Stuttgart-Süd Was die Kriminalstatistik über den Stadtbezirk verrätß

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Der Stadtbezirk ist ein recht sicheres Pflaster, sagt die Kriminalstatistik. Und die Leute im Süden empfinden das auch so.

Der  Müll nach Abi-Feiern auf der Karlshöhe ist berüchtigt. Foto: Max Kovalenko
Der Müll nach Abi-Feiern auf der Karlshöhe ist berüchtigt. Foto: Max Kovalenko

S-Süd - Die Zahl der Straftaten in der gesamten Stadt und auch im Bezirk Süd nehmen ab. Die häufigsten Straftaten im vergangenen Jahr waren Sachbeschädigungen inklusive Graffitis. Die Leute im Bezirk fühlen sich auch vergleichsweise sicher und legen sich weniger Vermeidungsstrategien zurecht als in anderen Stadtteilen. Im großen und ganzen gab die Kriminalitätsstatistik für den Süden, die der Leiter des zuständigen Polizeireviers 3, Rainer Weigl, im Bezirksbeirat präsentierte, keinen Anlass zu größerer Besorgnis. „Der Süden hat noch nicht das niedrige Niveau von Stuttgart West aber zeigt eine positive Tendenz.“ Trotzdem offenbart ein genauer Blick in die Zahlen manche interessante Erkenntnisse über den Stadtbezirk.

Cyberkriminalität ist im Kommen

Als erfreuliche Entwicklung bezeichnete Weigl, dass deutlich weniger eingebrochen wurde. 2016 wurde die Polizei im Süden zu 59 Einbrüchen gerufen, jahrs darauf waren es nur 35. „Und die Hälfte all dieser Wohnungseinbrüche bleibt im Versuch stecken. Aber auch sie werden in der Statistik erfasst“, relativierte der Revierleiter. Deutlich mehr Einbrüche verzeichnete die Polizei 2017 in den äußeren östlichen Stadtbezirken und ganz besonders in Bad Cannstatt. Rückläufig waren auch die Fälle von einfachen Diebstahl, und Straftaten gegen das Leben wies die Statistik für 2017 gar keine auf. Auch bei den Fahrraddiebstählen blieb es bei übersichtlichen 14 Fällen gegenüber 18 im Vorjahr. Nahezu unerfreulich hoch geblieben sind indessen die Körperverletzungen, von denen im vergangenen Jahr 265 angezeigt wurden. Insgesamt wurden 2017 in Stuttgart Süd 2410 Straftaten angezeigt, das waren gut vier Prozent aller Straftaten in der Stadt. Groß im Kommen ist offenbar die Cyberkriminalität, die im vergangenen Jahr stadtweit um 81 Prozent zugenommen hat.

Rainer Weigl benannte einige neuralgische Punkte im Süden, an denen sich Ordnungsstörungen häuften. Dazu gehört etwa das Pumpenplätzle, ein beliebter Treff unter Jugendlichen, wo Anwohner öfter über Ruhestörungen klagen. Der Rupert-Mayer-Platz unter der Paulinenbrücke findet Eingang bin die Statistik, weil die Polizei hier oft Personen kontrolliert – im vergangenen Jahr mussten dort 2100 Leute ihre Papiere vorzeigen. Auf der Karlshöhe und nahe dem Teehaus im Weißenburgpark sind es Ruhestörungen und Vermüllung, die ihren Niederschlag in der Kriminalitätsstatistik finden. Auf der Karlshöhe sind es vor allem die exzessiven Abi-Parties, die auch jetzt bald wieder ins Haus stehen. „So ganz werden wir das Problem wohl nie in den Griff bekommen“, sagte Weigl etwas resignativ. Der Marienplatz falle zwar ruhestörungsmäßig gelegentlich auch auf, sei aber insgesamt „recht positiv belebt“.

Aus den genannten Sicherheits- und Ordnungsstörungsschwerpunkten, wie sie im Polizeijargon heißen, erklären sich weitgehend auch die Fallzahlen in den einzelnen Stadtteilen. Die meisten gibt es im Bereich Karlshöhe, gefolgt von Heslach, dem Lehenviertel und Südheim.

Jeder zweite Täter kommt angereist

In Anbetracht der statistischen Erkenntnisse, nimmt es nicht Wunder, dass sich die Menschen im Bezirk einigermaßen sicher fühlen – obschon die Wahrnehmung in dieser Hinsicht manchmal drastisch von der Wirklichkeit abweicht. Nicht so im Süden: Bei der Bürgerumfrage im vergangenen Jahr wurde gefragt, wie hoch man das Risiko einschätze, in den nächsten 12 Monaten Opfer eines Diebstahls, Einbruchs, Gewaltdelikts, Pöbelei, sexueller Belästigung oder anderer Verbrechen zu werden. Im Süden aber auch im Norden und Westen schätzten die Bürger das Risiko als sehr gering ein. Anders in Mitte, wo etwa 30 Prozent der Einwohner durchaus mit einem kriminellen Übergriff rechneten. Auch im Bezirk Ost schätzten die Menschen das Risiko höher ein. Dem entsprach dann auch in etwa das Vermeidungsverhalten der Leute – etwa bei Dunkelheit bestimmte Straßen oder dunkle Parks zu umgehen.

Auch jenseits der Bezirksgrenze muss der Mensch weder unmittelbar um Leib und Leben noch um seinen Krimskrams bangen: „Unter den deutschen Großstädten ist Stuttgart nach München die sicherste Großstadt im Bundesgebiet“, erklärte Rainer Weigl. Und damit nicht der Eindruck entsteht, in den Großstädten lebten generell mehr Verbrecher als auf dem Land, weil die Kleinstädte in den Kriminalitätsstatistiken erst gar nicht auftauchen, ergänzte Weigl: Jeder zweite Straftäter, der hier gefasst wird, ist eigens angereist.

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