Sicherheit in Ludwigsburg Ein Stern mehr für den Polizeichef

Christian Zacherle und Dimitri Malik (Zweiter und Dritter von links), Leitender Polizeidirektor Markus Geistler (links) und Polizeipräsident Burkhard Metzger. Foto: Polizeipräsidium Ludwigsburg
Christian Zacherle und Dimitri Malik (Zweiter und Dritter von links), Leitender Polizeidirektor Markus Geistler (links) und Polizeipräsident Burkhard Metzger. Foto: Polizeipräsidium Ludwigsburg

Christian Zacherle wird zum Polizeidirektor befördert und blickt auf sein erstes Jahr als Leiter des Ludwigsburger Polizeireviers zurück. Beschäftigt haben ihn vor allem eine kriminelle Jugendbande und der Akademiehof.

Ludwigsburg: Susanne Mathes (mat)
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Ludwigsburg - Ein Dreivierteljahr, nachdem er die Leitung des Ludwigsburger Polizeireviers übernommen hat, gab’s für Christian Zacherle ein „vorzeitiges Weihnachtsgeschenk“, wie er es selbst bezeichnet: Er ist zum Polizeidirektor ernannt worden – ebenso wie sein Kollege Dimitri Malik, der seit Anfang März Chef des Stabsbereichs Einsatz beim Führungs- und Einsatzstab des Polizeipräsidiums Ludwigsburg ist.

Was die öffentliche Wahrnehmung angeht, haben Zacherle in den neun Monaten seit seinem Dienstantritt in Ludwigsburg besonders der Akademiehof, das Sicherheitsgefühl rund um den Bahnhof und eine kriminelle Jugendbande beschäftigt, welcher die Polizei schließlich im Sommer das Handwerk legen konnte: Sie nahm bei einer groß angelegten Razzia, bei der 120 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz waren, insgesamt 15 Jugendliche aus der Stadt und umliegenden Kommunen fest und beschlagnahmten Waffen und haufenweise Beweismaterial.

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Die Heranwachsenden, teils erst 14 und 15 Jahre alt, hatten andere Jugendliche genötigt, bedroht, verletzt und ausgeraubt. „Bei den Handyauswertungen musste ich zum Teil wirklich schlucken“, sagt Zacherle. Einige der jungen Täter hätten sich als so unbelehrbar erwiesen, dass sie in eine Jugendstrafanstalt gekommen seien.

Nach dem Lockdown und dem Abflauen der dritten Coronawelle stand der Ludwigsburger Akademiehof im Brennpunkt: Zum Treffpunkt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen avanciert, geriet er wegen Ruhestörungen, Vermüllung, Alkoholexzessen und vereinzelter Gewalttätigkeiten immer wieder in die Schlagzeilen. Mitte Oktober erließen Stadt und Polizei ein Interims-Aufenthaltsverbot – viele, die harmlos feiern wollten, mussten nun ausbaden, dass wenige keine Rücksicht nahmen. „Da müsste auch mal die Mehrheit aus der Gruppe heraus zeigen, dass sie das Verhalten dieser Einzelnen nicht akzeptiert“, sagt Zacherle.

„Wir werfen uns nicht nur Wattebällchen zu“

Jetzt beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe „Sicherer Akademiehof“ mit der Frage, wie der Platz künftig ein konfliktfreier Aufenthaltsort werden kann, etwa, indem man ihn bespielt; „Ein schöner Ludwigsburger Treffpunkt, an dem verschiedene Menschen zusammenkommen“, so Zacherle, „Jugendliche, aber auch andere Generationen.“ Auch der Jugendgemeinderat und Studierendenvertreter seien in der Arbeitsgruppe. „Es ist ein guter Dialog, auch wenn wir uns nicht nur Wattebällchen zuwerfen. Die Interessenlagen sind teils durchaus unterschiedlich“, berichtet der Revierchef.

Bahnhof: Viel in der Diskussion, aber wenige Straftaten

Nach einem knappen Jahr in Ludwigsburg sagt Zacherle: „Vom Kriminalitätsaufkommen gesehen lebt man hier ziemlich sicher.“ Auch der Bahnhof sei zwar viel in der Diskussion, doch die gefühlte Unsicherheit entspreche nicht der realen Zahl der Straftaten.

Auch wenn Zacherle einen Stern mehr auf der Schulterklappe hat und vor allem mit Leitungsaufgaben beschäftigt ist: Ihm sei es wichtig, auch immer wieder bei Einsätzen dabei zu sein, sagt er. „Ich war selbst lange im mittleren Dienst, bin in der Motorradstaffel gewesen und Streife gefahren. Und die Kollegen wissen alle, dass ich das, was sie machen und erleben, auch mal gemacht und erlebt habe.“ Das sei der Akzeptanz zuträglich. Kürzlich stieß Zacherle ein anonymes Vorgesetztenfeedback unter seinen Mitarbeitern an. Es sei jetzt, nach der Anfangsphase, ein guter Zeitpunkt gewesen, findet er. Das Ergebnis war, um im Bild zu bleiben, eine Art weiteres vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.




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