Heimat-Check Stuttgart Wie steht es um die Sicherheit in den Stadtbezirken?

Viele Befragte wünschen sich Streifen, die zu Fuß in den Stadtteilen unterwegs sind. Foto: dpa/Marijan Murat

Ob es um Raser, nicht angeleinte Hunde oder randalierende Jugendliche geht. Viele Anwohner, das zeigt unsere nicht repräsentative Umfrage Heimat-Check, wünschen sich mehr Polizeipräsenz. Das Sicherheitsgefühl wird merklich auch von der Zuwanderung beeinflusst.

Reporter: Sebastian Steegmüller (seb)

Wie ist das Sicherheitsempfinden in Stuttgarts Stadtbezirken? Egal, ob man Anwohner in Heslach, im Neckartal oder am Feuersee befragt, ein Wunsch taucht in unserer nicht repräsentativen Umfrage Heimat-Check immer wieder auf: mehr Polizeipräsenz. Auffällig: Die Anforderungen an die Streifen sind sehr unterschiedlich. Generell fühlen sich die Menschen in Möhringen am sichersten. Auch auf den Plätzen zwei bis fünf liegen die Werte noch sehr eng beieinander. Zuffenhausen ist mit 4,82 Punkten am Ende der Rangliste zu finden.

 

Doch, wo drückt konkret der Schuh? In fast allen Stadtbezirken nervt, dass offenbar zu schnell gefahren wird. In Stammheim zum Beispiel soll der Tunnel der B27a „eine Rennstrecke für laute Autos“ sein. In Degerloch wünscht man sich indes mehr Tempo-30-Zonen. „Viele Verkehrsteilnehmer müssten sich an die eigene Nase fassen“, sagt Evelyn Weis, Bezirksvorsteherin von Möhringen, deren Stadtbezirk mit 7,24 Punkten auf dem Spitzenplatz in der Kategorie „Sicherheit“ gelandet ist. „Vor der eigenen Haustür stört es sie, selbst hält man sich dann aber auch nicht immer an die Regeln.“ Als weiteres Ärgernis nennen viele Befragte im gleichen Atemzug Pedelec- und Radfahrer, die keine Rücksicht auf Fußgänger nehmen würden, unter anderem am Neckardamm in Bad Cannstatt. „Darüber hinaus scheint es auch für Rollerfahrer keine Gesetze zu geben“, so ein Teilnehmer aus Stuttgart-West.

Maulkorbpflicht für Kampfhunde in Stuttgart

Dass ein Hund der beste Freund des Menschen ist, bestätigt sich in der Kategorie „Sicherheit“ nicht. „Es sollte stärker darauf geachtet werden, dass sie angeleint sind“, lautet ein Kommentar aus Botnang. In Wangen wünscht man sich sogar eine Maulkorbpflicht. „Wir haben hier viele Kampfhunde. Spazierengehen ist kaum noch möglich, ohne angeknurrt zu werden“, moniert ein Teilnehmer: „Oder man wird vom Halter angepöbelt.“ Das schlechte Miteinander ist ebenfalls ein Punkt, der häufig genannt wird. Dabei rücken Jugendliche in den Fokus. „Im Nordbahnhofviertel ist ihnen so langweilig, dass sehr viel randaliert wird“, so eine Teilnehmerin. Außerdem würde man aus dem eigenen Fenster oftmals Drogenübergaben beobachten: „Aber niemanden interessiert es. Als Frau hier im Dunkeln unterwegs zu sein, ist für mich fast unmöglich.“ Man werde ständig belästigt. Nach 21 Uhr alleine in die Bahn zu steigen, sei eine Zumutung. Eine Hedelfingerin setzt daher nur noch aufs Auto als Fortbewegungsmittel.

In unserer Umfrage wird auch deutlich, dass die Zuwanderung, das subjektive Sicherheitsempfinden trübt. Die Veränderung der Gesellschaft sorgt offenbar für Verunsicherung. „Das Thema Integration ist und bleibt Utopie“, heißt es aus Sillenbuch. Vor allem Migranten unter 30 Jahren würde oftmals der Respekt fehlen, lautet ein Kommentar aus Feuerbach. Ähnliche Eindrücke werden auch aus anderen Stadtbezirken wie Mühlhausen sowie Wangen geschildert.

Auch aus Zuffenhausen, dem Schlusslicht in der Kategorie „Sicherheit“ gibt es entsprechende Klagen. Dort haben 60 Prozent der Bewohner einen Migrationshintergrund. „Das macht sich natürlich in unserem Straßenbild bemerkbar“, sagt Bezirksvorsteher Saliou Gueye. „Die Frage ist, wie gehen wir damit um. Für viele ältere Bürgerinnen und Bürger ist das etwas Neues, das sie nicht kennen und das ihnen Angst macht“, so Gueye, der seit Oktober 2020 für die Belange Zuffenhausens zuständig ist und selbst von sich sagt, dass er als „Afro-Deutscher toll aufgenommen wurde. Meine Hautfarbe hat keine Rolle gespielt. Durch Begegnung und den Dialog können wir Vorurteile und Klischees abbauen. Das ist der Schlüssel für ein gutes Miteinander.“

Wichtig sei Partizipation, beispielsweise mit dem im Jahr 2021 gegründeten Migrationsforum. „Wenn wir in Stuttgart die Hälfe der Menschen nicht miteinbeziehen, wie sollen wir dann zukunftsfähig sein?“ Er sehe aber auch für Zuffenhausen großes Potenzial. „Wir können gemeinsam dafür kämpfen, dass der Stadtbezirk lebens- und liebenswerter wird und sich die Menschen darin wohlfühlen.“

Und wie sieht es beim Klassenprimus in Möhringen aus? Auch dort leben viele Zuwanderer beziehungsweise Flüchtlinge. „Negatives habe ich bislang nicht gehört“, sagt Bezirksvorsteherin Weis. In diesem Zusammenhang lobt sie ausdrücklich das Engagement der Bürgerinnen und Bürger. „Wir haben viele Arbeitsgruppen zur Integration.“ Auch der Freundeskreis Flüchtlinge mache eine hervorragende Arbeit.

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