zwei Jahren angeworben, die monatlich zwischen 2,90 Euro (Privatpersonen) und 24,90 Euro (Firmenkunden) bezahlen. Nun soll eine neue Ära beginnen und als erstes sichtbares Zeichen ist Ruflotse in Secure.me umbenannt worden. Zudem wurde eine Filiale in San Francisco gegründet. Der Dienst ist nun in einer Basisversion kostenlos und in zehn Sprachen weltweit verfügbar.

In zwei Jahren soll Secure.me ein bekannter Markenname sein, Millionen von Kunden haben und zum Weltmarktführer im Management von Internetreputation aufsteigen - so der Plan von Grobholz. Vor allem in den USA sei die Nachfrage riesig, sagt er. Technologisch sei man der Konkurrenz wie Reputation.com voraus. Deren Dienste sind teuerer, mit Monatsgebühren von 150 Euro an, weil dort vor allem Menschen hinter der Intersuche stehen.

"Wir wissen, wo sich Daten im Netz verstecken"

Grobholz und Kompagnon Christian Sigl haben eine Suchsoftware erfunden, die automatisiert ohne großen Personalaufwand arbeitet. Die Premiumversion von Secure.me kostet fünf Euro monatlich. Sie sucht nach drei Namen oder Suchbegriffen gleichzeitig und fahndet auch per Gesichtserkennung nach Personenfotos. 80 Prozent Trefferquote reklamiert Grobholz für seinen Dienst.

Vor allem von Dritten ins Internet eingestellte Fotos können für Betroffene manch böse Überraschung bergen. Wo es mit den heute im einstelligen Millionenbereich liegenden Umsätzen hingehen könnte, wenn die globalen Wachstumspläne aufgehen, mag der Internetpionier aus Deutschland nicht abschätzen. Sein Unternehmen sei aber schon jetzt profitabel, versichert er.

Grobholz setzt auf die Bequemlichkeit der Menschen. Im Prinzip könne jeder per Google selbst auf Fahndung gehen. Aber das ist zeitaufwendig und Secure.me finde auch mehr. "Wir wissen, wo sich Daten im Netz verstecken", sagt er. Und speziell verantwortungsvolle Eltern kommen aus Sicht des Jungunternehmers nicht mehr darum herum, ihrem Nachwuchs und deren Freundesnetzwerk im Internet auf die Finger zu schauen - oder schauen zu lassen.

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