Sicherheit in Rotenberg Auf Streife in den Weinbergen

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Gerade in den Sommermonaten gibt es für die Beamten vom Städtischen Vollzugsdienst auch in den Außenbezirken jede Menge zu tun.

Bernhard Clauß und Leo von Heyl arbeiten seit mehr als zehn Jahren für den Städtischen Vollzugsdienst. Foto: Horst Rudel
Bernhard Clauß und Leo von Heyl arbeiten seit mehr als zehn Jahren für den Städtischen Vollzugsdienst. Foto: Horst Rudel

Rotenberg/Uhlbach - Der erste Verkehrssünder lässt nicht lange auf sich warten. Es ist keine fünf Minuten her, dass Bernhard Clauß und Leo von Heyl ihr Fahrzeug am Straßenrand abgestellt haben, als der BMW-Combi von der Innsbrucker in die Tiroler Straße abbiegt. Ein beliebter Schleichweg zwischen Esslingen und den oberen Neckarvororten, der jedoch nur für landwirtschaftlichen Verkehr frei ist.

Der Fahrer des BMW-Combi scheint sich keiner Schuld bewusst. Obwohl er die beiden uniformierten Männer bereits von Weitem sieht, macht er keine Anstalten, sein Auto zu wenden. Er steuert selbstbewusst auf das Einsatzfahrzeug des Städtischen Vollzugsdienstes zu.

Als ihn Clauß und von Heyl anhalten, bekommen die beiden Beamten eine ausgefallene Erklärung zu hören. Der Mann behauptet nicht etwa, dass er im Weinberg arbeitet oder einen der angrenzenden Gärten bewirtschaftet. Er gibt frei heraus zu, dass er zu einer Party will, die auf einem der Grundstücke an der Tiroler Straße stattfindet. Im Unrecht sieht er sich jedoch nicht. Der BMW-Fahrer behauptet, dass an der Zufahrt zur Tiroler Straße nicht das Schild „Landwirtschaftlicher Verkehr frei“ steht, sondern „Anlieger frei“. Und er habe schließlich ein Anliegen.

„Wir fahren immer außen herum, nur heute nicht“

Eine Behauptung, die innerhalb weniger Minuten widerlegt ist. Während von Heyl beim Fahrzeug bleibt, macht sich Clauß auf den Weg, um die Aussage zu überprüfen. Der BMW-Fahrer hat sich getäuscht, die Beschilderung stimmt. Absicht oder Irrtum: er muss 15 Euro bezahlen und den Weg zur Party zu Fuß fortsetzen.

Beinahe im Minutentakt gehen den beiden Mitarbeitern des Städtischen Vollzugsdienstes jetzt die Verkehrssünder ins Netz. Im Gegensatz zum BMW-Fahrer haben die meisten anderen Autofahrer aber keine allzu kreativen Erklärungen parat. Von „Das habe ich nicht gewusst“ bis „Wir fahren immer außen herum, nur heute nicht“ bekommen die Ordnungshüter alles zu hören. Doch sie bleiben hart, Ausreden lassen die Beamten nicht gelten. „Man muss konsequent bleiben“, sagt von Heyl.

Das gilt nicht nur für die Verkehrssünder in der Tiroler Straße. Das Aufgabengebiet des Vollzugsdienstes ist breit. Und Clauß und von Heyl sind sich darüber bewusst, dass ihre Präsenz auch in den Außenbezirken deutlich öfter erforderlich wäre. Angesprochen auf die zunehmende Zahl illegaler Hütten auf dem Wangener Berg, geben die Beamten zu, dass sie die Eigentümer der einzelnen Parzellen oft gar nicht mehr kennen. Das war nicht immer so. Früher gab es pro Außenbezirk einen zuständigen Mitarbeiter, der tagtäglich in seinem Gebiet unterwegs war.

Heute liegt der Grillplatz Egelseer Heide auf ihrer Route

Früher, das war vor der Reform 1993. Damals wurde die Stellenzahl von 70 auf 53 reduziert. Gleichzeitig erweiterte sich der Aufgabenbereich der Beamten, die bis dato nur für die Außenbezirke zuständig waren, auf das gesamte Stadtgebiet. Heute zählt der Vollzugsdienst 58 Mitarbeiter. „Wir würden gerne mehr Fuß-Streife machen“, sagt Hans-Jörg Longin, der Sachgebietsleiter des Vollzugsdienstes. Das sei für das Sicherheitsgefühl der Bürger sehr wichtig. In den Außenbezirken wie den Neckarvororten seien jedoch häufig nur noch Schwerpunktaktionen möglich.

An diesem Samstag sind Clauß und von Heyl aber auf Streife in den Weinbergen rund um Uhlbach und Rotenberg. Das Sommerwetter hat nicht nur Wengerter und Gartenbesitzer, sondern auch viele Erholungssuchende ins Freie gelockt. Doch nicht alle halten sich an die Vorschriften. Nach mehr als zehn Jahren beim Vollzugsdienst wissen die Beamten, wo sie solche Kandidaten finden.

Heute liegt der Grillplatz Egelseer Heide auf ihrer Route. Dort haben Clauß und von Heyl schon einiges erlebt, von illegaler Müllentsorgung über freilaufende Kampfhunde bis hin zu Partys, die völlig außer Kontrolle geraten sind. Besucher, die ihr Auto nicht auf dem Parkplatz abstellen, sondern lieber direkt bis zum oder sogar auf den Grillplatz fahren, sind ebenfalls ein Problem. „Einzelne sind das nicht mehr“, sagt Clauß. Das Gras ist platt gedrückt, auf der Wiese hat sich eine Fahrrinne gebildet.

Auch heute erwischen sie einen Autofahrer auf frischer Tat. Der Mann hat seinen schwarzen VW-Golf mitten auf der Wiese abgestellt. „Ich will hier nicht parken, ich will hier nur ausladen“, verteidigt er sich. Aber auch das darf er nicht. Er hätte mit seinem Auto noch nicht einmal in die Straße, die zum Grillplatz führt, hineinfahren dürfen. Denn die ist nur für den landwirtschaftlichen Verkehr frei. Ein Bußgeld von rund 50 Euro wird ihn seine Bequemlichkeit kosten. Der Fahrer zeigt sich einsichtig.

Das ist nicht immer so. Einige versuchen zu fliehen, andere werden sogar aggressiv. Für den Ernstfall haben Clauß und von Heyl ihren Polizeihund Amigo dabei. Heute bekommt der belgische Schäferhund aber nichts zu tun, was vermutlich nicht nur am schönen Sommerwetter, sondern auch am freundlichen Auftreten seiner Herrchen liegt. Ein lockerer Spruch auf den Lippen nimmt so mancher unangenehmen Situation den Ernst.

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