Sicherheit in der Polizeisiedlung Anwohner sehen im Zaun nur eine „halb gare Lösung“

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Nach langem Ringen werden in der Polizeisiedlung zwischen Stuttgart-Süd und Kaltental Zäune zwischen den Wohnhäusern und den Stadtbahngleisen angebracht. Die Bewohner hatten sich allerdings mehr davon versprochen.

Im Frühjahr soll das Geländer an den Gleisen entlang der Polizeisiedlung durch einen Gitterzaun ersetzt werden. Foto: Sandra Hintermayr
Im Frühjahr soll das Geländer an den Gleisen entlang der Polizeisiedlung durch einen Gitterzaun ersetzt werden. Foto: Sandra Hintermayr

Kaltental - Im Frühjahr soll umgesetzt werden, worauf die Anwohner seit Jahren warten: Ein stabiler Zaun soll zwischen der schmalen Straße, an der ihre Häuser stehen, und den Gleisen der Stadtbahn errichtet werden. Er soll die Sicherheit der Bewohner der Polizeisiedlung und insbesondere ihrer Kinder erhöhen. Denn bisher ist im Bereich der Siedlung nur ein Geländer, unter dessen Querstangen ein kleines Kind problemlos durchschlüpfen kann. Teilweise fehlt eine Abschrankung komplett.

Der neue Zaun wird mindestens 1,40 Meter hoch, sagt Jürgen Mutz, Leiter der Bauabteilung Mitte/Nord im städtischen Tiefbauamt. „Es ist ein stabiler, vollflächiger Gitterzaun, kein Maschendrahtzaun“, sagt er. Ähnliche Modelle finde man beispielsweise bei Garten- und Grundstücksumzäunungen.

Anwohner wollten eigentlich eine Verlegung der Gleise

„Wir freuen uns natürlich, dass endlich etwas passiert“, sagt Vera Marquez, die in der Siedlung wohnt und für einen Großteil der Familien spricht. Es gebe aber auch Nachbarn, die den Zaun gar nicht haben wollen, sagt Marquez. „Da gibt es Unstimmigkeiten zwischen den Bewohnern.“

Die junge Mutter bezeichnet den Zaun dennoch als „halb gare Lösung“. Zum einen, weil die Anwohner eigentlich auf eine Verlegung der Gleise in Richtung der Fahrbahn der Böblinger Straße gedrängt hatten. Das hätte ihnen vor ihren Grundstücken mehr Raum und in Verbindung mit einer stabilen Abschrankung auch mehr Sicherheit verschafft. Mit dem Zaunbau ist die Gleisverlegung wohl endgültig vom Tisch. Zum anderen, weil nach Ansicht einiger Bewohner der Zaun nun erst einmal an der falschen Stelle umgesetzt werde. „Unsere Priorität wären die Bereiche von beiden Seiten der Siedlung zu den Haltestellen Waldeck und Vogelrain gewesen. Da hätte man den Zaun durchgängig schließen können.“

Auch Sicherheit der Gleisarbeiter muss gewährleistet sein

Denn vor den Häusern geht das nicht. Da der Weg so schmal ist, braucht der Zaun Lücken im Bereich einiger Grundstückseinfahrten, damit die Anwohner mit ihren Autos rangieren können. Diese Lücken, sagt Marquez, wird auch der neue, stabile Zaun haben. „Die Kinder könnten da nach wie vor durchschlüpfen“, sagt sie. Dennoch: Der geplante Zaun sei besser als das bisherige Geländer mit lediglich zwei Querstangen. Das sieht auch das Tiefbauamt so. „Dort, wo der Zaun aufgestellt wird, erhöht sich die Sicherheit der Anwohner“, sagt Mutz.

Das Tiefbauamt möchte zunächst Erfahrungen mit der Lösung sammeln, bevor die Abschrankung dann auch bis zu den Haltestellen Waldeck und Vogelrain verlängert wird. „Das ist der erste Zaun dieser Art an Gleisen im Stadtgebiet“, sagt Mutz. Die Planung und Umsetzung sei schwierig gewesen, denn es galt, viele Dinge zu berücksichtigen. „Es geht nicht nur um die Sicherheit der Anwohner, sondern auch um die Sicherheit der Arbeiter, die im Gleisbett tätig sind.“ Diese müssen, erklärt der Abteilungsleiter, schnell von den Gleisen kommen können, wenn sich eine Bahn nähert. „Der Zaun hat deswegen in regelmäßigen Abständen Tore eingebaut, die von den Schienen aus geöffnet werden können, nicht aber vom Weg aus“, erklärt Mutz. So können sich die Gleisarbeiter bei Bedarf hinter dem Zaun in Sicherheit bringen.

Die Bewohner frustriert das lange Ringen

Bereits vor vier Jahren haben die Anwohner versucht, eine sichere Abschrankung zu bekommen. „Zu Beginn waren wir voller Elan, drängten auf eine Veränderung“, sagt Marquez. Inzwischen herrschten Frustration und Resignation vor. „Man fragt sich schon, ob der Einsatz von uns Bürgern überhaupt etwas bewirken kann.“ Vor zwei Jahren hätten die Bewohner zum ersten Mal Infos zu einem möglichen Zaunbau bekommen. „Dann war lange nichts. Vor einem Jahr haben wir das Thema noch einmal im Bezirksbeirat angesprochen“, sagt Marquez. Danach sei es wieder lange still gewesen, bis das Tiefbauamt die Anwohner in der vergangenen Woche über die geplanten Bau im Frühjahr informierte. Die Anwohner bleiben dennoch skeptisch: „Dass der Zaun nun umgesetzt werden soll, glauben wir erst, wenn wir es sehen“, sagt Marquez.

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