Seit kurzem ist der Mittelsteg auf dem Solitudeplatz bei Nacht beleuchtet. Die Mauerstücke sollen noch gekürzt werden. Foto: Julian Meier
Ludwigsburgs OB Matthias Knecht spricht mit Anwohnern über die Situation auf dem Solitudeplatz. Einige verlangen, dass die Bänke auf dem sogenannten Problemplatz abmontiert werden.
Damit hatte weder Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht noch die versammelten Teilnehmer des Vor-Ort-Termins gerechnet: Gerade als Polizeivertreter Thomas Reimold darüber spricht, wie die neue Beleuchtung die Sicherheit auf dem Solitudeplatz verbessern soll, schleicht sich ein Mann in den Kreis, der sich dort gebildet hat.
„Sekunde!“, ruft er in gebrochenem Deutsch, torkelt ein wenig hin und her. „Dubiose Dinge passieren hier. Das müssen Sie doch wissen, Sie sind doch der Boss hier“, lallt er in Richtung Reimold und spuckt auf den Boden. OB Knecht versucht, ihn zu unterbrechen, doch er dringt mit seinen Zwischenrufen nicht durch.
Der offensichtlich betrunkene Mann war nicht von den Anwohnern bestellt worden, um dem OB nochmal die Probleme auf dem Solitudeplatz zu veranschaulichen. Und doch stand der Auftritt symbolhaft dafür, was sie beklagen. Die Sicherheit auf dem Solitudeplatz bleibt ein heiß diskutiertes Thema, das wurde beim Gespräch des OB mit den Anwohnern einmal mehr deutlich. Doch die Maßnahmen, die die Stadt mittlerweile ergriffen hat, überzeugen sie nicht vollkommen.
Sitzbänke könnten bald abgebaut werden
„Uns ist wichtig, dass wir das Sicherheitsgefühl rund um den Platz erhöhen“, sagt Knecht. Dazu wurde die Beleuchtung an vielen Stellen ausgetauscht, neu sind die Leuchten im Mittelsteg neben den Sitzbänken. Eine Anwohnerin sieht das kritisch: „Die Gruppen sind auch vormittags schon da. Jetzt haben sie abends bloß besseres Licht.“ OB Knecht widerspricht: „Überall entstehen Angsträume durch fehlendes Licht.“
Ein Anwohner empfindet die neue Beleuchtung dagegen als „zu wenig“. „Es ist ein Anfang. Aber die Bänke sind immer noch sehr einladend“, sagt er. Eine Umfrage unter den Teilnehmern ergibt ein klares Meinungsbild: Die Sitzbänke sollen testweise weg. Nur einer ist dagegen, der befürchtet, dass sich die Gruppen dadurch auf die Treppen vor seinem Haus verlagern würden.
Die Fahrradboxen sind entfernt worden. Das soll die Einsehbarkeit des Solitudeplatzes erhöhen. Foto: Julian Meier
Die Bepflanzung im Mittelsteg wurde bereits zurückgeschnitten, um die Einsehbarkeit zu erhöhen. Demnächst sollen auch noch die Mauerstücke gekürzt werden, damit „keine Überraschungsmomente“ entstehen können, wie Knecht erklärt. Auf große Zustimmung stößt bei den Anwohnern derweil die erhöhte Polizeipräsenz.
Auch das Thema Videoüberwachung ist noch nicht vom Tisch. OB Knecht kann sich vorstellen, eine entsprechende Anweisung zu geben, damit bald Kameras installiert werden. „Wir prüfen es, aber es hat rechtlich hohe Hürden und ist auf dem ganzen Platz nicht möglich.“ Wenn, dann könne man eine Videoüberwachung nur an ausgewählten Stellen austesten.
Standort für „Garten der Religionen“ wieder offen
Zur Sprache kam auch der geplante „Garten der Religionen“ als zentraler Ort für den Austausch zwischen den verschiedenen Konfessionen. „Der Garten der Religionen ist gesetzt. Das wollen wir in Ludwigsburg“, stellt Knecht klar. Im Dezember soll die Standortfrage im Gemeinderat endgültig geklärt werden. Nachdem der Solitudeplatz eigentlich schon als Ort feststand, rückt nun der Rathaushof als mögliche Alternative in den Mittelpunkt.
Insbesondere die FDP-Fraktion im Gemeinderat ist eine Befürworterin dieser Lösung – und auch Knecht zeigt sich am Donnerstagabend nicht abgeneigt. Er befürchtet, dass der Garten der Religionen auf dem Solitudeplatz mit Erwartungen aufgeladen wird, die er nicht erfüllen kann. „Wir bekommen auch durch den Garten der Religionen das Thema der sozialen Kontrolle nicht komplett in den Griff“, sagt er.
Während all das diskutiert wird, meldet sich der betrunkene Mann aus einigen Metern Entfernung immer wieder mit kruden Zwischenrufen zu Wort. Erst als Polizist Reimold ihn wegschickt, herrscht Ruhe. „Das empfinde ich auch nicht als angenehm“, räumt Knecht ein, der in seinen Ausführungen immer wieder unterbrochen wird. Doch Reimold gibt zu bedenken, dass man differenzieren müsse zwischen Personen wie dem betrunkenen Mann und echten Straftätern. „Wir müssen uns vergegenwärtigen: Es ist nicht alles verboten.“